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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Drittes Buch.

2. Man muß an Gott glauben, um ihn zu erkennen. Der Götzendienst ist eine Folge der Sünde und der Verführung des Teufels. Weil der Mensch Gott verlassen hatte, wurde er dieser naturwidrigen Verirrung überantwortet, welche die Geschöpfe selbst widerlegen.

Wenn der Mensch durch Abschwörung des Teufels diesen schlimmsten Eindringling aus sich ausgeschlossen hat, so führe er Gott, den besten Besitzer, ein: er glaube an Gott den allmächtigen Vater! Es ist ein großes Geschenk der Gnade, an Gott zu glauben und ihn zu erkennen. Aber was sagt der Prophet? „Wenn ihr nicht glaubet, werdet ihr nicht einsehen.“1 Wir wollen daher glauben, um einzusehen, aber beten, daß wir den Gegenstand unseres Glaubens zu schauen verdienen. Denn die Sünden und der Urheber der Sünde, der Teufel, haben die Seelen von Gott getrennt. Das Geschöpf folgte dem Verführer und verließ seinen Retter; dadurch wurde es schwer beschädigt, und die [S. 430] Seele verirrte sich so sehr, daß sie anstatt des wahren Gottes Götzen verehrte und ihre eigenen Gebilde anbetete, weil sie ihren Schöpfer verlassen. Dadurch, daß sie einen leblosen Stein anbetet, geht sie selber zu Grunde, indem sie Gott, ihr wahres und ewiges Leben verläßt. Daher kommt aller Irrthum und das Preisgeben der wahren Güter, daher kommt der Götzendienst der Heiden und die Verkehrtheit der Häretiker.

Die Seelen verirrten sich in so verschiedene und verkehrte Gelüste, daß einige die Sonne verehrten, andere den Mond und die Sterne, andere die Berge, andere Steine und beliebige Gesträucher, wie eben einer nicht den helfenden Gott, sondern den verführenden Teufel gefunden zu haben glaubt. Nach so verschiedenen Richtungen irrte die Seele von ihrem Schöpfer ab, daß sie Alles, was Gott ihr zum Dienste gegeben hatte, als Gott verehrte. Ist nicht Alles wegen des Menschen erschaffen worden? Es lese Einer die hl. Schriften, und er wird finden, daß Gott zu dem von ihm aus Lehm gebildeten Menschen gesagt habe:2 „Wachset und vermehret euch; erfüllet die Erde und machet sie euch unterthan; herrschet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über die Thiere der Erde.“ Und kurz darauf sagt er: „Siehe, ich habe euch Alles zum Gebrauche und zur Speise gegeben.“

Diejenigen aber, welche die hl. Schriften nicht lesen wollen, überweist die Natur der Dinge und die Welt selbst durch die Werke ihres Dienstes so zu sagen mit lauter Stimme ihres Unglaubens, schilt die verkehrte Seele und sagt: „Warum, Unglückselige, täuschest du dich in mir und hast entartet vergessen, von wem du so groß erschaffen wurdest, da für dich Himmel und Erde ohne vorausgehende Verdienste als so schönes Haus erbaut worden sind?“ Auch alle einzelnen Elemente antworten und zeigen mit lauter Stimme durch ihre Werke ihren Künstler. Es ruft [S. 431] der Himmel: Ich bin nicht Gott, denn wenn ich Gott wäre, so könnte mich keine Wolke beschatten, noch könnte die Finsternis meinem Lichte folgen: mein Licht würde vielmehr ungeschwächt, unwandelbar und unverletzt bleiben, wie jenes wahre Licht bleibt, das dieses zeitliche Licht in mir deinetwegen erschaffen hat. Es ruft auch die Sonne: Warum, o Mensch, verehrst du mich als Gott, da du doch siehst, daß ich durch Auf- und Untergang umschlossen werde? Gott hat weder Auf- noch Untergang, du aber hast dadurch, daß du ihn verließest, einen großen Niedergang genommen. Aber du bedenkst, daß ich groß und wunderbar sei; ich dagegen erkenne, daß ich Einen über mir habe, der mich und dich erschaffen hat. Da aber die Wirkungen meines Glanzes und meiner Wärme dir dienen, so willst du mich nur deßhalb als Gott verehren, weil dir die Verehrung des wahren Gottes unbekannt ist! Auch Mond und Sterne führen eine ähnliche Sprache. Sie sagen: Warum siehst du nicht, o Mensch, daß wir den nächtlichen Raum in Bewegung setzen und des Lichtes beraubt die uns gesetzten Grenzen nicht überschreiten, die der allmächtige Künstler zum Troste deiner Ruhe geordnet hat? Wir sind nicht Gott. Wir widerlegen deine Fälschung, indem wir dir zu deiner Strafe dienen.3 Es ruft das Meer und Alles, was in ihm ist. Wir sind nicht Gott. Nach erhaltenem Befehl leiste ich dir Dienst; ich lasse mich vom Schiffe durchfahren, erhalte entsprechende Bewegungen und das Wehen der Winde und lenke deine Richtung, damit du, selbst wenn dich die Habsucht dahinreißt, ohne Aufenthalt in den erwünschten Hafen gelangest. Ebenso ist dir bekannt, daß die in mir entstan- [S. 432] denen Thiere dir zur Speise geschenkt worden sind. Da nun ich mein bescheidenes Maaß in allweg anerkenne, warum verläßt du deine Ordnung, indem du Gott den Schöpfer des All verlässest? Es ruft die Erde: Mir also, Mensch, schreibst du den Namen der Gottheit bei. Erkennst du deßhalb mein Wesen nicht, weil du dein eigenes vergessen hast? Kennst du deinen Stoff nicht? Weißt du nicht, daß du mein Lehm bist, daß aber ich, obgleich du aus mir gebildet wurdest, nicht beseelt bin? Weißt du nicht, daß unter allen Geschöpfen, die aus mir geschaffen wurden, du allein unter Gottes Hoheit fast zum Herrn der Welt bestellt worden bist? Mit Recht siehst du das nicht ein, weil du, als du in Ehre warest, es nicht einsahest; deßhalb bist du den unvernünftigen Thieren gleichgestellt und ihnen ähnlich geworden.4

1: Is. 7, 9.
2: Gen. 1, 28 u. 29.
3: Text: convincimus falsitatem tuam serviendo tibi ad poenam tuam. Die Nacht hat für Menschen etwas Unheimliches und ist daher vom ewigen Leben ausgeschlossen. Unser Autor scheint die Thatsache, daß vorzugsweise die Nacht zur Sünde mißbraucht wird und daher Strafe im Gefolge hat, anzudeuten.
4: Ps. 48, 13.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger