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Athanasius (295-373) - Brief an den Bischof und Bekenner Adelphius (Epistula ad Adelphium)

8.

Wer also den Tempel verachtet, der verachtet auch den Herrn, welcher in dem Tempel ist; und wer das Wort von dem Leibe trennt, der verschmäht die Gnade, welche uns durch denselben verliehen wurde. Die höchst gottlosen Ariomaniten sollen, weil der Leib geschaffen ist, darum nicht glauben, daß auch das Wort ein Geschöpf sey, und deßwegen, weil das Wort kein Geschöpf ist, den Leib desselben nicht schmählich herabwürdigen. Denn man muß sich über ihre Verkehrtheit wundern, vermöge welcher sie nicht nur Alles verwirren und unter einander werfen, sondern auch Anlässe ersinnen, bloß, um den Schöpfer den Geschöpfen beizählen zu können. Allein sie sollen hören: Wenn das Wort ein Geschöpf wäre, so hätte es den erschaffenen Leib nicht angenommen, um demselben das Leben zu geben. Denn welche Hilfe kann den Geschöpfen von einem Geschöpfe zu Theil werden, welches selbst der Erlösung bedarf? Aber weil das Wort, als Schöpfer, selbst der Werkmeister der Geschöpfe war, deßwegen hat es am Ende der Zeiten selbst das Geschöpf angezogen, damit es wieder selbst, als Schöpfer, dasselbe erneuern und wieder herstellen könnte. Ein Geschöpf aber würde niemals von einem andern Geschöpfe erlöset worden seyn, wie auch die Geschöpfe von einem Geschöpfe nicht hätten erschaffen werden können, wenn nicht das Wort der Schöpfer gewesen wäre. Daher sollen sie die göttlichen Schriften nicht mehr verdrehen, und nicht die Unbehutsamen unter den Brüdem ärgern, sondern, wenn sie je wollen, auch selbst ihre Gesinnung ändern, und ferner nicht mehr lieber der Schöpfung, als Gott dem Schöpfer aller Dinge, dienen. Wollen sie aber in ihrer Gottlosigkeit verharren, so sollen sie allein von ihr sich anstecken lassen, und nicht, wie ihr Vater der Teufel, deßwegen mit den Zähnen knirschen, weil der Glaube der katholischen Kirche Gottes Wort als den Schöpfer und Urheber aller Dinge anerkennt, und wir wissen, daß das Wort im Anfange war, und daß das Wort bei Gott war1, und weil wir es, nachdem es unsers Heiles wegen Mensch geworden ist, anbeten, nicht als wenn es in dem gleichen Leibe gleich geworden wäre, sondern als Herrn, welcher Knechtes-Gestalt angenommen hat, und als Werkmeister und Schöpfer, welcher in einem Geschöpfe geboren werden wollte, um in demselben Alles zu erlösen, die Welt dem Vater darzubringen, und allenthalben Frieden zu stiften, sowohl im Himmel als auch auf Erden2. Denn so erkennen wir auch seine väterliche Gottheit, und beten seine Gegenwart im Fleische an, wenn auch die Arianer darüber zerbersten. Grüße mir Alle, welche unsern Herrn Jesum Christum lieben. Wir wünschen, daß es dir wohl ergehe und daß du bei dem Herrn unser gedenkest, Geliebter und wahrhaft Ersehntester! Wenn es nöthig ist, so möge dieses auch dem Priester Hierakas3 vorgelesen werden.

1: Ioh. I, I.
2: Koloss. l, 20.
3: Er lebte damals auch in der Verbannung.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger