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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Zweites Buch.

6. Am Kreuze hat sich der himmlische Bräutigam mit der aus seiner geöffneten Seite gebildeten Braut, mit der Kirche, verbunden. Mit seinem Blute hat er uns gekauft und seine Knechte frei gemacht.

Was bleibt dem Jünglinge zu thun übrig, als wie ein [S. 401] Bräutigam aus seinem Brautgemache zu treten?1 Es empfange der Bräutigam die Braut, man suche und finde sie, um sie mit ihm zu verbinden. Er ist nicht bloß Mensch, sondern er ist Gott und Mensch; daher suche man eine solche, die ihm angetraut werden kann. Eine, wie seine Mutter ist, werde für ihn gefunden, eine solche, die eine fruchtbare Mutter gibt und doch die Jungfräulichkeit unverletzt bewahrt, der Sohn einer beständigen Jungfrau erhalte eine beständige Jungfrau. Siehe es ist Zeit; mögen nur die Juden bald ihren Willen erfüllen, wann er ihnen Macht dazu gehen will. Betreibet, ihr Juden, nur in eurer Unwissenheit die Hochzeit des Lammes, gebt dem schlechten Bösewicht Judas Geld, machet, daß der von der Jungfrau geborene von Pontius Pilatus ans Kreuz gehängt werde. Unser Bräutigam besteige das Holz seines Brautgemaches, unser Bräutigam besteige das Bett seines Brautgemaches. Sterbend schlafe er ein, es öffne sich seine Seite, und die Kirche trete als Jungfrau hervor, damit wie Eva aus der Seite des schlafenden Adam, so die Kirche aus der Seite des am Kreuze hängenden Christus gebildet werde! Denn seine Seite wurde, wie der Evangelist sagt,2 durchbohrt und sogleich floß Wasser und Blut heraus. Das sind die Zwillingsgeheimnisse der Kirche: im Wasser ist sie gereiniget worden, und das Blut wurde ihr als Mitgift gegeben. In jenem Blute haben die heiligen Märtyrer, die Freunde des Bräutigams, ihre Kleider gewaschen, sie machten dieselben weiß, kamen auf die Einladung zum Hochzeitsmahle des Lammes, erhielten vom Bräutigame den Becher, tranken daraus und überreichten ihm denselben.3 Sie tranken sein Blut und vergoßen für ihn ihr Blut. Was trieb doch die [S. 402] wahnsinnige Gottlosigkeit der Juden, daß sie auf die Einladung nicht kommen wollten, sondern noch obendrein den Bräutigam tödteten? Warum verkaufte der ruchlose Judas Denjenigen, von welchem er hatte losgekauft werden sollen? Weder Judas behielt den Preis, noch behielten die Juden Christum, den sie gekauft hatten. Dem Judas sage ich: Wo ist das Geld, das du empfangen hast? Dem Juden sage ich: Wo ist Derjenige, den du gekauft hast? Jenem sage ich: Als du ihn verkauftest, hast du dich getäuscht. Und Diesem sage ich: Was du gekauft hast, das konntest du nicht besitzen. Frohlocke, Christ. Beim Schacher deiner Feinde hast du gesiegt; was Judas verkaufte und der Jude kaufte, das hast du erworben!

Frohlocke in hl. Freude, Braut Kirche; denn wenn das nicht an Christus geschehen wäre, so wärest du von ihm nicht gebildet worden. Der Verkaufte erkaufte dich, der Getödtete liebte dich, und wegen seiner überaus großen Liebe zu dir wollte er deinetwegen sterben. O großes Geheimnis dieses Ehebundes. O großes Mysterium dieses Bräutigames und dieser Braut. Es kann mit menschlichen Worten nicht geziemend dargelegt werden. Vom Bräutigame wird die Braut geboren, und sogleich nach der Geburt wird sie ihm angetraut; beim Tode des Bräutigams heirathet die Braut, und er verbindet sich mit ihr bei seiner Trennung von den Sterblichen. Wenn Jener über die Himmel erhöht wird, wird Diese auf der ganzen Erde befruchtet. Was heißt das? Wer ist jener abwesende und gegenwärtige Bräutigam? Wer ist jener gegenwärtige und doch verborgene Bräutigam, den seine Braut, die Kirche, nur durch den Glauben empfängt, und dem sie ohne alle Umarmung täglich Glieder gebiert? Wer wurde so geboren, wuchs heran und starb auf diese Weise? Wer erschreckte als Kind einen König, widerlegte als Knabe die Juden und brachte als Jüngling den Pontius Pilatus in Verlegenheit? Wer ist er? Wollt ihr ihn kennen? „Der Herr der Heerschaaren selbst [S. 403] ist der König der Herrlichkeit.“4 Wenn der Herr der Heerschaaren selbst der König der Herrlichkeit ist, so fürchtete er weder die bewaffnete Ankunft der Juden, noch das ungerechte Urtheil des Richters, noch den Spott der Soldaten, noch den Hohn der Feinde, noch die ihm aufs Haupt gesetzte Dornenkrone, noch die Vertheiler seiner Kleider, noch Galle und Essig, noch Lanze und Tod. Denn als diese Dinge mehr die Juden als Pilatus verübten, da führte der Herr der Herrschaften unsere Sache, was er nicht geraubt hatte, das bezahlte er. Er hatte nicht die Ungerechtigkeit geraubt und übernahm für die Ungerechten den Tod, damit die Schriftstelle erfüllt werde:5 „Was ich nicht geraubt hatte, bezahlte ich damals.“

„Christus ist für die Gottlosen gestorben“6 und hat hiemit für uns geleistet, was er nicht schuldig war. Damit wir Dieß einsehen möchten, öffnete er am Kreuzesholze den Geldbeutel seines Fleisches und gab dem Erpresser unsern Preis.7 Dort machte er sogleich den Räuber zum Bekenner, um durch ihn den Fall der Gottlosen gutzumachen. Sehet den erlösten Menschenmörder, den der Teufel besessen hatte, sehet den Herrn der Heerschaaren, der selbst im Tode Wunder wirkte! Damals bekannte ihn der Räuber, als Petrus erschrack, damals erkannte er ihn, als ihn Petrus verläugnete. Hat aber der Herr deßhalb seinen Verläugner, den Petrus, verloren, weil er den Räuber gewann? Das sei bei Weitem ferne. Der den Preis bezahlte, führte ein Geheimniß vor und zeigte in Petrus, daß kein Gerechter vermessen auf sich vertrauen dürfe, und im Räuber zeigte er, daß kein Gottloser zu Grunde gehen könne, wenn er sich bekehrt hat. Der Gute fürchte sich, durch Hochmuth verloren zu gehen, und der Böse verzweifle nicht ob seiner [S. 404] Bosheit. Die Vermessenen sollen gebrochen und die zweifelnden aufgerichtet werden!

Wir wissen, daß ein großer Preis für uns bezahlt wurde, weil wir mit Christi Blut losgekauft worden sind. Lasset uns darnach streben, einem solchen Herrn nicht zu mißfallen! Siehe er liebte die Knechte, kaufte sie los und schenkte ihnen die Freiheit! Ja er begnügt sich nicht, ihnen die Freiheit zu schenken, er gewährt ihnen Brüderschaft und verspricht ihnen die Erbschaft. Was kannst du weiter erwarten? Durch seine Ankunft nahm er deinen Tod auf sich, und durch seine Auferstehung schenkte er dir das Leben. Was kannst du weiter erwarten? Jener, der für dich gekreuziget wurde, ist am dritten Tage von den Todten auferstanden, hat dich über die Himmel erhöht und dich zum Kinde Gottes gemacht. Was kannst du weiter verlangen? „Was werden wir dem Herrn erstatten für Alles, was er uns gethan hat?“8 Er machte uns, bevor wir waren, er schenkte uns Leben, Alter, freien Willen, Habe, Talent, Vernunft, Wissenschaft; all das Seinige gab er her, damit es Dein werde. Wir haben all diese Güter mißbraucht, sind hochmüthig geworden und haben den Schöpfer, der uns so große Güter schenkte, durch die Schuld unserer Übertretung beleidigt. Wir gingen verloren, und er suchte uns; wir wurden gefangen fortgeführt, und er kam uns zu Hilfe; wir wurden zum ewigen Tode geschleppt, und er befreite uns. Was hat dir Jener vorbehalten, der sich selbst für dich hingegeben hat? Und du zweifelst, ob der dir sein Leben schenke, der seinen Tod mit dir getheilt hat? Was sollen wir ihm vergelten? Wenn wir Nichts haben, um ihm zu vergelten, so wollen wir es von ihm selbst in Empfang nehmen, um es ihm anzubieten. Das verlangt Christus von dir, und das sagt er dir: „Was ich für dich gethan habe, das thue du für mich! Ich habe mein Leben für dich [S. 405] hingegeben, gib auch du für deine Brüder dein Leben hin! Fürchte nicht den Tod; denn während deines Unvermögens zu siegen bin ich gestorben, damit du siegest und zwar siegest nicht durch dich, sondern durch mich, weil auch ich nicht meinetwegen, sondern deinetwegen gestorben bin. Du kanntest den Tod, aber du kanntest nicht die Auferstehung; ich habe den dir bekannten Tod auf mich genommen und Dir die dir unbekannte Auferstehung gezeigt. Liebe im Glauben den Auferstandenen, damit auch du durch ihn auferstehest.“ Wir haben gesprochen und nach Maßgabe seiner Mittheilung die drei Sätze erklärt, daß er geboren wurde aus Maria der Jungfrau, daß er gekreuzigt wurde unter Pontius Pilatus, daß er begraben wurde und am dritten Tage von den Todten auferstand. Wenn wir vom Einzelnen geziemend sprechen könnten, würde die Weitläufigkeit der Rede eher Eckel als Vergnügen verursachen.

1: Ps. 18, 6.
2: Joh. 19, 34.
3: Ansp. auf Matth. 20, 22. Wasser und Blut der Seitenwunde des Herrn bedeuten die Sakramente der Taufe und der Eucharistie.
4: Ps. 23, 10.
5: Ps. 68, 5.
6: Röm. 5, 6.
7: Der Text: exactori; um das Unberechtigte seines bisherigen Besitzes anzudeuten, übersetzte ich „Erpresser“.
8: Ps. 115, 12.

 

 

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. . 5. Der Sohn Gottes ...
. . 6. Am Kreuze hat sich ...
. . 7. Durch seine Himmelfahrt ...
. . 8. Der Gottmensch komm...
. . 9. Der heilige Geist ...
. . 10. Die Erlösung des ...
. . 11. Zur Auferstehung ...
. . 12. Im ewigen Leben ...
. . 13. Die Kirche ist ...
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger