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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Drittes Buch.

3. Auch die bekannten Götter der Heiden sind nicht Gott, sondern sterbliche Menschen. Der wahre Gott ist unsterblich und unsichtbar und kann nur mit reinem Herzen geistiger Weise geschaut werden.

Wir aber, Geliebteste, denen der Glaube geschenkt worden ist, wollen nicht an die Sonne als Gott und König des Himmels glauben, noch an das Meer oder als dessen König an einen gewissen Neptunus, den eitle Einbildung und nicht die Wahrheit gebildet hat; wir wollen auch nicht an die Erde und Pluto, sondern an Gott den allmächtigen Vater, den Schöpfer des All und den König der Himmel glauben. Denn Jener, der nach seinem Willen Alles aus Nichts gemacht hat, regiert auch seine Geschöpfe. Denn die von uns oben erwähnten Unsterblichen sind nicht Götter, weil sie begriffen und mit unsern1 Augen geschaut werden [S. 433] können: daß aber die Übrigen, welche die Thoren thöricht verehren, daß Jupiter, Saturnus, Mars, Juno, Minerva, Venus und die übrigen Ungeheuer — nicht gute Namen, sondern schlimme Vorzeichen!2 — sterbliche Menschen gewesen seien, gestehen selbst Jene, die sich an diesen Irrthümern ergötzen, in ihren Schriften offen zu. Was für einen Gott aber unsere hl. Schriften preisen, darüber höret den Apostel Paulus:3 „Dem unsterblichen, unwandelbaren Gott sei Preis und Ehre.“ Unser Gott wird nicht mit den Augen des Fleisches, sondern mit den Augen des Geistes, nicht für eine Zeit lang, sondern ewig gesehen. Aber der Heide sagt: Zeige mir Denjenigen, den du verehrest. Ich antworte: Ich könnte ihn dir zwar sogleich zeigen, aber du hast nicht die Augen, um ihn zu sehen. „Selig,“ sagt unser Heiland, „sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott anschauen.“4 Ein unreines, von der Finsterniß der Sünde bedecktes Herz will Gott sehen? „Das Licht leuchtet in der Finsterniß, aber die Finsterniß hat es nicht begriffen.“5 Leuchtet denn das Licht deßhalb nicht, weil es der Blinde nicht sieht? Wenn du, Ungläubiger, zum wahren Gotte beten könntest: „Erleuchte meine Augen“,6 so würdest du mit uns „jetzt im Spiegel räthselhaft sehen, um von Angesicht zu Angesicht“7 sehen zu können.

Wenn du den Künstler aus den Werken erkänntest, so würdest du vom Geschöpfe auf den Schöpfer schließen. Wenn du in dir Schauder empfändest, weil du dich nicht ganz begreifst, so würdest du Gott deinen Schöpfer aner- [S. 434] kennen.8 Du siehst auch deine Seele nicht, obgleich deine Seele Alles durch Vermittlung der Sinne sieht. Oder wenn du deine Seele siehst, so gib mir ihre Beschaffenheit oder Größe an, ob sie viereckig oder rund, weich oder hart, warm oder kalt, beliebig gefärbt oder ganz farblos sei. Wie ich sehe, hast du mir die Beschaffenheit deiner Seele nicht gezeigt, und du kannst es nicht! Siehe, deine Seele ist unsterblich und belebt dein sterbliches Fleisch! Unsterblich aber nenne ich deine Seele zu einem doppelten Zwecke. Wenn sie glaubt, so ist sie unsterblich zum Leben; wenn sie aber nicht glaubt, so ist sie unsterblich zur Strafe. Daher glauben wir an den unsterblichen und unsichtbaren Gott und nicht an Denjenigen, den ihr Ungläubige als Gott erdichtet, der zugleich ehebricht und donnert; sondern wir glauben an den wahren Gott, den Schöpfer und Lenker der ganzen Welt.

1: Text: hic und als Variante his, eine Leseart, wie meines Erachtens wegen eines unten folgenden Satzes über die Anschauung Gottes den Vorzug verdient.
2: Wir folgten der Leseart: non omnia bona, sed omnia mala. Die Verehrung solch’ dauerhafter Götter ist ein böses omen für die Gesinnung der Verehrer. Die Mauriner lesen: non numina bona, sed nomina mala.
3: I. Tim. 1, 17.
4: Matth. 5, 8.
5: Joh. 1, 5.
6: Ps. 12, 4.
7: I. Kor. 13, 12.
8: Der Autor meint, daß die Ahnung von der erhabenen Natur des Geistes, der sich selbst nicht als Gott bewußt ist, zur Anerkennung der Erhabenheit des Schöpfers führen müsse.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung

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. . 2. Man muß an Gott ...
. . 3. Auch die bekannten ...
. . 4. Wir glauben an Jesu...
. . 5. Der Kreuzestod des ...
. . 6. Christus wird als ...
. . 7. Christus wurde als ...
. . 8. Christus wird im ...
. . 9. Vater, Sohn und ...
. . 10. Alle Sünden ohne ...
. . 11. Es werden nicht ...
. . 12. Im ewigen Leben ...
. Viertes Buch.

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger