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Ephräm d. Syrer († 373) - Auswahl ascetischer Abhandlungen über die christliche Tugend und Vollkommenheit.

4. Ein anderer Unterricht über die Tugend.

Eingang. Von der Sorge für's Seelenheil. Veranlassung zum Nachtrage. Das Schreckliche der Todesstunde. Nothwendigkeit der Sorge für das Seelenheil. Demüthige Selbstanklage.

1.1 Ich hielt es für nothwendig, Geliebter, auch das Nachfolgende an diese (vorhergehende) Ermahnungsschrift anzureihen, damit der Leser für mich armen und durch die [S. 392] Werke beschämten Sünder zum Herrn bete, daß er mir Verzeihung der Sünden schenke und ich eine ihm wohlgefällige Frucht bringe, bevor der furchtbare Befehl kommt, meine Seele von meinem Körper wegzunehmen.

2. Dann schwindet alles menschliche Trachten und Treiben dahin. Wehe dann (beim Sterben) Demjenigen, welcher den Herrn, unsern Gott, beleidigt und sich nicht bekehrt hat! Denn er wird die Zeit, welche er in Sorglosigkeit verloren hat, suchen und nicht finden. Weinen wir daher vor unserm Gotte,2 damit wir von ihm Barmherzigkeit erlangen! Solang wir Zeit haben, schonen wir uns selbst und machen wir uns den Herrn geneigt!

3. Nicht um Geld haben wir den Kampf zu besteh'n: wenn Jemand an diesem einen Schaden erleidet, so kann er wieder Anderes dafür erwerben. Für die Seele schweben wir in Gefahr. Haben wir diese einmal verloren, so können wir sie nicht mehr zurück gewinnen, wie geschrieben steht:3 "Was wird es dem Menschen nützen, wenn er auch die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet? Oder was für ein Lösegeld kann der Mensch für seine Seele geben? Denn der Menschensohn wird in seiner Herrlichkeit kommen und dann Jedem nach seinen Werken vergelten." Wenn es also eine Vergeltung gibt und keines unserer Werke Gott verborgen bleiben kann, warum thun wir nicht das Gute und enthalten uns vom Bösen, damit uns nicht Übel zustoßen? Es steht ja geschrieben: "Enthalte dich vom Unrechten, und du wirst dich nicht zu fürchten haben, und kein Schrecken wird dir nahen."4

4. Ich schäme mich zu reden und kann dennoch nicht schweigen. Beschämt bin ich über meine Sorglosigkeit und die mir ähnlichen Trägen; denn die weltlichen Soldaten [S. 393] bekommen von ihrem Könige erbärmliche Geschenke und setzen sich doch bereitwillig für ihn Gefahren bis zum Tode aus. Um wieviel mehr sind wir (als Gottes Kämpfer), die wir so herrliche Verheissungen haben, verpflichtet, in Ausübung der Gerechtigkeit nie nachzugeben, damit wir aus dem kommenden Gerichte gerettet werden! Behandeln wir doch unsere Seele, für welche Gott so besorgt ist, nicht wie eine Feindin! Erwägen wir, daß wir nicht einmal die Hitze der Sonne und die Glut des Fiebers ertragen können; wie mögen wir nun das unauslöschliche Feuer gering achten? Gott führe uns nach seinem Wohlgefallen und beschirme uns durch seine allmächtige Hand von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!

1: Nachtrag zu dem Vorhergehenden, an die nämliche Person gerichtet. Seite 316 u. s. f. im I. Bande der griech.-latein. Übersetzung der römischen Ausgabe.
2: Ps 94,6.
3: Bei Mt 16,26.27.
4: Jes 54,14 nach d. griech. Überstzg.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger