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Augustinus (354-430) - Vier Bücher über das Symbolum an die Katechumenen (Sermo de Symbolo; Buch 2-4 ist von Quodvultdeus)
Erstes Buch.

2. Der Sohn Gottes ist wahrer Gott wie der Vater; er ist ebenso allmächtig wie der Vater, aber Vater und Sohn sind nicht zwei Götter, sondern ein Gott.

Daher glauben wir auch an unsern Herrn, den einzigen Sohn desselben, nämlich Gottes des Vaters. Wenn du die Worte hörst: „den einzigen Sohn Gottes,“ so erkenne ihn als Gott! Es kann nämlich nicht ein Nichtgott der einzige Sohn Gottes sein. Was der Vater ist, das hat er gezeugt, obgleich er nicht Der ist, den er gezeugt hat. Wenn er aber der wahre Sohn ist, so ist er Das, was der Vater ist; wenn er nicht ist, was der Vater, so ist er nicht der wahre Sohn. Beachtet nur die sterblichen und irdischen Geschöpfe. Jedes Wesen zeugt, was es selbst ist. Der Mensch zeugt kein Rind, das Rind zeugt keinen Hund und der Hund kein Rind. Alles, was ist und zeugt, zeugt Dasjenige, was es selbst ist. Haltet daher standhaft und treu daran fest, daß [S. 356] der Vater Das gezeugt hat, was er selbst, der Allmächtige, ist. Die sterblichen Geschöpfe zeugen auf dem Wege des Verderbens. Zeugt Gott auch so? Der sterblich Geborne zeugt, was er ist, und der Unsterbliche zeugt, was er ist: der Verwesliche zeugt einen Verweslichen, der Unverwesliche zeugt einen Unverweslichen, der Verwesliche zeugt verweslich, der Unverwesliche zeugt unverweslich; so sehr zeugt er Das, was er ist, daß er der Eine nur Einen und daher Einzigen zeugt. Als ich euch das Symbolum vorsagte, habe ich mich, wie ihr wißt, dahin ausgesprochene daß ihr glauben müsset: „Wir glauben an Gott den allmächtigen Vater und an Jesus Christus, seinen einzigen Sohn.“ Daher glaube nun, der Einzige sei allmächtig! Denn nicht Gott der Vater thut, was er will, und Gott der Sohn thut nicht, was er will. Vater und Sohn haben nur einen Willen, weil nur eine Natur, und der Wille des Sohnes kann vom Willen des Vaters nicht im Geringsten getrennt werden. Gott und Gott und Beide zumal nur ein Gott: der Allmächtige und der Allmächtige und Beide zumal nur ein Allmächtiger. Wir führen nicht zwei Götter ein, wie Einige sie einführen und sagen:1 Gott der Vater und Gott der Sohn, aber der größere Gott ist der Vater, und der kleinere Gott ist der Sohn. Was sind Beide? Zwei Götter? Du schämst dich, das zu sagen; schäme dich auch, es zu glauben!

Du sagst: Gott der Vater ist Herr, und Gott der Sohn ist Herr, und der Sohn selbst sagt:2 „Niemand kann zwei Herren dienen.“ In seiner Familie werden wir wie in einem großen Hause sein, wo ein Familienvater da ist, der einen Sohn hat. Sollen wir nun sagen der größere Herr und der kleinere Herr?3 Weiset einen solchen Gedanken [S. 357] zurück! Wenn ihr euch solche Vorstellungen in eurem Herzen machet, dann stellt ihr Götzen in der einen Seele auf. Weiset sie entschieden zurück, glaubet zuerst und dann sehet ein.4 Wenn aber Gott sogleich nach dem Glauben das Verständniß verleiht, so ist das Gottes Gnade und nicht Werk der menschlichen Gebrechlichkeit. Wenn ihr es indessen noch nicht einsehet, so glaubet es! Ein Gott der Vater, Gott Christus der Sohn Gottes: was sind Beide? „Ein Gott.“ Und wie werden Beide ein Gott genannt? Wie? Du wunderst dich hierüber.5 In der Apostelgeschichte heißt es:^) „Und die Gläubigen hatten nur ein Herz und eine Seele.“ Viele Seelen waren es, aber der Glaube hatte sie zu einer gemacht: viele tausend Seelen waren es, sie liebten sich, und die vielen sind eine: sie liebten Gott im Feuer der Liebe und kamen von der Vielheit zur Einheit der Schönheit. Die Liebe also machte so viele Seelen zu einer Seele; aber welche Liebe ist bei Gott, bei dem keine Verschiedenheit, sondern vollkommene Gleichheit ist? Wenn auf Erden und unter Menschen eine so große Liebe herrschen konnte, daß sie aus viel tausend Seelen eine Seele machte, könnten dort, wo der Vater immer unzertrennlich war von dem Sohne und der Sohn vom Vater, Beide mehr als ein Gott sein? Aber jene Seelen konnte man viele Seelen und eine Seele nennen; hingegen kann Gott, in welchem die unaussprechliche und höchste Verbindung besteht, nur ein Gott genannt werden, nicht zwei Götter.

Es thut der Vater, was er will, und der Sohn thut, was er will. Glaubet ja nicht, der Vater sei allmächtig, der Sohn aber sei nicht allmächtig,6 das ist ein Irrthum! Vernichtet ihn in euch, entfernet ihn aus eurem Gedächt- [S. 358] nisse, sauget ihn nicht in euren Glauben ein, und wer etwa eingesaugt hat, der gebe ihn von sich! Allmächtig ist der Vater, und allmächtig ist der Sohn. Wenn der Allmächtige nicht einen Allmächtigen gezeugt hat, so hat er nicht einen wahren Sohn gezeugt. Was sollen wir sagen, Brüder, wenn der größere Vater den kleinern Sohn zeugte? Was sagte ich, zeugte! Ein größerer Mensch zeugt einen kleinern Sohn: das ist wahr; aber Jener altert, und Dieser wächst und erreicht wenigstens durch Wachsen die Größe seines Vaters. Der Sohn Gottes wächst nicht, weil Gott auch nicht altern kann. Er wurde vollkommen geboren. Wenn er als vorkommen geboren nicht wächst und nicht kleiner blieb, so ist er gleich. Damit ihr wisset, daß er als Allmächtiger vom Allmächtigen geboren wurde, höret ihn selbst, der die Wahrheit ist!7 Was die Wahrheit von sich sagt, das ist wahr. Was sagt aber die Wahrheit? Was sagt der Sohn, der die Wahrheit ist? „Alles, was Vater thut, thut auf gleiche Weise auch der Sohn.“8 Der Sohn ist also allmächtig, da er Alles thut, was er will. Wenn der Vater Einiges thut, was der Sohn nicht thut, so hat der Sohn irrthümlich gesagt: „Alles, was der Vater thut, thut auf gleiche Weise auch der Sohn.“ Weil aber der Sohn die Wahrheit gesagt hat, so glaubet, daß der Sohn gleicher Weise Alles thut, was der Vater thut, und ihr habt damit an den allmächtigen Sohn geglaubt. Obgleich ihr dieses Wort im Symbolum nicht genannt habt, 9 so habt ihr doch gerade das ausgedrückt, als ihr euren Glauben an ihn als den einzigen Sohn Gottes aussprachet. Hat der Vater Etwas, was der Sohn nicht hat? Das sagen die häretischen Arianer, die Gotteslästerer, nicht ich. Aber was sage ich? Wenn der Vater Etwas hat, was der Sohn nicht hat, so lügt der Sohn, welcher sagt:10 „Alles, was der [S. 359] Vater hat, ist mein.“ Es gibt viele, ja unzählige Zeugnis, welche beweisen, daß der Sohn der wahre Sohn Gottes des Vaters ist, und, daß Gott der Vater den wahren Gott Sohn gezeugt hat, und daß Vater und Sohn nur ein Gott sind.

1: Die Arianer.
2: Matth. 6, 24.
3: Dieses Beispiel paßt für den Standpunkt eines Subordinatianers, aber nicht für den Augustin’s.
4: Isaias 7, 9.
5: Mein Text: miraris? Ich halte den Punkt für besser.
6: Das war arianisches Dogma.
7: Joh. 14, 6.
8: Joh. 5, 36.
9: Die Competenten scheinen demnach bei der Übergabe des Symbolums dasselbe wohl artikelweise dem Bischofe nachgesprochen zu haben.
10: Joh. 16, 15.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger