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Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

41.

Uebrigens möge zur Widerlegung derjenigen, welche die ganze Synode verwerfen, dieses Wenige genügen. Was aber diejenigen betrifft, welche zwar alles Uebrige, was zu Nicäa niedergeschrieben wurde, annehmen, hinsichtlich des Ausdruckes Homousion allein jedoch einen Zweifel hegen, so darf man diese nicht als Feinde betrachten. Denn wir treten ihnen nicht als Ariomaniten oder Widersachern der Väter entgegen, sondern reden mit ihnen wie Brüder mit Brüdern, welche dieselbe Gesinnung, wie wir, haben, und nur hinsichtlich des Wortes allein zweifeln. Denn da sie bekennen, daß der Sohn aus der Wesenheit des Vaters, und nicht aus einer andern Wesenheit sey, und daß er nichts Geschaffenes und nichts Gemachtes sey, sondern der natürliche und wirkliche Gezeugte, und daß er als Wort und Weisheit von Ewigkeit her zugleich mit dem Vater existire; so sind sie nicht weit mehr davon entfernt, den Ausdruck »von gleicher Wesenheit« anzunehmen. Ein solcher ist Basilius von Ancyra, welcher über den Glauben geschrieben hat. Denn der Ausdruck, er sey nur dem Wesen nach ähnlich, bezeichnet nicht ganz ebendasselbe, was der Ausdruck »aus der Wesenheit« bezeichnet, wodurch mehr, wie auch sie gesagt haben, die wirkliche Geburt des Sohnes aus dem Vater angedeutet wird. Denn das Zinn ist dem Silber nur ähnlich, und der Wolf dem Hunde, und das Messing dem echten Golde, und dennoch ist das Zinn nicht aus dem Silber, und der Wolf kann nicht für den Sohn des Hundes gehalten werden. Da sie aber gesagt haben, daß er aus der Wesenheit sey und eine ähnliche Wesenheit habe, was bezeichnen sie dadurch anders, als daß er gleiche Wesenheit habe? Denn gleichwie derjenige, welcher ihn dem Wesen nach nur ähnlich nennt, keineswegs andeutet, daß er auch aus der Wesenheit sey, so umfaßt derjenige, welcher sagt, daß er gleiche Wesenheit habe, den Sinn beider Ausdrücke, nämlich den des Ausdruckes „von ähnlicher Wesenheit“ und den des Ausdruckes „aus der Wesenheit.“ Sie haben sich also wieder gegen diejenigen erhoben, welche sagen, das Wort sey ein Geschöpf, und nicht zugeben wollen, daß es wirklicher Sohn sey, und dabei ihre Beweise gegen dieselben aus den menschlichen Beispielen des Sohnes und des Vaters entlehnt, doch mit der Ausnahme, daß Gott nicht wie ein Mensch sey, und die Geburt des Sohnes nicht, wie eine menschliche Geburt, sondern so, wie sie für Gott geziemt, und von uns verstanden werden muß. Denn sie haben den Vater auch die Quelle der Weisheit und des Lebens genannt, den Sohn aber den Abglanz des ewigen Lichtes, und behauptet, er sey aus der Quelle geboren, der da sagt:1 „Ich bin das Leben,“ und:2 „Ich, die Weisheit, wohne bei dem Rathe.“ Was könnte man aber von dem Glanze aus dem Lichte, von dem Erzeugnisse aus der Quelle, und von dem Sohne aus dem Vater für einen passendem Ausdruck gebrauchen, als: Er sey von gleicher Wesenheit? Muß man sich nun, da die von Menschen Gebornen gleiche Wesenheit haben, nicht hüten, auch den Sohn, da man auch von ihm sagt, daß er gleiche Wesenheit habe, für eine menschliche Erzeugung zu halten? Dieß sey ferne! So ist es nicht. Sondern dieses läßt sich leicht lösen; denn der Sohn ist das Wort und die Weisheit des Vaters; und hiedurch wird angezeigt, daß die Geburt aus dem Vater ohne Empfindung und Theilung geschehe. Denn auch das Wort der Menschen ist kein Theil von ihnen, und geht, ohne eine Empfindung zu verursachen, aus ihnen hervor; geschweige denn das Wort Gottes, welches der Vater für seinen Sohn erklärt hat, damit man nicht wieder, wenn man bloß „Wort“ hört, glauben möchte, es sey eben so beschaffen, wie das Wort der Menschen, nämlich ohne Wesenheit; sondern damit man, wenn man hört, daß es Sohn ist, erkenne, daß dieses das lebendige Wort und die wesentliche Weisheit sey.

1: Ioh. XIV, 16.
2: Sprüch. VIII, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger