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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Erstes Buch.

4. Christus ist im Himmel in der Seligkeit des ewigen Lebens; von dort kommt er, um die noch Lebenden und die Gestorbenen oder auch um die Guten und Bösen zu richten.

Er stieg auf zum Himmel. Glaubet es! Er sitzt zur Rechten des Vaters, Glaubet es! Unter „Sitzen“ verstehet „Wohnen“, wie wir von jedem Menschen sagen: Er sitzt schon drei Jahre in seiner Vaterstadt. Auch die Schrift sagt, daß Einer so lange in seiner Vaterstadt gegessen sei. Ist er denn immer gesessen und nie aufgestanden? Daher [S. 367] heissen die Wohnungen der Menschen Wohn-“Sitze“. Sitzt man denn immer, wo es Wohnsitze gibt? Man steht doch auch auf, geht einher, legt sich nieder, und doch sagt man „Sitze“. So glaubet auch, daß Christus zur Rechten des Vaters wohne! Dort ist er! Euer Herz sage nicht: Was thut er? fraget nicht nach Demjenigen, was man nicht finden kann; er ist dort, und das genügt euch! Er ist selig, und von der Seligkeit, welche die Rechte des Vaters heißt, kommt der Name der Seligkeit selbst — die Rechte des Vaters! Denn wenn wir die Worte: „Er sitzet zur Rechten des Vaters“ fleischlich auffassen, so sitzt der Vater zur Linken. Ist es aber Recht, sich Vater und Sohn so vorzustellen, daß der Sohn zur Rechten und der Vater zur Linken ist? Dort gibt es nur eine Rechte (keine Linken weil es dort kein Elend gibt.1

Von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. Die Lebendigen sind Jene, die noch am Leben sein werden, die Todten, die schon vorausgegangen sind. Man kann jedoch unter den Lebendigen auch die Gerechten und unter den Todten die Ungerechten verstehen. Denn er richtet Beide und vergilt einem Jeden das Seinige. Den Gerechten wird er beim Gerichte sagen:2 „Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters, und empfanget das Reich, das euch von Anbeginn der Welt bereitet ist.“ Auf dieses bereitet euch vor, dieses hoffet, deßhalb lebet, deßhalb glaubet und deßhalb laßt euch taufen, damit man euch sagen kann: „Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters, und empfanget das Reich, das euch von Anbeginn bereitet ist.“ Was wird er Jenen zur Linken sagen? „Gehet in’s ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist!“3 So [S. 368] werden von Christus die Lebendigen und die Todten gerichtet werden. Ich habe von der ersten zeitlosen Geburt Christi gesprochen, ich habe dann die zweite Geburt in der Fülle der Zeiten aus Maria der Jungfrau erwähnt und vom Leiden und dem Gerichte Christi geredet. Damit ist Alles gesagt, was von Christus, dem einzigen Sohne Gottes, unserm Herrn zu sagen ist. Aber die Dreiheit ist noch nicht vollständig!

1: Text: Ibi omnis dextera est, quia ibi nulla est miseria. Im Himmel gibt es Nichts, was die Linke sinnbildet, nichts Verkehrtes, kein Unglück und Elend, und ist insofern Alles rechts, omnis dextera.
2: Matth. 25, 34.
3: Matth. 25, 41.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger