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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Drittes Buch.

4. Wir glauben an Jesus Christus, der als Sohn einer Jungfrau geweissagt und wirklich von einer Jungfrau geboren wurde. Obgleich durch wunderbare Erscheinungen den Menschen gezeigt, wurde er doch von Herodes verfolgt, und die Kinder von Bethlehem sind zu ihrem Heile die ersten Blutzeugen. Maria und Eva.

Wir halten auch gläubig an seinem Sohne Jesus Christus fest, der einstens durch die Propheten verheissen wurde; diese Verheissung ist, wie wir wissen, schon in Erfüllung gegangen. Aber wir erhalten deßhalb den Befehl, zu glauben, weil wir bei diesem Ereignisse nicht gegenwärtig waren: es waren nur die Juden dabei, und aus diesem Volke erwählte der Heiland selbst die Apostel, durch welche sein [S. 435] Glaube zu uns gelangte. Unter diesem seinem Geburtsvolke1 aber hatte ihn der Prophet Esaias lange vorher mit den Worten angekündigt:2 „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und sein Name wird genannt werden Emmanuel d. h. verdollmetscht Gott mit uns.“ Und an einer andern Stelle sagt er:3 „Und ein Reis wird hervorkommen aus der Wurzel Jesses und eine Blume aufgehen aus seiner Wurzel;“ mit dem Reise bezeichnet er die Jungfrau Maria und mit der Blume des Reises den Sohn der Jungfrau, den Herrn Jesus Christus. Das lasen die Juden, bevor es geschah; die Verheissung begann in Erfüllung zu gehen, aber sie freuten sich nicht darüber, sondern waren voll Mißgunst. Wie die Blume aus dem Reise, wird Christus ohne Vermischung des Samens geboren: der große König wird als kleines Kind geboren. Zuverlässige Andeutungen und Kennzeichen gehen dem großen Könige voraus: Engel verkündigen ihn den Hirten, und durch einen Stern als eine neue Sprache rufen die Himmel. Die Magier werden von der Ferne herbeigeführt, sie kommen, um den noch in der Krippe liegenden, aber doch im Himmel und auf Erde herrschenden König anzubeten.4

Als die Magier die Geburt des Königes meldeten, erschrickt Herodes und will ihn tödten, um das Reich nicht zu verlieren; und doch würde er, wenn er an ihn glaubte, hienieden in Sicherheit und in jenem Leben ohne Ende regieren! Herodes fragt die Juden, wo der Christus geboren werde. Sie suchen ihn miteinander, nicht um ihn wie [S. 436] die Magier anzubeten, sondern um ihn zu tödten. Warum fürchtest du dich, Herodes, bei der Kunde von der Geburt des Königes? Jener kam nicht, um dich zu verdrängen, sondern um den Teufel zu besiegen. Das siehst du freilich nicht ein; daher erschrickst und wüthest du und wirst um den Einen, den du suchst, zu verderben durch den Mord so vieler Kinder ein grausamer Magier. Es hält dich weder die Liebe wehklagender Mütter, oder den Tod ihrer Söhne betrauernder Väter noch das Geschrei und das Seufzen der Kinder zurück. Du tödtest die Kleinen dem Leibe nach, da dich die Furcht im Herzen tödtet, und glaubst nach Erfüllung deines Wunsches lange leben zu können, während du doch das Leben selbst zu tödten suchst! Aber jener kleine und doch große Quell der Gnade, der in Krippe liegt und deinen Thron erschüttert, führt durch ohne daß du es weißt, seine Sache und befreit Seelen von der Gefangenschaft des Teufels. Er nahm die Kinder seiner Feinde in die Zahl seiner Adoptirten auf. Ohne ihr Wissen sterben die Kleinen für Christus; die Eltern beklagen die sterbenden Martyrer; Jener aber macht die noch stummen Kinder zu seinen geeigneten Zeugen. Siehe wie Derjenige herrscht, der so zu herrschen gekommen war: schon befreit der Befreier und der Heiland verleiht Heil! Aber das weißt du nicht, Herodes, und daher erschrickst und wüthest du; aber während du gegen das Kind wüthest, leistest du ihm ohne dein Wissen Gehorsam. Denn jener große König ist dazu gekommen, um durch dich und Andere die Seinigen hienieden zu sammeln, und du schickst ihm das unzählbare Heer von vielen Tausenden weißgekleideter Kinder in das Himmelreich voraus. Auf diese Schaar wies die Offenbarung des hl. Apostels Johannes mit den Worten hin:5 „Ich sah eine große Schaar, die Niemand zäh- [S. 437] len konnte, aus allen Stämmen; sie standen vor dem Angesichte Gottes, angethan mit einem weissen Kleide und Palmen in ihren Händen.“ O großes Geschenk der Gnade! Welchen Verdiensten der Kinder wurde ihr Sieg verliehen? Sie sprachen noch nicht und bekennen Christus, sie können nicht einmal durch die Bewegung ihrer Glieder den Kampf aufnehmen und tragen schon die Siegespalme davon. Wie regierst du, Herodes, da du so besiegt wirst? Jenes Kind hat dich nicht mit einem Heere tapferer, bewaffneter Männer überwunden, sondern es hat dich mit einer unzählbaren Schaar sterbender Kinder besiegt. Willst du wissen, was du den von dir geschlachteten Kindern gegeben hast? Du bist ihnen eilig an das Leben gegangen, damit sie nicht mit ihren Eltern das wahre Leben tödten möchten: das hat Jener durch dich gethan, der auch deine Uebelthaten gut gebrauchen konnte. Er befreite ihre Seelen von der Theilnahme an seinem durch die Eltern bewirkten Tode und ließ dich allein getäuscht in deiner Frevelthat. Die Gnade führte und führt ihre Sache auch durch ihre Feinde und zwar durch sie und für fie; denn auch die Ermordeten waren Kinder des Zornes wie die Übrigen.6 Aber die Gnade erwirkte ihnen Befreiung von der Macht der Finsterniß. Aber Christus verlieh ihnen den Tod für Christus; er verlieh ihnen, durch ihr Blut von der Erbsünde abgewaschen zu werden. Sie sind zum Tode geboren worden, aber sogleich gab sie der Tod dem Leben zurück.

Geliebteste! Auf demselben Wege, auf dem die menschliche Natur verloren gegangen ist, wurde sie von unserm Herrn Jesus Christus wieder hergestellt. Adam war stolz, Christus demüthig; durch ein Weib kam der Tod und durch ein Weib das Leben; durch Eva kam der Untergang, und durch Maria kam die Rettung. Jene ließ sich verderben und folgte dem Verführer, Diese blieb unverdorben und gebar den Heiland. [S. 438] Jene nahm den ihr von der Schlange dargereichten Becher gerne in Empfang und gab ihn auch dem Manne, damit beide miteinander den Tod verdienten: in Diese wurde vom Himmel die Gnade eingegossen, und sie brachte das Leben hervor, durch welches das erstorbene Fleisch wieder erweckt werden konnte. Das hat nur der Sohn der Jungfrau, der Bräutigam der Jungfrauen, gewirkt; dieser brachte der Mutter Fruchtbarkeit, ohne ihr die Jungfräulichkett zu nehmen. Was er seiner Mutter gab, das schenkte er auch seiner Braut. Daher gebiert die heilige Kirche, die selbst unversehrt dem Unversehrten angetraut wurde, täglich seine Glieder und ist dennoch Jungfrau.

1: So habe ich die Worte des Textes: in gente, in qua et ex qua nasci dignatus est, übersetzt.
2: Is. 7, 14 u. 15 und Matth. 1, 23.
3: Is. 11, 1. Nach Rohling im Hebräischen: Es geht hervor ein Reis aus dem Stumpf Isaia’s, und ein Schößling aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
4: Die Geschichte der Hirten bei Luk. 2, 8 u. ff., die der Magier bei Matth. u. ff., die der Magier bei Matth. 2 u. ff.
5: Off. 7, 9. Das Citat ist sehr frei; denn die Schaar des Johannes besteht aus allen Völkern, Stämmen, Nationen und Zungen und ist hiemit die ausschließliche Anwendung auf die Kinder von Bethlehem vornweg abgeschnitten. Dazu ist die Zahl dieser Kinder nicht besonders groß, da nur die Knaben in Bethlehem und Umgebung, nicht im ganzen Lande, ermordet wurden.
6: Eph. 2, 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger