Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Rechtfertigung wegen seiner Entweichung (Apologia de fuga sua )
Unsers heiligen Vaters Athanasius, Erzbischofes zu Alexandrien, Rechtfertigung wegen seiner Entweichung, als er von dem Dux Syrianus verfolgt wurde.

2.

Weil sie sich aber die Anmassung erlauben, mich der Feigheit zu beschuldigen, so muß ich etwas weniges hierüber schreiben; denn es wird sich auch hieraus zeigen, daß sie verruchte Gesinnungen hegen, und die göttlichen Schriften nicht gelesen haben, oder daß sie dieselben zwar gelesen haben, aber nicht glauben, daß die in denselben verkommenden Aussprüche von dem heiligen Geiste eingegeben sind. Denn wenn sie es glaubten, so würden sie nicht gegen die Lehren derselben zu handeln wagen, und nicht der Bosheit der Juden, der Mörder des Herrn, nacheifern. Da nämlich Gott geboten hat:1 „Ehre deinen Vater und deine Mutter!" und: „Wer dem Vater und der Mutter flucht, „der soll des Todes seyn!" stellten jene, die Ehre in Schmähung umwandelnd und die Kinder für Geld von der Pflicht gegen ihre Eltern befreiend, ein jenem widersprechendes Gesetz aus. Und obwohl sie die Thaten des David lasen, thaten sie doch Entgegengesetztes, und beschuldigten die Unschuldigen, welche am Tage des Sabbates Aehren abpflückten und zerrieben. Sie kümmerten sich aber weder um die Gesetze, noch um den Sabbat, denn an diesem handelten sie gesetzwidriger, als sonst. Weil sie jedoch bei der Bosheit ihrer Gesinnung die Jünger um ihr Heil beneideten und nur ihre eigene Ansicht geltend machen wollten, so haben sie nun den Lohn für ihre Ungerechtigkeit, indem sie unheilig geworden sind, und in der Folge2 Fürsten von Sodoma, und Volk von Gomorrha genannt wurden. Und jene scheinen mir nun schon eben so sehr, wie diese, durch die Unkenntniß ihres Unverstandes zu büssen; denn sie verstehen nicht, was sie sagen, glauben aber doch zu wissen, was sie nicht wissen. Die einzige Kenntniß aber, welche sie haben, ist die, Böses zu thun, und täglich zu Schlimmem noch Schlimmeres zu ersinnen. Auch unsere jetzige Entweichung tadeln sie daher nicht deßwegen, weil sie wünschen, daß wir für die Tugend Muth an den Tag legen sollten; (denn woher sollte bei Feinden ein solcher Wunsch für diejenigen kommen, welche nicht dieselbe Laufbahn der Bosheit mit ihnen verfolgen?) sondern, weil sie einen schlechten Charakter haben, bemühen sie sich, dieses überall zu verbreiten, indem sie, denn sie sind wirklich so thöricht, sich mit der Hoffnung schmeicheln, daß wir uns einst aus Furcht vor ihren Schmähungen an sie anschließen werden. Denn dieses wünschen sie, und deßwegen laufen sie überall herum, und nehmen zwar den Schein von Freunden an, spähen aber wie Feinde, um, von dem Blute Anderer gesättigt, auch uns aus dem Wege zu räumen, weil wir immer ihrer Bosheit entgegengesetzte Gesinnungen hegten und noch hegen, und weil wir ihre Ketzerei widerlegen und brandmarken.

1: Matth. XV, 4, und 2. Mos. XX, 12, XXI, 17.
2: Isai. 1,10.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. Unsers heiligen Vaters ...
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger