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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Zweites Buch.

8. Der Gottmensch kommt mit den Wundmalen der Kreuzigung zum Gerichte, um die Ungläubigen zu überweisen. Wir sollen uns auf seine Ankunft vorbereiten.

Er wird kommen zu richten die Lebendigen und die [S. 408] Todten. Der unter dem Richter stand, wird kommen Gericht zu halten und zwar in jener Gestalt, in der er gerichtet wurde, damit die Juden sehen, wen sie geschlagen haben, und Denjenigen erkennen, den sie verläugnet; auf daß sie jener angenommene und von ihnen gekreuzigte Mensch überweise. Die evangelische Wahrheit verschwieg nicht, daß er, der von seinem auferweckten und verherrlichten Leibe nach seinem Belieben jede Makel aller Wunden hätte entfernen können, mit seinen Wunden auferstanden sei, und zwar weil er mit bewußter Absicht die Wunden an seinem Leibe bewahren wollte, um die Wunden des Zweifels in den Herzen seiner Jünger zu heilen. Daher wird er, Geliebteste, vielleicht auch seinen Feinden seine Wunden zeigen wollen, wie er sie dem Thomas zeigte, der nicht glauben wollte, wenn er ihn nicht berühre und sehe. Deßhalb ist durch den Propheten gesagt worden:1 „Sie werden sehen, wen sie geschlagen haben.“ Er zeigt seine Wunden nicht, um ihnen wie dem Thomas zu sagen:2 „Weil du gesehen hast, so hast du geglaubt,“ sondern um sie von der Wahrheit zu überweisen und ihnen zu sagen: Sehet den Menschen, den ihr gekreuziget habt, sehet den Gott-Menschen, an den ihr nicht glauben wolltet. Ihr sehet die Wunden, die ihr geschlagen habt, ihr erkennet die Seite, die ihr durchbohrt habt; denn durch euch und euretwegen ist sie öffnet worden, und doch wolltet ihr nicht eintreten.3 Da ihr nicht durch den Preis meines Blutes losgekauft seid, so gehöret ihr nicht mir an! „Gehet hinweg von mir in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist.“4 Aber ihr Verderben gereiche uns zum Nutzen. Wenn ihn Jene verachteten, wollen wir ihn fürchten, der so [S. 409] zum Gerichte kommen wird! Während seines Lebens beeifere sich Jeder wahrhaft zu leben, er laufe, um durch sein kostbares Blut losgekauft zu werden, um nicht unter der Zahl der Verworfenen zu bleiben, wenn er nicht unter der Zahl der Auserwählten gefunden wird. Während dieses Lebens erwähle man einen bessern Ort! Hier ist die Zeit des Glaubens! Es sagt übrigens der Prophet:5 „Wer wird dich in der Hölle bekennen?“ Wer immer leben und den Tod nicht fürchten will, der halte das Leben fest, damit von diesem der Tod überwunden werde. Wer das Gericht des gerechten Richters nicht fürchten will, der ziehe ihn jetzt schon als Vertheidiger bei!

1: Johannes 19, 37 aus Zacharias 12, 10.
2: Joh. 20, 29.
3: Das Wasser, das aus der geöffneten Seite floß, ist dem Verfasser ein Sinnbild der Taufe.
4: Matth. 25, 41.
5: Ps. 6, 6. Der Wortlaut sagt, daß nach dem Tode Niemand Gott bekenne.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger