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Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

48.

Daß also dieses die Meinung der Väter war, sollen wir sagen und glauben. Wohlan aber! wir wollen mit ihnen die Sache abermals mit Sanftmuth und gutem Bewußtseyn untersuchen, indem wir das früher Gesagte erwähnen, ob nicht in der That bewiesen werden könne, daß die zu Nicäa versammelten Väter richtig gedacht haben. Wenn das Wort ein Geschöpf und von der Wesenheit des Vaters verschieden ist, so daß es von dem Vater getrennt wird, und zwar durch eine Trennung, welche von der Verschiedenheit der Natur herrührt, so hat es gewiß nicht gleiche Wesenheit mit dem Vater, sondern vielmehr gleiche Natur mit den Geschöpfen, obschon es diese an Gnade übertrifft. Bekennen wir aber, daß es kein Geschöpf, sondern wirklich aus der Wesenheit des Vaters gezeugt sey, so folgt hieraus, daß es von dem Vater nicht getrennt werden kann, weil es aus ihm gezeugt ist und daher mit ihm gleiche Natur hat. Wenn es aber so beschaffen ist, so wird mit Recht gesagt werden, daß es gleiche Wesenheit hat. Ist ferner der Sohn nicht durch Theilnahme, sondern ist er durch die Wesenheit das Wort und die Weisheit des Vaters, und ist diese Wesenheit aus der Wesenheit des Vaters geboren und dieser gleich, wie der Glanz des Lichtes, und sagt der Sohn:1 „Ich und der Vater sind Eines;“ und:2 „Wer mich sieht, der sieht den Vater;“ wie muß man dann diese Worte verstehen? oder in welchem Sinne müssen wir sie fassen, um die Einheit des Vaters und des Sohnes unverletzt zu bewahren? Denn verstehen wir sie von der Uebereinstimmung der Meinung, und davon, daß der Sohn von dem Vater in diesen nicht abweicht, wie die Arianer sagen, so taugt diese Ansicht nichts. Denn auch die Heiligen und noch mehr die Engel und Erzengel haben eine solche Uebereinstimmung mit Gott, und bei ihnen findet keine Mißhelligkeit Statt; denn den widerspenstigen Teufel sah man vom Himmel fallen, wie der Herr sagt. Wenn daher in Folge der Eintracht der Vater und der Sohn Eines sind, so werden auch die Geschöpfe, welche auf diese Art mit Gott übereinstimmen, Eins mit ihm seyn, und ein Jeder kann sagen: „Ich und der Vater sind Eines.“ Ist aber dieses ungereimt, wie es auch wirklich ungereimt ist, so ist es also nothwendig, daß man die Einheit des Vaters und des Sohnes der Wesenheit nachdenkt. Denn wenn auch die Geschöpfe mit ihrem Schöpfer übereinstimmen, so thun sie dieses bloß durch Bewegung, Theilnahme und Gesinnung; und weil jener diese Uebereinstimmung nicht bewahrte, ist er aus dem Himmel verstossen worden. Der Sohn aber ist aus der Wesenheit gezeugt, und darum sind auch er und der Vater, welcher ihn gezeugt hat, der Wesenheit nach Eines.

1: Ioh. X, 30.
2: Das. XlV, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger