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Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

39.

Was hat euch nun dazu bewogen, daß ihr euch selbst widersprechet, und eine so große Schande davon traget? Gewiß werdet ihr keinen vernünftigen Grund angeben können; und nur dieses bleibt zu denken übrig, daß ihr jetzt alle Vorstellungskunst und jede Erdichtung gebrauchet wegen des Schutzes des Konstantius, und wegen des Gewinnes, den ihr daraus ziehet. Es kostet euch wenig Mühe, die Väter zu beschuldigen, und ihr gebrauchet schlechthin die Worte zum Vorwande als solche, welche nicht in den heiligen Schriften stehen, „und spreiztet,“ wie geschrieben steht,1 „euere Beine gegen alle Vorübergehende aus;“ so daß ihr euere Ansicht so oft ändert, als es jene haben wollen, welche euch dingen und mit Geld dazu miethen. Und doch liegt gewiß nichts daran, wenn Jemand Worte, die nicht in der Schrift stehen, vorbringt, so lange er die fromme Gesinnung bewahrt. Der ketzerische Mann aber ist, wenn er sich auch der Worte aus den Schriften bedient, dennoch verdächtig, und wird, weil er eine verderbte Gesinnung hat, von dem heiligen Geiste die Worte hören:2 „Warum verkündigest du meine Rechte, und warum nimmst du meinen Bund in deinen Mund?“ So wurde der Teufel, obgleich er Worte aus den Schriften gebrauchte, von dem Heilande zum Schweigen gebracht. Der selige Paulus aber hat, obschon er profane Worte redet, als:3 „Die Kreter waren immer Lügner;“ und:4 „Denn wir sind sein Geschlecht;“ und:5 „Böse Gespräche verderben gute Sitten;“ dennoch als heiliger Mann eine religiöse Gesinnung, und ist, indem er den Sinn Christi hat, Lehrer der Völker in dem Glauben und der Wahrheit, und sagt Alles, was er spricht, mit Frömmigkeit. Was liegt jedoch für eine überzeugende Kraft in den Ausdrücken der Arianer, in welchen die Raupe und die Heuschrecke dem Heilande vorgezogen, und er von ihnen so gelästert wird: Du warst einmal nicht; und: Du bist geschaffen; und: Du bist der Wesenheit nach von Gott verschieden; und in welchen überhaupt keine Schmähung übergangen ist? Was hingegen, das zum Lobe Christi dienen könnte, haben die Väter unterlassen? Haben diese heiligen Männer nicht vielmehr eine erhabene Ansicht von Christo und eine religiöse Liebe zu ihm? Und dennoch schrieben jene Menschen: Wir verwerfen es. Sie hören aber jene Lästerungen gegen den Herrn geduldig an, und stellen es Allen klar vor Augen, daß sie aus keiner andern Ursache gegen jenen großen Kirchenrath streiten, als weil er die arianische Ketzerei verdammt hat. Denn darum tadeln sie auch den Ausdruck Homousion, hinsichtlich dessen sie selbst unrichtig denken. Denn hätten sie den rechten Glauben, so würden sie den Vater wahrhaftig als Vater bekennen, von dem Sohne aber glauben, daß er der wirkliche Sohn, und das von Natur wahre Wort, und die Weisheit des Vaters ist. Würden sie ferner die Worte, daß der Sohn aus Gott sey, von ihm nicht so verstehen, wie sie von den Geschöpfen gesagt werden, sondern annehmen, daß er der eigene Gezeugte der Wesenheit des Vaters ist, wie der Glanz aus dem Lichte entsteht; so würde nicht ein Jeder von ihnen die Väter beschuldigen, sondern vielmehr mit Zuversicht aussprechen, daß die Synode richtig geschrieben habe, und daß dieses der rechte Glaube hinsichtlich unsers Herrn Jesu Christi sey.

1: Ezech. XVl, 25.
2: Psalm XLIX, 16.
3: Tit. l, 12.
4: Apg. XVIl, 28.
5: I. Kor. XV, 33.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger