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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Drittes Buch.

11. Es werden nicht bloß die Guten, sondern auch die Bösen auferstehen. Die jährliche Aussaat ist ein Bild der Auferstehung.

„Auferstehung des Fleisches.“ Alle Hoffnung unseres Glaubens beruht auf der Auferstehung. „Wir werden alle auferstehen,“ sagte der Apostel, „aber wir werden nicht alle verwandelt werden.“1 Es werden die Guten auferstehen, und die Bösen werden auferstehen: aber die Guten, um die ewige Seligkeit zu genießen, und die Bösen, um durch das ewige Feuer gestraft zu werden. Dort wird der Gläubige vom Ungläubigen geschieden werden, damit der Glaube seinen Lohn empfange und der Unglaube den Ort der Qual einnehme. Die Ungläubigen, welche die Worte des Psalmes:2 „Die Gottlosen werden im Gerichte nicht auferstehen“ hören, mögen sich nicht mit eitlen Hoffnungen schmeicheln! Es heißt, sie werden im Gerichte nicht auferstehen, nämlich nicht auferstehen, um gerichtet zu werden, weil sie gemäß des Ausspruches des Herrn:3 „Wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet,“ schon längst wegen ihres Unglaubens verdammt sind. Um aber jeden Zweifel aus dem Herzen der Gläubigen zu reissen, stellt der Apostel ein Gleichniß von einem Säenden vor und sagt:4 „Du Thor! Was du säest, [S. 450] das wird nicht belebt, es sterbe denn zuvor.“ Wohl Jeder von euch weiß, was mit dem Samen geschieht, wie die gedroschenen, gereinigten und aufbewahrten Körner hervorgebracht, ausgestreut und zugedeckt werden. Wenn nicht der Fruchtertrag der Ernte bekannt wäre, so würde man das für unsinnig halten. Werden sie nun zugedeckt, und entziehen sie sich den Blicken, so liegen sie todt unter der Erde. Will sie die Neugierde vor Eintritt des Regenwetters sehen, so erblickt sie Dasjenige verfault und verwest, was sie unversehrt eingestreut hatte. Fehlt nun die Hoffnung auf Ernte, so fühlt das Herz brennenden Schmerz, weil er Dasjenige für verloren hält, was er schon aufbewahrt hatte. Wenn aber Regen eintritt, so macht es großes Vergnügen, zu sehen, wie die Pflanze grünt, wie der Halm sich erhebt, wie er Knoten ansetzt, einen Kolben bildet und Ähren hervorbringt. Macht es also Vergnügen, Dasjenige, was todt in der Erde lag, aufleben zu sehen? Aber die Erde schreibe sich die Fruchtbarkeit zu, weil Gott erweichendes Wetter schenkt.5 Denn wenn nicht der Regen von oben kommt, so bringt auch ein gutes Land nicht Ähren, sondern Dornen, welche dem Feuer übergeben und nicht in die Scheune gebracht werden. In ähnlicher Weise schreibe unser Land d. h. unser Fleisch sich weder hier noch dort Verdienste bei, sondern erkenne, daß es auch dort Gnade für Gnade erlangen werde.

1: I. Kor. 15, 51.
2: Ps. 1, 5. Nach dem Literalsinne ist an dieser Stelle von der Auferstehung nicht die Rede, sondern vom Bestehen vor dem göttlichen Gerichte; sie werden von demselben zermalmt werden.
3: Joh. 3, 18.
4: I. Kor. 15, 36.
5: Text: suavitas. Nach dem Zusammenhange drückt es die durch den Regen erfolgte Weichheit des Bodens aus. Der Hinweis auf die Hoffnungslosigkeit des Landmannes, wenn nicht ergiebiger Regen die junge Saat befeuchtet, begünstigt die Annahme, daß der Verfasser in Afrika gelebt habe.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger