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Eusebius von Cäsarea († um 340) - Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica)
Sechstes Buch

42. Kap. Fortsetzung der Erzählung des Dionysius.

42. Noch sehr viele andere wurden von den Heiden in den Städten und Dörfern gemartert. Beispielshalber will ich einen derselben erwähnen. Ischyrion diente als Verwalter gegen Bezahlung einem Beamten. Sein Lohnherr befahl ihm zu opfern. Da er nicht gehorchte, beschimpfte er ihn, und da er standhaft blieb, mißhandelte er ihn. Und als er weiterhin beharrte, nahm er eine lange Stange, stieß sie ihm durch Bauch und Eingeweide und tötete ihn. Soll ich noch von der großen Zahl jener sprechen, welche in den Wüsten und in den Bergen umherirrten und durch Hunger und Durst, durch Kälte und Krankheiten, durch Räuber und wilde Tiere zugrundegingen? Die Überlebenden sind Zeugen ihrer Auserwählung und ihres Sieges. Einen einzigen Fall will ich als Beispiel anführen. Chäremon, ein hochbetagter Greis, war Bischof der Stadt Nilus. Dieser war mit seiner Frau in das Arabische Gebirge geflohen und nicht mehr zurückgekehrt. Und trotz vielen Suchens vermochten sie die Brüder weder lebendig noch tot zu Gesicht zu bekommen. Viele wurden in demselben Arabischen Gebirge von den wilden Sarazenen zu Sklaven gemacht. Einige derselben konnten mit Mühe gegen hohe Geldsummen losgekauft werden, bei anderen aber war es bis heute noch nicht möglich. Nicht zwecklos berichte ich hierüber, mein Bruder, sondern damit du wissest, wie viele und furchtbare Drangsale uns betroffen. Allerdings dürften diejenigen, welche noch mehr heimgesucht worden sind, noch mehr darüber wissen.“ Kurz hernach fährt Dionysius also fort: „Gerade unsere trefflichen Märtyrer, welche jetzt neben Christus thronen, an seiner Herrschaft teilhaben und an seinem Gerichte teilnehmen und mit ihm rechtsprechen, hatten sich einiger unserer ge- [S. 311] fallenen Brüder angenommen, welche sich durch Opfern versündigt. Da sie deren Umkehr und Sinnesänderung sahen und urteilten, daß diese Macht haben, sich angenehm zu erweisen vor dem, der überhaupt nicht den Tod des Sünders will, sondern seine Sinnesänderung,1 so nahmen sie dieselben auf, verkehrten mit ihnen, gaben ihnen Empfehlungen und ließen sie an ihren Gebeten und Mahlzeiten teilnehmen. Welchen Rat gebt nun ihr uns, Brüder, bezüglich dieser Leute? Was sollen wir tun? Sollen wir der Ansicht und Meinung dieser Märtyrer beitreten und gleich ihnen gnädig urteilen und gut gegen die sein, deren sich diese erbarmt haben? Oder sollen wir ihr Urteil für ungerecht erklären, sollen wir ihre Kritiker spielen, ihre Milde angreifen und ihre Anordnung aufheben?“

Mit Recht hatte Dionysius der Erwähnung jener, welche wahrend der Verfolgung schwach geworden waren, noch diese Bemerkungen beigefügt.

1: Vgl. Ezech. 18, 23; 33, 11. 2 Petr. 3, 9.

 

 

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Einleitung: Kirchengeschichte des Eusebius

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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