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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Viertes Buch.

1. Die Kirche empfängt und gebiert ihre Kinder im Gegensatze zu Eva mit Freudigkeit. Sie erzieht dieselben für Christus und schützt sie gegen die Nachstellungen des Teufels, der durch Verführung in die gereinigten Seelen einzudringen sucht. Nachdem sie dem Teufel widersagt haben, dürfen sie an seiner Pracht keinem Theil mehr nehmen. Wir dürfen nicht der Welt, sondern müssen ganz Gott angehören.

Da die hl. Mutter, die Kirche, euch wie euere Brüder durch das hochheilige Zeichen des Kreuzes zu ihrer höchsten Freude in ihrem Schooße empfangen hat,1 so muß sie den neuen Sprößling einer großen Mutter, bis sie dieselben durch das hl. Bad dem wahren Lichte wiedergibt, durch [S. 457] angemessene Nahrungsmittel in ihrem Schooße nähren und die Freudigen freudig zum Tage ihrer Geburt führen; denn sie ist nicht von der Strafe der Eva getroffen, die in Traurigkeit und Seufzen Kinder gebiert, die sich ebenfalls nicht freuen, sondern weinen. Die Kirche löst, was Eva gebunden hatte, um den Sprößling, den Eva durch ihren Ungehorsam dem Tode überliefert, durch ihren Gehorsam dem Leben zurück zu geben. Alle Geheimnisse, welche an durch den Dienst der Knechte Gottes durch Gebete, geistige Lieder, Anblasungen, Bußkleid, Beugung des Nackens und Blöße der Füße vollzogen wurden und werden,2 und selbst der Schrecken, der mit aller Sicherheit zu erstreben ist,3 all Dieß sind, wie gesagt, Speisen, welche euch im Mutterschooße erquicken, damit euch die Kirche nach eurer Wiedergeburt durch die Taufe als fröhliche Kinder Christus darreiche. Ihr habt auch das Symbolum empfangen, das Schutzmittel der Mutter gegen das Gift der Schlange.4 In der Offenbarung des hl. Johannes steht geschrieben, daß sich der Drache vor das Weib stellte, welches gebären sollte, um, wenn sie geboren hätte, ihr Kind zu [S. 458] verschlingen.5 Jeder von euch weiß, daß der Drache Teufel sei. Jenes Weib bedeutet die Jungfrau Maria, die selbst unversehrt unser unversehrtes Haupt gebar und selbst ein Vorbild der hl. Kirche darstellte, damit, wie sie selbst trotz der Geburt eines Sohnes Jungfrau blieb, so auch diese zu jeder Zeit seine Glieder gebäre, ohne die Jungfräulichkeit zu verlieren. Wir haben es auf uns genommen, gerade die Lehrsätze des hochheiligen Symbolums mit der Hilfe des Herrn zu erklären, um den Inhalt der einzelnen Sätze euren Sinnen einzuprägen. Euer Herz ist bereit, weil der Feind aus demselben vertrieben ist. Euer Haus ist gereinigt, es bleibe nicht leer, damit nicht der Ausreisser es unbesetzt finde und sieben andere Geister mit sich nehme, die schlimmer sind als er, und die letzten Dinge jenes Menschen nach dem Ausspruche des Evangeliums6 schlimmer werden als die ersten. Sofort nach der Vertreibung des schlimmsten Eindringlings führe man den besten Besitzer ein. Wer ist der Eindringling? Der Teufel. Was hat er sich angeeignet? Den Menschen, den er nicht gemacht und noch obendrein getäuscht hat. Er versprach ihm Unsterblichkeit und verführte ihn zur Ungerechtigkeit.7 Ihr habt gelobt, ihm zu widersagen, und bei diesem Gelöbnisse, das nicht Menschen, sondern Gott und die Engel aufschrieben, habt ihr gesagt. Ich widersage.8 Widersaget ihm nicht bloß mit Worten, sondern auch durch euere Sitten, nicht bloß dem Tone der Stimme, sondern auch mit der That des Lebens; nicht nur die Lippen sollen sich bewegen, son- [S. 459] dern auch die Werke sollen es verkündigen! Wisset, daß ihr mit einem arglistigen, alten und fintenreichen Feinde den Kampf aufgenommen habt; nach eurer Widersagung finde er in euch nicht seine Werke, damit er euch nicht mit Recht in seine Knechtschaft fortschleppe! Denn du wirst ertappt und entdeckt, o Christ, wenn deine Thaten deinem Gelöbnisse widersprechen. Treugläubig9 deinem Namen nach zeigst du Anderes durch die That, wenn du dein Gelöbniß nicht treu hältst, sondern bald eine Kirche betrittst, um zu beten, und bald darauf in das Theater gehst, um mit den Schauspielern unverschämt zu schreien. Was hast du mit der Pracht des Teufels zu schaffen, der du widersagt hast? „Warum hinket ihr auf beiden Seiten?“10 Wollt ihr Gott, so folget ihm; wollt ihr die Welt, so folget ihr! Wenn Gott gewählt wird, so diene man ihm nach seinem Willen, und wenn die Welt gewählt wird, warum richtet man sein verstelltes Herz scheinbar nach Gott? Wenn du Gott verachtest und der Welt folgst, so läßt die Welt selbst dich im Stiche. Du willst nicht als guter Christ den Willen Gottes erfüllen, und an dir, Bösewicht, erfüllt sich der göttliche Wille. Folge so viel du kannst, dem flüchtigen Teufel, ergreife ihn, wenn du kannst und halte ihn fest; aber wie ich sehe, vermagst du es nicht und täuschest dich. Denn indem jener seine leichten Bewegnngen mit der Schnelle eines Gießbaches ausführt, reißt er dich, wenn er dich an sich hängen und festhalten sieht, mit sich fort, nicht um dich zu retten, sondern um dich zu verderben.11 Liebhaber Christi! Was hast du mit der Pracht des Teufels zu thun? Täusche [S. 460] dich nicht! Menschen, die Gott seine Wege verlassen sieht, haßt Gott und rechnet sie nicht unter seine Bekenner. Siehe, die Welt liegt in Trümmern; siehe, mit großen Unglücksfällen hat Gott die Welt erfüllt; siehe, bitter ist die Welt und wird doch so sehr geliebt. Was würden wir thun, wenn sie süß wäre? O unreine Welt. In deinem Untergange12 noch willst du festgehalten werden; was würdest du thun, wenn du bliebest? Wen würdest du nicht durch Süßigkeit täuschen, da du mit deinen bittern Unterhaltsmitteln betrügst?13 Wollt ihr, Geliebteste, nicht der Welt anhängen? Ziehet es vor, den Schöpfer der Welt zu lieben und der Pracht der Welt zu widersagen; denn der Fürst derselben ist der Teufel mit seinen Engeln.

1: Die Aufnahme der Katechumenen, welche dnrch die Bezeichnung mit dem hl. Kreuze sowie durch Handauflegung erfolgte, wird mit der Empfängniß und die Taufe mit der Geburt der Kinder Gottes verglichen.
2: Die ergreifenden Ceremonien vor der Symbolübergabe wurden demnach nicht vom Bischofe allein, sondern unter Mitwirkung des Klerus vorgenommen. Meines Erachtens wurden die Kompetenten ähnlich wie bei der Priesterweihe im Exorcismus von allen die Hände aufgelegt. Ich bemerke noch, daß diese Stelle allein insufflationibus statt exsufflationibus liest. Hienach ist Mayers Bemerkung S. 91 u. 92, daß vor dem Sacramentar. Gallic. das insufflare nicht vorkomme, zu berichtigen, wenn die Leseart nicht falsch ist. Unter den geistigen Gesängen nach lib. II. 1 auch das Benedictus.
3: Text: pavor ipse onmi securitate appetendus. Die Ceremonien des Taufexorcismus mußten das Gemüth heftig erschüttern, obgleich kein Grund zur Furcht gegeben war, da ja die Macht des Teufels gebrochen werden sollte.
4: Das Symbolum schützt die Kirche gegen Irrthum und Ungehorsam.
5: Off. 12, 4.
6: Luk. 11, 25 u. 26.
7: Gen. 3, 4; I. Kor. 11, 3.
8: Bei dieser feierlichen Abrenuntiation vor der Symbolübergabe, auf die ich schon wiederholt hingewiesen habe, antworteten die Competenten auf die Frage: „Abrenuntias diabolo et pompae et angelis ejus?“ „Abrenuntias“: Das abrenuntiare habe ich mit „widersagen“ gegeben, weil weder abschwören noch weniger entsagen das richtige Wort ist.
9: Fidelis, gläubig; das Wortspiel läßt sich im Deutschen nicht genau wiedergeben.
10: III. Kön. 18, 21.
11: Man kann nicht dem Teufel sich innerhalb gewisser Grenzen überlassen, sondern räumt ihm die vollkommene Herrschaft ein. Eine andere Fassung für ein allbekanntes deutsches Sprichwort.
12: Vielleicht darf man aus dem „periens mundus“ schliessen, daß der Verfasser mit Vielen seiner Zeit nach den Schrecken und Trümmern der Völkerwanderung das Ende der Welt erwartete.
13: Text: Quem non dulcis deciperes, si amarus alimenta mentiris. Ich verbinde amarus alimenta, bitter bezüglich der Mittel, eine griechische Construktion, die bei einigen Lateinern zuweilen nachgebildet wurde. Würden alimenta und mentiri verbunden, so wären Mißernten ausgesagt, aber von einer Verführung der Welt im zweiten Gliede keine Rede.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger