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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Erstes Buch.

7. Durch die Taufe werden alle, auch die größten Sünden nachgelassen. Nach der Taufe soll man sich vor Sünden hüten; denn es werden zwar läßliche durch das Gebet, aber schwere nur auf dem Wege der öffentlichen Kirchenbuße nachgelassen.

„Nachlassung der Sünden.“ Ihr habt das Symbolum in vollkommener Weise in euch, wenn ihr getauft werdet.1 Niemand sage: Ich habe Jenes gethan, vielleicht wird mir nicht vergeben! Was du auch gethan hast, wie groß es sei, und wenn du etwas Außerordentliches, etwas Schweres und Schauervolles gethan hast, an das du nur mit Schauder denken kannst, so hast du trotz alledem nicht Christus getödtet. Etwas Schlechteres als jene Frevelthat gibt es nicht, weil es auch nichts Besseres gibt als Christus. Welch [S. 371] furchtbare That ist es, Christus zu tödten? Gleichwohl tödteten ihn die Juden; später glaubten viele an ihn und tranken sein Blut: es wurde ihnen die begangene Sünde nachgelassen. Wenn ihr getauft seid, so führet nach Norm der göttlichen Gebote ein gutes Leben, um die Taufgnade bis an’s Ende zu bewahren. Ich sage euch nicht, daß ihr hienieden ohne Sünde leben könnet; aber jene Sünden, von welchen dieses Leben nicht frei sein kann, sind läßliche. Die Taufe ist wegen aller Sünden eingeführt worden, das Gebet aber wegen der leichten, für uns unvermeidlichen Sünden. Was sagt das Gebet? „Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“2 Einmal werden wir abgewaschen durch die Taufe; täglich werden wir gereinigt durch das Gebet. Aber begehet ja Nichts, weßhalb ihr vom Leibe Christi getrennt werden müßtet. Das sei ferne von euch. Jene, welche ihr Buße thun sehet,3 haben Verbrechen begangen. Ehebrüche oder sonst ausserordentliche Unthaten; deßhalb thun sie Buße. Denn wenn ihre Sünden leichte wären, so würde zu ihrer Tilgung das tägliche Gebet genügen.

[S. 372]

1: Nach Joh. 14, 23 kommt der Dreieinige zu uns im Alter der Rechtfertigung: der Getaufte ist Glied am Leibe Christi, der Kirche, er hat Vergebung der Sünden und besonders durch die Eucharistie das Unterpfand der Auferstehung und des ewigen Lebens. Joh. 6, 55.
2: Matth. 6, 12. Das Gebet des Herrn wurde erst acht Tage nach dem Symbolum übergeben; das hinderte aber nicht, einzelne Bitten zu erwähnen, da nur einige auf specifisch christliche Geheimnisse reflectiren. Nach meiner Ansicht war übrigens gebildeteren Katechumenen wegen der umfangreichen Literatur auch über symbolum und oratio dominica das Meiste bekannt, und die fast ängstliche Scheu der Kirche vor Profanation des Symbolums und der oratio dominica mehr durch Pietät gegen die hergebrachte Gewohnheit als durch praktische Rücksicht gerechtfertigt. Vergl. Mayer 105 u. 106.
3: Die Katechumenen sahen die öffentlichen Büßer beim Gottesdienste. Sie waren kenntlich durch den Ort, der ihnen angewiesen war, in oder vor der Kirche und durch die Thatsache, daß nur die höchste Klasse der Liturgie beiwohnen durfte.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger