Ephräm d. Syrer († 373) - Ausgewählte Gesänge gegen die Grübler über die Glaubensgeheimnisse 11. Von den zwei Naturen in Christus. Der neunundzwanzigste Gesang des Originals.
1. Warnung vor der Sucht, über die Herablassung und demüthigenden Namen des Erlösers zu grübeln. [S. 101] Gott gab in seiner Erbarmung den Sterblichen aus Gnade den Namen Götter.1 Sie aber erklären ihn, der Gott ist, durch Forschung als beschränkt wie einen Menschen. Euren Leib, womit er sich bekleidete, tragen Cherubim; Seraphim ziehen feierlich vor ihm her, die Wächter (Engel) verstummen vor ihm: ihr Niederträchtigen aber habt seine hocherhabene Zeugung als verächtlich erklärt. Dem schwachen Leib, den er, nachdem er herabgestiegen, angezogen hat, gleichen seine Namen und Handlungen, und wie es (der menschlichen Natur nach) nothwendig war, daß er Hunger empfand, ebenso war es auch nöthig, daß er betete, und wie sein Hunger ganz nur Sache des Leibes war, so war all sein Bedürfniß nur Folge des Leibes (d. i. der angenommenen Menschheit). Drum zieht euch nicht den Tod zu2 ob der [S. 102] Namen, die der Lebendige angezogen hat, um Allen das Leben zu geben! 1: Ps 81,6. "Ich sprach: Ihr seid Götter." 2: Tödtet eure Seele nicht durch Grübelei und Unglauben.
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