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Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

45.

Wenn also Jemand die zu Nicäa versammelten Väter tadelt, weil sie manches gegen die Beschlüsse der Vorfahren gesagt haben sollten, so wird er mit Recht auch die siebenzig Bischöfe tadeln, daß sie die Beschlüsse ihrer Vorfahren nicht aufrecht erhalten haben. Denn ihre Vorfahren waren die beiden Dionyse, und die damals zu Rom versammelten Bischöfe. Allein man darf weder diese, noch jene, beschuldigen; denn sie alle haben die Sache Christi verfochten, und alle haben ihren Eifer gegen die Ketzer verwendet, die Einen haben den Samosaten, die Andern die arianische Ketzerei verdammt. Richtig aber und dem vorliegenden Gegenstande angemessen haben sowohl diese als jene geschrieben. Denn wie der selige Paulus in seinem Sendschreiben an die Römer sagte:1 „Das Gesetz ist geistig,“ und:2 „Das Gesetz ist heilig; und heilig, gerecht und gut ist das Gebot;“ und kurz hernach:3 „Da dieses dem Gesetze unmöglich war, weil es (durch das Fleisch) geschwächt wurde;“ wie er an die Hebräer schrieb:4 „Denn das Gesetz hat keinen vollkommen gemacht;“ und an die Galater:5 „Durch das Gesetz wird Niemand gerechtfertiget werden;“ an den Timotheus aber:6 „Das Gesetz ist gut, wenn es Jemand recht gebraucht;“ und wie doch Niemand den Heiligen beschuldigte, als hätte er Widersprechendes und Widerstreitendes geschrieben, sondern Jedermann ihn vielmehr bewunderte, weil er Allen auf passende Weise schrieb, damit die Römer und die Uebrigen lernen möchten, von dem Buchstaben hinweg zu dem Geiste sich zu wenden, die Hebräer und Galater hingegen lernen möchten, nicht auf das Gesetz, sondern auf den Herrn, welcher das Gesetz gab, ihre Hoffnung zu setzen; eben so dürfen, obgleich die Väter der beiden Synoden hinsichtlich des Homousion oder der gleichen Wesenheit sich verschieden ausgedrückt haben, wir dennoch keineswegs von ihnen abweichen, sondern müssen ihre Meinung genau prüfen, und dann werden wir die Uebereinstimmung beider Synoden gewiß finden. Denn die, welche den Samosaten absetzten, haben den Ausdruck Homousion auf körperliche Weise verstanden, da Paulus spitzfindig beweisen wollte und sagte: Wenn Christus nicht aus dem Menschen Gott geworden ist, so hat er mit dem Vater gleiche Wesenheit, und es muß drei Wesenheiten geben, nämlich Eine, welche zuerst war, und Zwei, welche aus dieser hervorgingen. Weil sie nun jene leere Spitzfindigkeit des Samosaten mit Recht scheuten, sagten sie, Christus habe nicht gleiche Wesenheit; denn der Sohn verhält sich nicht so zum Vater, wie jener dachte. Diejenigen aber, welche die arianische Ketzerei verdammten, haben, da sie die Schlauheit des Paulus bemerkt hatten und dachten, das Homousion dürfe von den unkörperlichen Dingen, und zumal von Gott, nicht auf diese Weise verstanden werden, und da sie erkannten, daß das Wort nicht geschaffen, sondern aus der Wesenheit gezeugt sey, und daß die Wesenheit des Vaters der Anfang, die Wurzel und die Quelle des Sohnes sey, und daß er das wahre Gleichbild des Erzeugers selbst sey, und daß er nicht, wie wenn er eine andere Natur, wie wir, hätte, von dem Vater getrennt sey; sondern daß der Sohn, weil er aus demselben ist, ungetheilt sey, wie der Glanz in Beziehung auf das Licht; da sie ferner auch die Beispiele des Dionysius hatten, nämlich die Quelle und die Vertheidigung der gleichen Wesenheit, und vor diesem die Worte des Heilandes, welche die Einheit anzeigen, nämlich:7 „Ich und der Vater sind Eins;“ und8 „Wer mich sieht, der sieht auch den Vater;“ diese haben, sage ich, deßwegen mit Recht auch selbst behauptet, daß der Sohn gleiche Wesenheit habe. Und wie, nach der obigen Bemerkung, Niemand den Apostel beschuldiget, daß er in Bezug auf das Gesetz an die Römer so, an die Hebräer aber anders geschrieben habe; eben so sollen auch weder die jetzigen Menschen die Vorfahren beschuldigen, wenn sie ihre Auslegung erblicken, noch die Frühern ihre Nachkommen tadeln, wenn sie sehen, in welchem Sinne und zu welchem Behufe dieselben so von dem Herrn geschrieben haben. Denn eine jede Synode hatte ihren triftigen Grund, warum die einen Väter so, die andern anders sprachen. Denn da der Samosate der Meinung war, der Sohn sey nicht vor Maria gewesen, sondern habe von ihr den Anfang des Daseyns erhalten, so setzten ihn deßwegen die damals versammelten Bischöfe ab, und erklärten ihn für einen Häretiker; da sie aber über die Gottheit des Sohnes mit redlicher Einfalt schrieben, kamen sie nicht zu einer genauen Erklärung des Homousion oder der gleichen Wesenheit, sondern sprachen so, wie sie es faßten, von dem Homousion. Denn ihre ganze Sorge ging dahin, das, was der Samosate ersonnen hatte, umzustossen, und zu beweisen, daß der Sohn vor allen Dingen gewesen, und daß er nicht aus Menschen Gott geworden sey, sondern, da er Gott war, Knechtes - Gestalt angenommen habe, und, als Wort, Fleisch geworden sey, wie Johannes sagt; und so wurde gegen die Gotteslästerung des Paulus verfahren. Weil aber die Eusebianer und Arianer behaupteten, der Sohn sey zwar vor den Zeiten gewesen, aber dennoch lehrten, er sey geschaffen worden und Eines aus den Geschöpfen, und nicht glaubten, daß durch den Ausdruck „aus Gott“ die wirkliche Geburt des Sohnes aus dem Vater bezeichnet sey, sondern behaupteten, der Sohn sey eben so aus Gott, wie die Geschöpfe von Gott sind, und sagten, die Einheit und Gleichheit des Sohnes mit dem Vater sey nicht von der Wesenheit und der Natur, wie ein Sohn dem Vater ähnlich ist, sondern bloß von der Uebereinstimmung der Dogmen und der Lehre zu verstehen; ja weil sie sogar die Wesenheit des Sohnes von dem Vater gänzlich trennten und für fremdartig erklärten, indem sie ihm einen von dem Vater verschiedenen Anfang des Seyns andichteten, und ihn zu den Geschöpfen herabwürdigten; deßwegen zogen die zu Nicäa versammelten Väter, als sie die Verschmitztheit derjenigen, welche so dachten, durchschauten, den Sinn aus den Schriften zusammen, und schrieben mit mehr Deutlichkeit den Ausdruck „Homousion“ nieder, auf daß man hieraus die wahre und echte Natur des Sohnes erkennen, und einsehen möchte, daß die Geschöpfe mit lhm nichts gemein haben. Denn die genauere Bestimmung dieses Wortes widerlegt die Verstellung derselben, wenn sie den Ausdruck „aus Gott,“ aussprechen, und beseitiget alle ihre Spitzfindigkeiten, durch welche sie die Unbehutsamen verführen. Weil sie nun Alles andere nach Belieben durch Sophismen umstossen und verdrehen können, fürchten sie nur diesen Ausdruck, welcher ihre Ketzerei widerlegt, und welchen die Väter gleichsam als ein Bollwerk gegen ihre ganze gottlose Gesinnung niedergeschrieben haben.

1: Röm. VII, 14.
2: Das. 12.
3: Das. VIll, 3.
4: Hebr. Vll,
5: Galat. III, 14.
6: I Tim. I, 8.
7: Ioh. X, 30.
8: Das. XlV, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger