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Athanasius (295-373) - Briefe des heil. Athanasius an Orsisius, Abt von Tabenna (Epistulae ad Orsisium)

Zweiter Brief.

Als der heil. Erzbischof Athanasius den Tod unsers Vaters Theodor 1 vernahm, wurde er sehr traurig, und schrieb dem Abte Orsisius und den Brüdern folgenden Brief, um sie über den Hintritt desselben zu trösten.

Athanasius wünscht dem Abte Orsisius, dem Vater der Mönche, und Allen, welche mit ihm dem klösterlichen Leben obliegen und im Glauben an Gott gestärkt sind, den geliebten und sehr theuern Brüdern, Freude in dem Herrn.

Ich habe von dem Hintritte des seligen Theodor gehört, und diese Bothschaft mit sehr großer Bestürzung vernommen, weil ich weiß, wie nützlich er euch gewesen ist. Wäre es nun nicht Theodor, so würde ich, in Erwägung dessen, was nach dem Tode folgt, mit vielen Thränen zu euch reden. Allein da es Theodor ist, welchen ihr eben so gut, wie wir, kanntet, was soll ich da anders schreiben, als: (Psalm l, 1.) „Selig ist Theodor, welcher nicht wandelte nach dem Rathe der Bösen?" Wenn aber der selig ist, welcher den Herrn fürchtet; so können wir ihn jetzt mit Zuversicht selig preisen, weil wir gewiß wissen, daß er gleichsam in den Hafen eingelaufen ist, und bereits ein sorgenfreies Leben genießt, O! wäre einem jedem von uns dasselbe zu Theil geworden! O! möchte ein jeder Laufende so zu dem Ziele gelangen! O! möchte ein jeder Schiffende mit seinem Kahne in jenen ruhigen Hafen einlaufen, auf daß er bei den Vätern ruhend sagen könnte: 2 „Hier will ich wohnen, denn ich habe diese Ruhestätte erkoren;" Daher, geliebte und sehr theuere Brüder, weinet nicht um den Theodor; denn er ist nicht gestorben, sondern er schläft nur. Keiner vergieße eine Thräne, wenn er sich an ihn erinnert, sondern jeder ahme sein Leben nach. Denn man darf nicht trauern über den, welcher an einen Ort sich begeben hat, wo keine Trauer mehr ist. Dieses schreibe ich euch gemeinschaftlich, dir aber, geliebter und theuerster Orsisius, schreibe ich, daß du, nachdem jener entschlafen ist, die ganze Obsorge übernehmen und bei den Brüdern seine Stelle vertreten sollst. Denn da jener noch lebte, wäret ihr beide gleichsam nur Einer, und wenn auch der Eine irgendwohin reiste, wurde dennoch die Pflicht beider erfüllt; und wäret ihr beide anwesend, so gäbet ihr, als wäret ihr Einer, den Lieben heilsame Lehren. So nun handle, dieses thue, und schreibe uns dann, und gib uns Nachricht über dein und der Brüder Wohl. Ihr alle aber betet gemeinschaftlich, ich beschwöre euch darum, auf daß der Herr den Kirchen immer mehr den Frieden schenke. Denn erst vor Kurzem feierten wir das Oster- und das Pfingstfest mit frohem Muthe, und wir freuen uns über die Wohlthaten des Herrn. Wir schließen nun unser Schreiben an euch. Grüßet Alle, die den Herrn fürchten. Es grüßen euch die, welche bei mir sind. Ich wünsche euch Wohlergehen in dem Herrn, geliebte und theuerste Brüder!

1: Er starb am 27. April 367, 53 Jahre alt.
2: Das. CXXXI, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger