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Athanasius (295-373) - Brief an den Philosophen Maximus (Epistula ad Maximum philosophum)

1.

Dem geliebten und wahrhaft ersehntesten Sohne, dem Philosophen Maximus, entbietet Athanasius seinen Gruß in dem Herrn.

Als ich dein letzteres Schreiben durchlas, bemerkte ich zwar deine Frömmigkeit mit Wohlgefallen, wunderte mich aber über die Verwegenheit derjenigen, welche nicht verstehen, was sie sagen und worüber sie Behauptungen aufstellen, und faßte wirklich den Entschluß, zu schweigen. Denn über so einleuchtende Dinge, welche klarer als das Licht selbst sind, antworten, heißt nichts anders, als diesen so gottlosen Menschen Anlaß zur Unverschämtheit geben. Und dieses haben wir vom Heilande selbst gelernt. Denn nach dem Pilatus die Hände gewaschen und die Verleumdung der damaligen Juden angehört hatte, antwortete ihm der Herr nicht mehr, sondern ermahnte vielmehr dessen Gattin1 in einem Gesichte, man solle nicht der Worte, sondern der Macht wegen glauben, daß der, welcher gerichtet werde, Gott sey. Derselbe aber, welcher dem Kaiphas auf seine albernen Fragen keine Antwort gab, führte durch seine Verheißung Alle zu seiner Erkenntniß. Daher also habe ich lange gezögert, und erst dann, als ich das Wortgezänke jener Unverschämten sah, mit Mühe deinem Eifer für die Wahrheit nachgegeben, aber nichts weiter vorgebracht, als was von dir geschrieben wurde, damit der Gegner eben durch dasjenige, welchem er widersprach, endlich überzeugt, seine Zunge vor dem Bösen bewahre, und seine Lippen, daß sie nicht Trug reden2. Und gäbe Gott, daß sie nicht mehr mit den Juden, welche damals vorübergingen, dem
am Kreuze Hängenden schmähend zurufen: Ist er Gottes Sohn, so helfe er sich selbst3! Schämen sie aber auch so sich nicht, so denke an die Vorschrift des Apostels:4 „Einen ketzerischen Menschen meide, wenn du ihn das eine und das andere Mal zurecht gewiesen hast, überzeugt, daß solcher verkehrt ist, und sündiget, so daß er sich selbst verurtheilt.“ Denn sind die, welche solches wagen, Heiden oder aus der Zahl der Judenthümler; so mögen sie entweder, wie die Juden, das Kreuz Christi für ein Aergerniß, oder, wie die Heiden, für eine Thorheit halten. Geben sie sich aber für Christen aus, so sollen sie wissen, daß der gekreuzigte Christus der Herr der Herrlichkeit, und Gottes Kraft und Gottes Weisheit ist.5

1: Diese edle Römerin soll Procula geheißen haben.
2: Psalm. XXXIII, 14.
3: Matth. XXVII, 40.
4: Tit. lll, 10, 11.
5: 1. Kor. Il, 8 u. l, 24.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger