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Ephräm d. Syrer († 373) - Ausgewählte Gesänge über die Geburt unseres Heilands.

9. Lobrede auf die Menschwerdung des Sohnes Gottes und die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria.

1.—2. Das Wunderbare der Menschwerdung und Geburt des Sohnes Gottes. Gegensätze der göttlichen und menschlichen Natur in Christus.

[S. 51] 1. Höchst erstaunlich ist es für den Menschen, meine Geliebten, die Wunder zu betrachten, wie Gott berabkam und in einem Mutterleibe seine Wohnung nahm; wie ferner das höchste Wesen einen menschlichen Leib anzog und neun Monate lang im Mutterschooße ohne Widerwillen wohnte; wie aber auch der Schooß von Fleisch im Stande war, das Feuer zu tragen, und wie die Flamme im weichen Mutterleibe wohnte, ohne daß er vom Feuer verzehrt wurde. Wie einst der Dornbusch auf dem Berge Horeb (als Gott dem Moses erschien) Gott selbst in der Flamme trug, ebenso trug Maria Christum in ihrem jungfräulichen Schooße. Gott kam [S. 52] vollkommen durch das Ohr1 in den Mutterleib und trat als Gottmensch auf reine Weise2 aus demselben in die Welt hervor. Die Jungfrau empfing Gott, die Unfruchtbare3 ward mit dem Jungfräulichen4 schwanger, und der Sohn der Unfruchtbarkeit hüpfte (im Mutterleibe) vor der Leibesfrucht bei der Heimsuchung der Jungfräulichkeit.

2. Ein ganz neues Wunder wirkte also Gott5 unter den Erdbewohnern, daß er selbst ohne ehelichen Umgang geboren ward, sein Herold aber gegen den gewöhnlichen Lauf der Natur. Die Himmel mißt er mit seiner Spanne6 und liegt spannenlang in der Krippe; das Meer faßt er mit seiner Handhöhle,7 und seine Geburt fand in einer Höhle statt. Die Himmel sind seiner Herrlichkeit voll, und die Krippe ist voll seines Glanzes. Moses wünschte8 seine Herrlichkeit zu schauen, vermochte aber nicht, sie so zu sehen, wie sie ist. So mag er denn heute kommen; denn sie liegt in Windeln eingehüllt in der Krippe. Einst wagte es kein Mensch zu hoffen, Gott sehen zu können und am Leben zu bleiben.9 Heut' lebten Alle, die ihn sahen, vom zweiten Tode (dem Zustande der Verdammung)10 zu neuem Leben auf.

1: Weil Maria beim Anhören der Verkündigung in die Empfängniß des ewigen Worts einwilligte, sagen h. Väter, sie habe durch das Ohr empfangen.
2: Ohne Verletzung der Jungfräulichkeit der Mutter.
3: Die h. Elisabeth.
4: Johannes der Täufer.
5: Gottes Sohn, das ewige Wort.
6: Jes 11,12
7: Ebd.
8: Ex 33,18.
9: Ex 33,20 sagt Gott zu Moses: " Du vermagst mein Antlitz nicht zu schauen; denn nicht sieht mich ein Mensch und lebt." — Vergleiche Ri 13,22.
10: Offb 20,6.

 

 

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Einleitung zu den ausgewählten Gesänge über die Geburt unseres Heilands

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger