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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Drittes Buch.

9. Vater, Sohn und der hl. Geist sind nur ein Gott. Ein Gleichnis dieser Wahrheit ist das Feuer, sein Glanz und seine Wärme.

Wir glauben an den hl. Geist.“ Wir sagen, daß der hl. Geist Gott sei, wir nennen aber den Vater, den Sohn und den hl. Geist nicht drei Götter, sondern nur einen Gott, weil es nur eine Ewigkeit, eine Majestät und eine Macht gibt. Der Vater ist nicht der Sohn, sondern der Vater des Sohnes; der Sohn ist nicht der Vater, sondern der Sohn des Vaters; und der hl. Geist ist weder der Vater noch der Sohn, sondern der Geist des Vaters und des Sohnes: es sind drei Personen, aher nur ein Gott. „Wie nennst du drei und meinst Einen? Zeige uns das durch deine Rede oder durch irgend ein Gleichniß, welches diese Thatsache erkennen läßt.“ Welcher Gedanke und welches Gleichniß könnte jener unsichtbaren Sache verglichen werden? Seine Majestät erlaube, daß unsere Schwäche ein in seiner Schöpfung uns begegnendes Gleichniß aufstellt, durch das eure Liehe Dieß einsehen kann. Denn ohne seine Erlaubniß könnte Keiner von uns es wagen, über seine Gottheit zu sprechen. Bekanntlich ist jedes Geschöpf seinem Schöpfer unterworfen, aber unser Gott wollte doch nur unter der Gestalt des Feuers erscheinen. Dem hl. Moyses erschien er nämlich im Dornbusche in Flammengestalt,1 den Kindern Israel gab er in einer Feuersäule das Geleit,2 und über die versammelten Jünger ergoß er die Gabe des hl. Geistes in Gestalt feuriger Zungen.3 Denn dieses Element schließt ein großes Geheimniß in sich, welches das Talent des Untersuchenden üben kann. Sehet, im Feuer nehmen wir drei Dinge wahr: das Licht des Feuers, seinen Glanz und seine Wärme; obgleich Dieß drei Dinge sind, so ist es nur ein Feuer, sie entstehen und bestehen mit ein- [S. 448] ander. Das Feuer ist nicht vor dem Glanze und der Glanz nicht vor der Wärme; sie sind nicht unterschiedslos Eines, noch getrennte Drei. Obgleich sie nur Eines sind, sind es doch drei, sie wirken zumal, aber trotz ihrer unzertrennlichen Wirkungsweise werden dem Feuer, dem Glanze und der Wärme andere Wirkungen beigelegt. Wenn du mit dem Feuer das Verbrennen in Zusammenhang bringst, so wirken doch bei diesem Akte auch der Glanz und die Wärme, wenn du die Erleuchtung auf den Glanz beziehst, so sind hiebei das Feuer und die Wärme mitthätig; und wenn du die Erwärmung von der Wärme ableitest, so sind auch hiebei Feuer, Wärme und Glanz mit einander in Thätigkeit. Ebenso wird, wenn man Gott die Schöpfung der Welt zuschreibt, der Vater mit dem Sohne und durch den Sohn und mit dem hl. Geiste verstanden. Und wenn wir sagen, der Sohn habe für uns gelitten, so verstehen wir darunter, daß der Vater, der Sohn und der hl. Geist das Leiden des Sohnes bewirkt haben. Und wenn die Nachlassung der Sünden dem hl. Geiste beigemessen wird, so verstehen wir es so, daß die Dreieinigkeit auch dieses Gnadengeschenk wirke. Dieß wurde eurer Liebe wegen der häretischen Arianer oder wegen Anderer gesagt, die von Gott anders denken, als sich ziemt. Übrigens kann Dasjenige, was unaussprechlich und unbegreiflich ist, auch mit den Worten der Engel nicht erklärt werden, geschweige denn mit menschlichen.

1: Exod. 3, 2.
2: Exod. 13, 21.
3: Apstlg. 2, 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger