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Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

52.

Wenn wir dagegen bei unserm Bekenntnisse des Vaters und des Sohnes zwei Prinzipe, oder zwei Götter, wie Marcion und Valentinus, behaupten oder sagen, der Sohn habe irgend eine andere Art von Gottheit, und der Sohn sey nicht das Ebenbild und der Abglanz des Vaters, weil er aus ihm gezeugt ist; so mag er eine ungleiche Wesenheit haben; denn solche Wesenheiten sind unter einander ganz und gar verschieden. Wenn wir aber wissen, daß die Gottheit des Vaters Eine und allein, und daß der Sohn sein Wort und seine Weisheit ist, und wenn wir bei diesem Glauben behaupten, daß es nicht zwei Götter gebe, und denken, daß die Einheit des Sohnes mit dem Vater nicht durch Gleichheit der Lehre, sondern der Wesenheit nach und in Wahrheit bestehe, so daß wir deßwegen nicht zwei Götter, sondern Einen behaupten, indem das Angesicht Gottes nur Eines ist, wie das Licht und der Glanz; denn dieses erschien dem Patriarchen Jakob, und die Schrift sagt:1 „Da aber ging ihm die Sonne auf, nachdem vorübergegangen war das Angesicht Gottes;“ und die heiligen Propheten haben, indem sie dieses sahen und indem sie erwogen, wessen Sohn und Ebenbild er ist, gesagt: „Das Wort des Herrn erging an mich,“ und, da sie den in ihm gesehenen und geoffenbarten Vater erkannten, mit Zuversicht gesprochen: „Mir ist erschienen der Gott unserer Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs;“ wenn nun dieses, sage ich, so ist, warum scheuen wir uns zu sagen, daß derjenige, welcher Eines mit dem Vater ist, und eben so erscheint, wie der Vater ist, der Gleichheit und der Einen Gottheit gemäß gleiche Wesenheit habe? Denn ist er, wie schon öfter bemerkt wurde, als Sohn der väterlichen Wesenheit weder eigen noch gleich, so fürchten wir uns mit Recht vor diesem Ausdrucke. Ist er aber die dem Vater eigene erleuchtende und schaffende Kraft, ohne die er weder erschafft, noch erkannt wird, (denn Alles besteht durch ihn und in ihm,) warum weigern wir uns dann, da wir doch die Sache erkennen, den Ausdruck auszusprechen, der dies bezeichnet? Denn was heißt, dieselbe Natur haben wie der Vater, anders, als mit ihm gleiche Wesenheit haben? Denn Gott hat nicht, als wenn er eines Dieners bedürfte, einen fremden Sohn angenommen, und die Geschöpfe haben nicht dieselbe Würde, wie der Schöpfer, so daß sie eben so, wie jener, verehrt würden, oder daß man glauben sollte, diese und der Vater seyen Eines. Oder man müßte sich nur erfrechen, eine Trennung vorzunehmen und zu sagen, Sonne und Glanz seyen zwei Lichter, oder ihre Wesenheit sey verschieden, oder der Glanz der Sonne sey bloß zufällig, und nicht das einfache und reine Erzeugniß aus der Sonne, so daß Sonne und Glanz zwar zwei Dinge sind, das Licht aber Eines, weil dieses das Erzeugniß aus der Sonne ist. Da nun die.Natur des Sohnes so beschaffen, ja noch unzertrennlicher von dem Vater ist, und da die Gottheit dem Sohne nicht durch Zufall zu Theil geworden, sondern die väterliche Gottheit in dem Sohne ist, so daß der, welcher den Sohn sieht, in ihm den Vater sieht, warum soll von einem solchen nicht gesagt werden, daß er gleiche Wesenheit habe?

1: Genes. XXXIl, 31.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger