Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Brief an den Bischof und Bekenner Adelphius (Epistula ad Adelphium)

3.

Beten wir nicht ein Geschöpf an? Keineswegs, denn ein solcher Irrthum ist die Sache der Heiden und der Arianer; sondern wir beten den Herrn der Schöpfung, das Fleisch gewordene Wort Gottes an. Denn wenn auch das Fleisch selbst, an und für sich betrachtet, ein Theil der Geschöpfe ist, so ist es dennoch Gottes Leib geworden. Wir trennen aber den Leib nicht von dem Worte und beten ihn nicht für sich an, und wir entfernen, wenn wir das Wort anbeten wollen, dasselbe nicht von dem Fleische, sondern wir erkennen, weil wir, wie wir oben bemerkt haben, den Ausspruch: „Das Wort ist Fleisch geworden," wohl wissen, dieses auch, da es im Fleische ist, als Gott an. Wer ist nun so unverständig, daß er zu dem Herrn sagen würde: Weiche von dem Körper, damit ich dich anbete? Oder wer ist so gottlos, daß er mit den thörichten Juden wegen des Leibes zu ihm sagen möchte:1 „Warum machst du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott?" Aber kein solcher war jener Aussätzige; denn er fiel anbetend vor Gott, welcher im Leibe war, nieder, und erkannte, daß er Gott war, mit den Worten: „Herr! wenn du willst, so kannst du mich reinigen." Und er hielt weder das Wort Gottes wegen des Fleisches für ein Geschöpf, noch achtete er, weil das Wort der Schöpfer der ganzen Schöpfung ist, das Fleisch, das es angezogen hatte, gering, sondern betete den Schöpfer des Weltalls wie in einem geschaffenen Tempel an, und wurde gereiniget. So glaubte auch das Weib, welches am Blutfiusse litt, und wurde bloß durch die Berührung des Saumes seines Kleides geheilt; so gehorchte auch das von Wogen schäumende Meer dem Fleisch gewordenen Worte, und hörte auf zu stürmen; so wurde der Blindgeborne durch den Speichel des Fleisches von dem Worte geheilt. Was aber noch größer und wunderbarer ist, (denn vielleicht war dieses für jene höchst gottlosen Menschen eine Ursache des Aergernisses,) während der Herr an dem Kreuze hing, (denn es war sein Leib, und in ihm war das Wort), verfinsterte sich die Sonne, bebte die Erde, spalteten sich die Felsen, riß der Vorhang des Tempels entzwei, und viele Leiber der Heiligen, welche entschlafen waren, standen auf.

1: Ioh. X, 33.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger