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Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

53.

Es ist nun zwar auch dieses schon hinreichend, um euch zu belehren, daß ihr diejenigen nicht beschuldigen sollet, welche gesagt haben, der Sohn habe mit dem Vater gleiche Wesenheit. Aber dennoch wollen wir den Ausdruck „Homousion“ an und für sich selbst erklären, damit wir sehen, ob überhaupt das Wort Homousion gebraucht werden dürfe, und ob es der eigentliche Ausdruck sey, und passend von dem Sohne gesagt werde. Denn ihr wisset auch selbst, und Niemand zweifelt wohl daran, daß das Wort „ähnlich“ nicht von Wesenheiten, sondern von Gestalten und Eigenschaften gebraucht werde, denn von Wesenheiten wird man nicht Aehnlichkeit, sondern Identität sagen. Ein Mensch also wird dem Andern ähnlich genannt nicht nach der Wesenheit, sondern nach der Gestalt, und dem Charakter; denn hinsichtlich der Wesenheit haben sie gleiche Natur. Und hinwiederum sagt man nicht, daß ein Mensch einem Hunde unähnlich sey, sondern daß er eine verschiedene Natur habe. Was also gleiche Natur hat, das hat auch gleiche Wesenheit, und was eine verschiedene Natur hat, das hat auch eine verschiedene Wesenheit. Wer also einen dem Wesen nach ähnlich nennt, der nennt ihn in Folge der Theilnahme ähnlich; denn die Aehnlichkeit ist eine Eigenschaft, welche der Wesenheit zukommen kann. Dieses ist aber den Geschöpfen eigenthümlich; denn diese werden durch Theilnahme Gott ähnlich. Denn Johannes sagt:1 „Wenn es sich zeigen wird, werden wir Ihm ähnlich seyn,“ ähnlich nämlich nicht durch die Wesenheit, sondern durch die Kindschaft, deren wir durch ihn theilhaftig werden. Wenn ihr ihn nun in Folge der Theilnahme Sohn nennet, so müsset ihr sagen, daß er eine ähnliche Wesenheit habe. Wenn man aber dieses von ihm sagt, so ist er weder Wahrheit, noch überhaupt Licht, noch von Natur Gott. Denn was durch Theilnahme ist, das wird nicht wahrhaftig, sondern wegen der Aehnlichkeit mit der Wahrheit ähnlich genannt, so daß das, was man durch Theilnahme erhält, von den Theilnehmern wegfallen und weggenommen werden kann. Dieses ist aber wieder den Geschöpfen und Werken eigen. Wenn nun dieses ungereimt ist, so wird er nicht durch Theilnahme, sondern von Natur und in Wahrheit Sohn, Licht, Weisheit, Gott seyn; wenn er es aber von Natur und nicht durch Theilnahme ist, so wird er im eigentlichen Sinne nicht homöousios, sondern homousios genannt werden müssen. Dieses kann aber wohl Niemand von andern Dingen sagen; denn es ist nachgewiesen worden, daß von den Wesenheiten das Wort „ähnlich“ nicht gesagt werde; wie ist es nicht thöricht, oder vielleicht auch eine schwere Sünde, dieses von dem Sohne zu sagen, und nicht vielmehr, daß er dieselbe Wesenheit habe?

1: 1. Ioh. Ill, 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger