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Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

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Aber auch bei diesem blieben sie noch nicht stehen; denn sie versammelten sich abermals zu Sirmium gegen den Photinus, und verfaßten da wieder eine Glaubensformel. Diese machten sie jedoch nicht so weitläufig, und so wortreich; sondern sie ließen das Meiste weg und setzten Anderes hinzu, als hätten sie es von Einigen durch Einflüsterung vernommen, und schrieben Folgendes1.

Wir glauben an Einen Gott, allmächtigen Vater, den Schöpfer und Urheber aller Dinge, von dem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden den Namen hat. Und an seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, welcher vor allen Zeiten aus dem Vater geboren worden ist, Gott aus Gott, Licht vom Lichte, durch welchen Alles gemacht ist im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare; welcher das Wort und die Weisheit, das wahre Licht und das Leben ist; der in den jüngsten Tagen unsertwegen Mensch geworden, aus der heiligen Jungfrau geboren, und gekreuziget worden, gestorben, begraben worden, am dritten Tage von den Todten auferstanden, und in den Himmel aufgenommen worden ist, zur Rechten des Vaters sitzt, und am Ende der Welt kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten, und einem Jeden zu vergelten nach seinen Werken; dessen Reich ohne Ende fortbesteht und fortdauert in unendliche Zeiten. Denn er wird sitzen zur Rechten des Vaters, nicht allein in dieser Zeit, sondern auch in der Zukünftigen. Und an den heiligen Geist, das ist, den Tröster, welchen er den Aposteln verheissen hat zu senden nach seiner Himmelfahrt, und gesandt hat, sie Alles zu lehren und Alles ihnen einzugeben, durch den auch die Seelen derjenigen geheiliget werden, welche mit aufrichtigem Herzen an ihn glauben.

I. Diejenigen aber, welche sagen: Der Sohn ist aus Nichts, oder aus einer andern Substanz, und nicht aus Gott; und: Es war eine Zeit oder ein Jahrhundert, wo er nicht war, diese erkennt die heilige und katholische Kirche für Abtrünnige.

II. Ferner sagen wir: Wenn Jemand den Vater und den Sohn zwei Götter nennt; so sey er verflucht!

III. Und wenn Jemand sagt, Christus sey Gott, und von Ewigkeit Sohn Gottes, aber nicht bekennt, daß er dem Vater bei der Schöpfung aller Dinge Beistand geleistet habe; so sey er verflucht!

IV. Wenn es Jemand wagt, zu sagen, der nicht geborne Gott, oder ein Theil desselben sey aus Maria geboren worden; so sey er verflucht!

V. Wenn Jemand sagt, der Sohn sey dem Vorherwissen nach vor Maria, und nicht als vor der Welterschaffung aus dem Vater geboren bei Gott, und es sey nicht Alles durch ihn gemacht worden; so sey er verflucht!

VI. Wenn Jemand sagt, die Substanz Gottes könne aus gedehnt oder zusammengezogen werden; so sey er verflucht!

VII. Wenn Jemand sagt, die Ausdehnung der Substanz Gottes mache den Sohn, oder wenn Jemand die Ausdehnung der Substanz Gottes Sohn nennt; so sey er verflucht.

VIII. Wenn Jemand sagt, es sey das inwohnende oder ausgesprochene Wort der Sohn Gottes; so sey er verflucht!

IX. Wenn Jemand den aus Maria gebornen Sohn einen bloßen Menschen nennt; so sey er verflucht!

X. Wenn Jemand unter dem aus Maria gebornen Gott und Menschen den nichtgebornen Gott selbst versteht; so sey er verflucht!

XI. Wenn Jemand die Worte:2 „Ich bin der erste und letzte Gott, und ausser mir ist kein Gott,“ welche zum Sturze der Götzen und falschen Götter gesprochen worden sind, wie zum Sturze des eingebornen Gottes, welcher vor der Weltschöpfung war, gesagt ansieht nach der Weise der Juden; so sey er verflucht!

XII. Wenn Jemand, da er hört:3 „Das Wort ist Fleisch geworden,“ glaubt, das Wort sey in Fleisch verwandelt worden, oder es habe durch die Annahme des Fleisches eine Veränderung erlitten; so sey er verflucht!

XIII. Wenn Jemand, weil er hört, der eingeborne Sohn Gottes sey gekreuziget worden, behauptet, seine Gottheit habe Zerstörung, oder Leiden, oder Verringerung, oder Auflösung erlitten; so sey er verflucht!

XIV. Wenn Jemand sagt, der Vater habe die Worte:4 „Lasset uns den Menschen machen,“ nicht zu dem Sohne gesprochen, sondern Gott habe sie zu sich selbst geredet; so sey er verflucht!

XV. Wenn Jemand sagt, nicht den Sohn habe Abraham gesehen, sondern den nichtgebornen Gott, oder einen Theil desselben; so sey er verflucht!

XVI. Wenn Jemand sagt, mit Jakob habe nicht der Sohn als Mensch gerungen, sondern der nichtgeborne Gott, oder ein Theil desselben; so sey er verflucht;

XVII. Wenn Jemand die Worte:5 „Es regnete der Herr Feuer vom Herrn,“ nicht von dem Vater und dem Sohne versteht, sondern sagt, er habe von sich selbst geregnet; so sey er verflucht! denn der Herr, der Sohn, hat von dem Herrn, dem Vater geregnet.

XVIII. Wenn Jemand, weil er hört, der Vater sey Herr, und der Sohn sey Herr, und Herr sey der Vater und Sohn, da der Herr aus dem Herrn ist, behauptet, es seyen zwei Götter; so sey er verflucht! Denn wir stellen den Sohn dem Vater nicht gleich, fondern denken ihn als dem Vater unterworfen; denn er ist ohne den Willen des Vaters weder auf Sodoma herabgestiegen, noch hat er von sich geregnet, sondern von dem Herrn, das ist, von dem Vater veranlaßt; auch sitzt er nicht durch sich selbst zur Rechten des Vaters, sondern hört den Vater sprechen:6 „Setze dich zu meiner Rechten! “

XIX. Wenn Jemand den Vater und den Sohn und den heiligen Geist Eine Person nennt; so sey er verflucht!

XX. Wenn Jemand den heiligen Geist den Tröster nennt, und den nichtgebornen Gott darunter versteht; so sey er verflucht!

XXI. Wenn Jemand nicht, wie uns der Herr gelehrt hat, den Tröster von dem Sohne verschieden nennt; denn er sprach:7 „Und einen andern Tröster wird euch der Vater senden, um den ich ihn bitten werde;“ so sey er verflucht!

XXII. Wenn Jemand den heiligen Geist einen Theil des Vaters oder des Sohnes nennt; so sey er verflucht!

XXIII. Wenn Jemand den Vater, und den Sohn, und den heiligen Geist drei Götter nennt; so sey er verflucht!

XXIV. Wenn Jemand sagt, der Sohn Gottes sey durch den Willen Gottes, wie Eines der Geschöpfe, gemacht worden; so sey er verflucht!

XXV. Wenn Jemand behauptet, der Sohn sey, ohne baß es Vater wollte, geboren worden; so sey er verflucht! Denn der Vater hat nicht aus Zwang, oder aus natürlicher Nothwendigkeit, da er nicht wollte, den Sohn gezeugt, sondern er hat, sobald er wollte, ohne Zeit und ohne Empfindung, den Sohn aus sich selbst gezeugt.

XXVI. Wenn Jemand behauptet, daß der Sohn nicht geboren und ohne Anfang sey, als wenn er zwei Wesen ohne Anfang, und zwei nichtgeborne Wesen annähme; so sey er verflucht! Denn das Haupt, welches der Anfang aller Dinge ist, ist der Sohn; das Haupt aber, welches der Anfang Christi ist, ist Gott; denn so führen wir Alles auf Einen anfangslosen Anfang aller Dinge mit Frömmigkeit vermittelst des Sohnes zurück.

XXVII. Und indem wir abermals die Lehre des Christenthumes genau prüfen, sagen wir: Wenn Jemand läugnet, Christus, Gott, sey vor den Zeiten Gottes Sohn gewesen, und habe dem Vater bei der Schöpfung aller Dinge Dienst geleistet, sondern sagt, er sey erst Christus und Sohn genannt worden, seitdem er aus Maria geboren ward, und habe erst seit dieser Zeit angefangen, Gott zu seyn; fo sey er verflucht!

1: Diese sechste Glaubensformel ward verfaßt im Jahre 351. Sie steht bei Sokrates lib. 2, cap. 30; bei Nicephorus lib. 9, cap. 31; bei Hilarius „von den Synoden“ 38 Hauptstück. Sieh Kirchenväter Band lX, Seite 385, die Anmerkung.
2: Isai. XLIV, 6.
3: Joh. l, 14.
4: Genes, l, 26.
5: Das. XlX, 24.
6: Psalm. ClX, I.
7: Joh. XIV, 16.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger