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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Viertes Buch.

3. Auch Moyses hat Gott nicht wirklich gesehen, sondern geistiger Weise schaute er den Rücken Gottes, d. h. Christus.

Wenn ihn keiner der Menschen sah, wie sprach er denn mit Moyses von Mund zu Mund, wie ein Freund mit seinem Freunde spricht? Damit ist uns eine große Frage begegnet. Denn es sagt der Herr:1 „Nicht wie mit den Übrigen durch Räthsel will ich zu meinem Knechte Moyses reden, sondern von Mund zu Mund spreche ich mit ihm.“ Und die Schrift fügte das oben Gesagte bei, daß nämlich Moyses mit Gott von Mund zu Mund gesprochen habe, wie Einer mit seinem Freunde redet. Wenn er aber mit ihm von Mund zu Mund redete und ihn sah, wie bewahrheitet sich dann der Ausspruch des Apostels, daß Keiner je Gott sah noch sehen könne?2 Wenn ihn aber Moyses gesehen hat, warum bittet er kurz darauf um eine große [S. 464] Gnade und sagt:3 „Wenn ich Gnade vor dir gefunden habe, so zeige mir dein Angesicht“? Und der Herr sprach zu ihm: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch sieht mein Angesicht und lebt.“ Was sah er also? Und wenn er Etwas sah, warum wünschte er Dasjenige zu sehen, was er schon gesehen hatte? Oder warum wurde ihm Dasjenige verweigert, was ihm schon gezeigt worden war? Das stellt den Scharfsinn des Untersuchers auf die Probe. Moyses sah Gott nicht mit körperlichen Augen, sondern mit den Augen des Geistes. Und weil das ewige Lichte das Gott ist, ihn mehr als die Übrigen erleuchtete, deßhalb ist gesagt worden: „Er sprach zu ihm von Mund zu Mund,“ als hieße es: er wurde ihm mehr als den Übrigen geoffenbart. In den Worten: „Niemand kann Gottes Angesicht sehen und leben“ ist gezeigt worden, daß Niemand Gott mit seinen leiblichen Augen sehen könne.

Euere Liebe muß aber noch erkennen, was dem treuesten Knechte Gottes Moyses gestattet wurde, um sein großes Verlangen nicht in allweg zu vereiteln. Wie dieselbe Schrift erwählt, wurde ihm vom Herrn gesagt:4 „Gehe, steige auf einen Felsen auf dem Horeb und stelle dich dort hin. Und meine Herrlichkeit wird an dir vorübergehen, und meinen Rücken wirst du sehen; mein Angesicht wird dir aber nicht erscheinen.“ Damit sich nicht ein verkehrtes Verständnis oder ein häretischer Sinn einschleiche und Jemand glaube, Gott sei körperlich, sei der fromme Glaube und die katholische Lehre behutsam. Denn die göttliche Schrift spricht in geheimnisvollen Bildern; sie behält den Dingen ihre angemessenen Zeiten vor, um nach ihrer Offenbarung den Geist durch offenkundige Wahrheit zu üben. So ist auch der Umstand, daß Moyses Befehl erhielt auf dem Berge [S. 465] Horeb auf einen Felsen zu stehen und sich dort hinzustellen, nicht ohne geheimnisvollen Sinn. Das ist jener Felsen, der geschlagen, dem dürstenden Volke Wasser hervorbrachte,5 von welchem der hl. David sagt:6 „Er sprengte den Felsen, und die Wasser floßen hervor.“ Der Apostel erklärt dieß mit den Worten:7 „Unsere Väter aßen dieselbe geistige Speise und tranken denselben geistigen Trank; sie tranken aus dem geistigen, ihnen folgenden Felsen; und der Fels war Christus.“ Der Rücken Gottes ist also der Gesalbte Gottes. Was Moyses prophetisch sah, das erklärt Paulus mit den Worten:8 „Als die Fülle der Zeit gekommen war, da sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe.“ Er sagt „Weib,“ weil er den hebräischen Sprachgebrauch beibehält, der alle Frauen Weiber nennt. Denn es steht geschrieben:9 „Lasset alle Weiber leben, die einen Mann nicht erkannt haben.“ Und von Eva ist gesagt worden:10 „Gott bildete sie zum Weibe.“

1: Combinirt aus Num. 12, 8 u. Exod. 33, 11.
2: I. Tim. 6, 16.
3: Ex. 33, 13; die Antwort Gottes Ex. 33, 20.
4: Ex. 33, 21—23.
5: Ex. 17, 5 u. 6.
6: Ps. 77, 15.
7: I. Kor. 10, 3 u. 4.
8: Gal. 4, 4.
9: Num. 31, 18. Alle Madianiten bis auf die Jungfrauen sollten getödtet werden.
10: Die Competenten sprachen das Symbol nach, und daher sagte jeder: Ich glaube.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger