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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Viertes Buch.

5. Das Kreuz des Herrn ist für den Christen Zeichen der Ehre; denn am Kreuze hat er den Teufel besiegt und uns gezeigt, wie wir kämpfen und siegen sollen. Der Sieg der Juden war scheinbar und schnell vergänglich, da der Herr auch den Tod besiegte.

Des Gekreuzigten. Da die christliche Seele hieraus jede Freiheit gewonnen hat, so fasse sie Vertrauen auf sich selbst;1 sie darf sich also nicht schämen, an Christus den Gekreuzigten zu glauben. Jenes Kreuz ist für die Gläubigen keine Schmach, sondern Siegesfreude. Das Kreuz ist unser Banner gegen unsern Widersacher, den Teufel; denn unser König kämpfte für uns gegen denselben. Unser Widersacher, der Teufel, schreckte uns durch Todesdrohungen, aber Christus verhieß uns das ewige Leben. Der feindliche Teufel drohte, das Fleisch zu tödten, aber unser König lehrte uns, wie sein Heer siege, und zeigte daher für seine eigene Person, daß man den Tod des Leibes nicht fürchten dürfe, da er zuerst für Alle sterben wollte, damit nicht die Seelen seines Heeres vom Teufel gemordet würden. Das beabsichtigte nämlich der Teufel bei diesem Kampfe, im Falle der Einwilligung wünschte er die Seelen zu verderben, und den Leibern verhieß er Rettung. Christus aber lehrte, auf kurze Zeit zu sterben und mit Leib und Seele ewig zu leben. Jener sagte: Wenn ihr mir zustimmet, so will ich euch dieses zeitliche Leben geben. Christus sagte: Wenn ihr mich nicht verlasset, so werdet ihr das zeitliche Leben nicht verlieren und das ewige gewinnen.2 Der Teu- [S. 470] fel sagte: Verlieret nicht dieses Lebenslicht! Christus sagte: Ich habe dieses gemacht und werde euch ein besseres geben. Was Jener verspricht, sagt unser Christus, steht nicht in seiner Gewalt, denn dieses Licht ist mein, und dieses Leben wurde von mir erschaffen, aber jenes, das ich bei meiner Ankunft lehrte, ist viel vortrefflicher und besser. Schreitet vom Guten zum Bessern, um nicht durch Einwilligung mit den Forderungen des Teufels im Schlechtern zu bleiben. Bei diesem großen Kampfe nimmt der Teufel gefangen und Christus befreit, täuscht der Teufel und Christus erlöst, mordet der Teufel und Christus erweckt. Bei all dem glaubte der Widersacher, der Teufel, unsern König selbst dem Fleische nach tödten zu sollen, um nach Niederwerfung des Hauptes die Glieder um so leichter unterjochen zu können. Die Rechnung war falsch. Nach dem bloßen Anblicke glaubte er keineswegs, daß Gott im Fleische verborgen sei, und da er das große Geheimniß nicht kannte,3 daß jener Mittler sei und daher Gott in Menschengestalt Verbindung des Menschen mit Gott anstrebe, so tödtete er ihn als einen mächtigen Menschen und Vertheidiger der Menschen und fühlte den Gott, der alle Menschen erlöste, die er geschaffen hatte!

Doch sehet im Leiden selbst das Schauspiel des großen Kampfes! Judas wird bestimmt, um Geld seinen Meister zu verkaufen, und der ehemalige Jünger wird Theilnehmer am Plane der Juden; er gibt dem Meister einen falschen Kuß, das Kennzeichen seiner Ruchlosigkeit; voll Bosheit im Herzen heuchelt er Frieden. Die Juden werden aufgeboten, sie kommen mit Fackeln, Laternen und Waffen, Viele suchen Einen, es kommen die Söhne der Finsterniß mit [S. 471] dem Lichte in der Hand, um andern das wahre Licht zu zeigen, das sie selbst wegen Verblendung des Herzens nicht behalten konnten. Der Herr Jesus wußte genau, wozu er gekommen war, und wußte daher Alles, was gegen ihn geschehen sollte. Er trat also zu ihnen und sprach: „Wen suchet ihr?“ Sie sagten: „Jesus von Nazareth.“ Er antwortete ihnen: „Ich bin es.“ Als er ihnen aber sagte: Ich bin es, da wichen sie zurück und fielen zur Erde.4 Sehet, ein Strahl des wahren Lichtes, noch verborgen unter der Wolke des Fleisches, erblickte die Finsterniß und warf sie auf die Erde. Wie werden die Juden es wagen, auf den Glanz seiner Herrlichkeit zu blicken, wenn sie diesen schwachen Schein nicht zu ertragen vermochten? Um aber den Zweck seiner Ankunft zu erfüllen, läßt er die Finsterniß sich wieder erheben, er gibt ihr Gewalt, und die Finsterniß ergreift das Licht, nicht um ihm zu folgen, sondern um es zu tödten. Das Licht läßt sich von der Finsterniß festhalten, führen, aufhängen und tödten, um von der Wolke des Fleisches befreit den Glanz seiner Majestät zu verbreiten. Was ist denn bei jenem Kampfe geschehen? Viel stärker däuchten sich die Diener des Teufels zu sein, als sie die Zähne fletschten, ihn verspotteten und das Haupt hin- und herwarfen, als sie ihm die Dornenkrone aufsetzten und seine Kleider zerrissen, als sie den am Kreuze erblickten, den sie hatten Wunder wirken sehen, als sie ihm Essig und Galle reichten und seine Seite mit einer Lanze durchbohrten. Welches Siegesgeschrei erhoben sie unter den Worten:5 „Wenn er der Sohn Gottes ist, so steige er herab vom Kreuze.“ Aber Dieses schrie Jener durch sie, der Christus die Geduld entreissen wollte, damit er gereizt durch die Verhöhnungen der Juden seine Macht zeige, aber seine Geduld verliere. Aber jener starke König und einzig weise Rath, durch den jeder gesunde Rath Ursprung und Richtung erhält, sah auf beide Kampfesarten und hielt beide, Geduld [S. 472] und Macht, ein; und was er einhielt, das zeigte er auch deutlich. Denn er bewahrte die Geduld, weil er nicht vom Kreuze herabstieg, und zeigte die Macht, als er vom Grabe erstand. Während er am Kreuze hing, erfreuten sich die Juden eines falschen Sieges; als er vom Grabe auferstand, erfolgte die wahre Beschämung der Juden und der immerwährende Sieg der Christen. Als er am Kreuze hing, waren die Jünger traurig, niedergeschlagen und zerstreut, als er vom Grabe erstand, freudig und in einem Hause versammelt. Während er am Kreuze hing, hegten die Jünger Mißtrauen; als er auferstand, versammelten sich die Heiden. Während er am Kreuze hing, verläugnete ihn Petrus aus Furcht; als er vom Grabe erstand, glaubte die ganze Welt aus Liebe. Nicht bloß damals wurde dieser Kampf ausgestritten, sondern er wird auch jetzt noch geführt; die Glieder Christi leiden im Kampfe und werden vom Teufel bedrängt, sie leisten ihm jedoch tapfern Widerstand, weil unser Haupt schon im Himmel sitzt. Deßhalb hat Christus kämpfen wollen, um dich siegen zu lehren. Ist deine Kraft gering, so rufe deinen Retter und Helfer an! Wenn er, der für dich am Kreuze hing, dein gläubiges Gebet bemerkt, so wird er dir hienieden den Sieg und im Himmel die Siegeskrone bereiten.

1: Durch Christi Tod sind wir Sieger selbst über die Schrecken des Todes geworden und haben daher Nichts mehr sklavisch zu fürchten.
2: Die Martyrer verlieren selbst das zeitliche Leben nicht, weil sie es nur für kurze Zeit verlieren; denn unter dem zeitlichen Leben ist das leibliche gemeint. Der Teufel kann dieses Leben entreissen, aber er kann es nicht geben, wie es im folgenden heißt.
3: Der Teufel wußte nach dem Evangelium, daß Jesus der Sohn Davids und der Sohn Gottes sei; aber ein tieferer Einblick das Geheimniß der Menschwerdung und der Erlösung war ihm nicht gestattet.
4: Joh. 18, 3—6.
5: Matth. 28, 40.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger