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Athanasius (295-373) - Brief an die Bischöfe in Afrika (Epistula ad Afros episcopos)
Brief der neunzig Bischöfe von Aegypten und Libyen, so wie des seligen Athanasius, gegen die Arianer, an die geehrtesten Bischöfe in Afrika.

2.

Denn darum war die Synode zu Nicäa eine allgemeine, auf welcher dreihundert achtzehn Bischöfe sich versammelten, um wegen der arianischen Gottlosigkeit über den Glauben zu verhandeln, damit in der Folge nicht wieder theilweise unter dem Vorwande des Glaubens verschiedene Synoden gehalten werden, sondern, wenn solche gehalten würden, dieselben unwirksam seyn sollten. Denn was mangelt ihr, daß Jemand Neues suchen sollte? Sie ist voll Gottseligkeit, meine Lieben; sie hat das ganze bewohnte Erdenrund erfüllt. Sie wurde von den Indiern, und von allen Christen, welche unter den übrigen Barbaren wohnen, anerkannt. Folglich ist die Mühe derjenigen vergebens, welche sie oft zu bestreiten versucht haben. Denn bereits haben solche Menschen zehn und vielleicht mehr Synoden gehalten, in Allem ihre Ansicht geändert, Einiges von dem frühern weggenommen, in dem Folgenden Manches umgeändert und hinzugesetzt. Und bis jetzt hat es ihnen nichts genützt, daß sie schrieben, das Geschriebene ausstrichen, und Gewalt gebrauchten, indem sie nicht wußten, daß „jede Pflanze, welche nicht der himmlische Vater gepflanzt hat, von der Wurzel ausgerottet werden wird1". Das Wort des Herrn aber, welches durch den allgemeinen Kirchenrath zu Nicäa vorgetragen wurde, bleibt in Ewigkeit. Denn wenn man Zahl mit Zahl vergleicht, so übertreffen die Väter zu Nicäa jene, welche sich theilweise versammelten, eben so sehr an Zahl, als das Ganze einen Theil an Größe übertrifft. Will aber Jemand die Ursache, warum die Nicänische Synode, und die so vielen nach ihr gehalten wurden, untersuchen; so wird er finden, daß die Nicänische einen sehr vernünftigen Grund hatte, die Andern aber aus Haß und Streitsucht mit Gewalt zu Stande gebracht wurden. Denn jene wurde wegen der arianischen Ketzerei und wegen der Osterfeier zusammengerufen, weil die Syrer, die Cilicier und die Bewohner Mesopotamiens von uns abwichen, und zur nämlichen Zeit, wie die Juden, das Osterfest2 feierten. Aber Dank dem Herrn, daß sowohl hinsichtlich des Glaubens, als auch hlnsichtlich jener heiligen Feier Alle übereinkamen! Und dieses war die Veranlassung der Nicänischen Kirchenversammlung; die nach ihr aber sind zwar unzählige, wurden jedoch alle gegen die allgemeine Synode veranstaltet.

1: Matth. XV, 17.
2: Die Benennung Ostern wird sehr verschiedenartig abgeleitet. Die Einen leiten sie ab von dem lateinischen Worte Hostia (Opfer), welches gewöhnlich Ostia ausgesprochen wird; die Andern von Ostium (Thüre, Eingang), weil in den ältesten Zeiten das Jahr mit diesem Feste angefangen wurde, aber auch, weil am jüdischen Pascha der Würgengel vor den mit Blut gefärbten Thüren vorüberging. Wieder Andere leiten sie von dem alten deutschen Worte Ourist oder Urstände (Auferstehung) her, welches zuerst Oustern und endlich Ostern ausgesprochen worden seyn soll. Auch wird das lateinische Wort Oricus (Aufgang) als dessen Ursprung angegeben, theils weil Christus am Morgen auferstand, theils weil er die Morgenröthe und Sonne unsers Lebens genannt wird. Das Wort Ost mußte gleichfalls als Ableitungs-Wurzel dienen, nicht minder auch das Wort Astarde, Ostarde, Oster, Aster, lauter Namen einer Göttin, deren Fest in der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche gefeiert wurde. Sieh hierüber Denkwürdigkeiten aus der christl. Archäologie von Dr. Augusti, Bd. II, S. 222; und Monchart, die Sonn-Fest- und Heiligen-Tage der christlichen Kirche. Seite 93.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger