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Athanasius (295-373) - Brief an die Bischöfe in Afrika (Epistula ad Afros episcopos)
Brief der neunzig Bischöfe von Aegypten und Libyen, so wie des seligen Athanasius, gegen die Arianer, an die geehrtesten Bischöfe in Afrika.

7.

Warum erwähnen sie also noch die Synode von Rimini, in welcher sie abgesetzt wurden? Warum verwerfen sie die Nicäische Kirchenversammlung, auf welcher auch ihre Väter unterschrieben, und bekannt haben, der Sohn sey aus der Wesenheit des Vaters und habe mit diesem gleiche Wesenheit? Warum laufen sie herum? Denn sie kämpfen nicht allein gegen die Bischöfe, welche zu Nicäa versammelt waren, sondern auch gegen große Bischöfe aus ihrer Mitte, und endlich gegen ihre eigenen selbst. Welche sind also diejenigen, deren Erben und Nachfolger sie sind? Wie können sie behaupten, daß es jene Väter seyen, deren Glaubensbekenntniß, welches richtig und apostolisch abgefaßt ist, sie nicht annehmen? Glauben sie aber, widersprechen zu können, so sollen sie reden, oder vielmehr antworten, damit sie an sich selbst anstossen und so überführt werden, ob sie dem Sohne glauben, der da sagt:1 „Ich und der Vater sind Eins; " und:2 „Wer mich sieht, der sieht den Vater?" Ja, werden sie sagen, weil es geschrieben steht, glauben wir es. Fragt man sie aber auch, wie sie Eines sind, und wie der, welcher den Sohn sieht, auch den Vater sieht, so werden sie allerdings sagen: Wegen der Gleichheit; wenn sie nicht am Ende mit jenen zusammengefallen sind, welche mit ihnen Verwandtes denken, und Anomöer genannt werden. Allein wenn man sie weiter fragt: Wie ist er gleich? so werden sie kühn antworten: Durch vollkommene Tugend und Uebereinstimmung, indem er dasselbe will, was der Vater will, und indem er nicht will, was der Vater nicht will. Allein sie sollen wissen, daß derjenige, welcher in Folge der Tugend und des Willens Gott gleich wird, auch den freien Willen hat, sich zu verändern; dieses findet aber bei dem Worte nicht Statt, außer es wäre etwa zum Theile und wie wir, aber nicht der Wesenheit nach, gleich. Denn dieses ist uns eigenthümlich, die wir geschaffen sind, und eine geschaffene Natur haben. Denn wir ahmen, obwohl wir dem Wesen nach Gott nicht gleich werden können, dennoch, wenn wir in der Tugend fortschreiten, Gott nach, indem auch dieses der Herr verleiht, der da spricht:3 „Seyd barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist."4 „Seyd vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist." Daß aber die Geschöpfe veränderlich sind, wird wohl Niemand in Abrede stellen, da auch die Engel gefehlt haben, und Adam nicht gehorcht hat, und Alle der Gnade des Wortes bedürfen. Das Veränderliche aber kann dem unveränderlichen Gott unmöglich gleich seyn, so wie auch das Geschöpf dem Schöpfer nicht gleich seyn kann. Darum sagt in Rücksicht auf uns jener Heilige:5 „Gott, wer wird dir gleich seyn?" und:6 „Wer ist dir gleich unter den Göttern, Herr? " indem er diejenigen Götter nennt, welche zwar erschaffen, aber des Wortes theilhaftig sind, wie der Herr selbst sagt:7 „Wenn (die Schrift) diejenigen Götter nennt, an welche Gottes Wort ergangen ist." Die Dinge aber, welche einer Sache theilhaftig sind, sind wohl nicht mit der Sache eben dasselbe, oder der Sache gleich, welcher sie theilhaftig sind. Von sich selbst also sprach er:8 „Ich und der Vater sind Eins;" weil dieses bei Geschöpfen keineswegs der Fall ist. Uebrigens sollen die Vorschützer der Synode von Rimini antworten, ob ein geschaffenes Wesen sagen könne:9 „Was ich den Vater thun sehe, das thue auch ich;" denn die Geschöpfe sind geschaffen, und schaffen nicht selbst; ist es aber nicht so, so haben sie sich selbst geschaffen. Wenigstens hat, wenn der Sohn, wie sie vorgeben, ein Geschöpf ist, und der Vater ihn geschaffen hat, gewiß der Sohn auch sich selbst geschaffen, da, wie er selbst bezeugt, er das zu thun vermag, was der Vater thut. Allein so etwas ist ungereimt und unstatthaft, denn Niemand kann sich selbst schaffen.

1: Joh. 10, 30.
2: Das. XIV, 9.
3: Luk. VI, 36.
4: Matth. V, 48.
5: Psalm LXXXll, 2.
6: Das. LXXXV, 8.
7: Joh. X, 35.
8: Das. 30.
9: Das. V, 19.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger