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Athanasius (295-373) - Brief an den Philosophen Maximus (Epistula ad Maximum philosophum)

3.

Uebrigens konnte ich auch dieses nicht begreifen, wie sie sich auch nur zu denken erfrechten, daß er nach der gewöhnlichen Ordnung der Natur Mensch geworden sey. Denn wäre dieses der Fall, so wäre die Erwähnung Mariens überflüssig. Denn die Natur weiss von keiner Jungfrau, welche ohne Mann gebärt. Daher ist er nach dem Wohlgefallen des Vaters, als wahrer Gott und als das natürliche Wort und die Weisheit des Vaters, um unseres Heiles willen körperlich Mensch geworden, damit er hätte, was er für uns darbringen könnte, und so uns Alle erlösete, die wir durch die Furcht vor dem Tode das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren1. Denn nicht irgend ein Mensch hat sich für uns hingegeben, weil jeder Mensch des Todes schuldig ist, nach dem, was zu Adam und in ihm zu Allen gesagt wurde:2 „Du bist Erde, und sollst wieder in die Erde zurückkehren." Aber auch kein anderes aus den Geschöpfen konnte dieses thun, weil die ganze Schöpfung der Veränderung unterworfen ist. Sondern das Wort selbst hat seinen eigenen Leib für uns dargebracht, damit wir unsern Glauben und unsere Hoffnung nicht auf einen Menschen, sondern auf Gott das Wort selbst unsern Glauben setzen möchten. Ja, nachdem er Mensch geworden ist, sehen wir seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie sie der Eingeborne des Vaters hat, voll Gnade und Wahrheit3. Denn was er mittelst des Leibes erduldete, das verherrlichte er als Gott. So litt er zwar dem Fleische nach Hunger, speisete aber als Gott die Hungerigen. Wenn sich daher Jemand an seinen leiblichen Werken ärgert, so glaube er demjenigen zu Folge, was er als Gott thut. Denn er fragt als Mensch, wo Lazarus liege, erweckt ihn aber als Gott. Daher spotte und sage Niemand, er sey Kind gewesen, sey gewachsen, habe gegessen, getrunken und gelitten, damit er nicht, wenn er die Eigenschaften des Leibes läugnet, ganz und gar läugne, daß das Wort unsertwegen angekommen sey. Und wie es nicht nach dem gewöhnlichen Gange der Natur Mensch geworden ist, so mußte es folgerichtig nach der Annahme des Leibes die Eigenschaften desselben zeigen, damit nicht die scheinbare Menschwerdung des Manichäus Platz greife. Ferner mußte es sich so im Leibe zeigen, daß es die Eigenschaften der Gottheit nicht verbarg, damit nicht der Samosate Anlaß fände zu sagen, Christus sey ein Mensch und von Gott dem Worte verschieden.

1: Hebr. II, 15.
2: Genes. III, 19.
3: Ioh. I, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger