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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der zweite Tag. Dritte Homilie (Gen 1,6-10)

IV. Kapitel. Die Bezeichnung 'Himmel' für Firmament. Die lateinische (caelum) und griechische (ouranos) Bezeichnung für Himmel. Der "verschlossene" bezw. "eiserne" Himmel der Hl. Schrift. Allegorische Deutungen des Himmels, des Firmamentes, der Wasser über dem Himmel: der Literalsinn ist vorzuziehen.

15.

1 Doch kehren wir zum Thema zurück: „Es werde eine Veste inmitten des Wassers“. Man nehme, wie ich [S. 65] schon betonte, keinen Anstoß, wenn er (Moses) vorher den Ausdruck „Himmel“ gebrauchte, hier die Bezeichnung „Firmament“; denn auch David spricht: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und die Werke seiner Hände verkündet das Firmament“2, das heißt: Die Weltschöpfung lobt, wenn man sie schaut, ihren Meister, weil dessen unsichtbare Größe durch das Sichtbare erkennbar wird3. Und zwar dünkt mir der Name „Himmel“ ein Allgemeinbegriff zu sein, weil es nach dem Zeugnisse der Schrift sehr viele Himmel gibt; der Name „Firmament“ hingegen ein besonderer, zumal es auch an unserer Stelle so heißt: „Und er nannte die Veste (Firmament) Himmel“4. Sonach sprach er augenscheinlich im vorausgehenden nur allgemein die Erschaffung des Himmels im Anfang aus, um damit den Gesamtkomplex der Himmelsschöpfung zusammenzufassen, an unserer Stelle hingegen die besondere Festigkeit dieses nach außen sichtbaren Firmamentes, das eben darum Himmelsveste heißt, wie wir’s in des Propheten Lobgesang lesen: „Gepriesen bist Du in der Veste des Himmels“5. Der Himmel, griechisch οὐρανός [ouranos], heißt lateinisch „der Geprägte“6, weil er der Gestirne Leuchten gleich Münzzeichen aufgeprägt trägt; so nennen wir auch eine Sibermünze mit erhabenen Charakteren „geprägt“. Οὐρανός [Ouranos] hingegen heißt er von ὁρᾶσθαι [horasthai] (gesehen werden), weil er sichtbar ist. Im Gegensatz7 also zur Erde, die dunkler ist, wird er οὐρανός [ouranos] genannt, der „Sichtbare“, insofern er hell erstrahlt. Daher auch, wie ich glaube, jener Ausspruch: „Die Vögel des Himmels sehen immerdar das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist“8, sowie (der Ausspruch) von den „Vögeln im Umkreise der [S. 66] Himmelsveste“9. Die (Engels-) Mächte nämlich, die an jenem sichtbaren Orte weilen10, schauen dies alles und sehen es unter sich vor ihren Blicken ausgebreitet.

1: Zu Kap. IV: Vgl. hierzu Basil., l. c. 8 u. 9 (Anfang).
2: Ps. 18, 2 [Hebr. Ps. 19, 2].
3: Vgl. Röm. 1, 20.
4: Gen. 1, 8.
5: Dan. 3, 56.
6: caelum (fälschlich) von caelare (= in erhabener Arbeit ausführen, gravieren, prägen) abgeleitet, in Wirklichkeit mit κοῖλος [koilos] (= hohlrund, coelum) zusammenhängend.
7: Ambr. gebraucht hier den griech. Kunstausdruck πρὸς ἀντιδιαστολήν [pros antidiastolēn].
8: Matth. 18, 10. [= οἱ ἄγγελοι = angeli = „Engel“ statt „Volatilia coeli“ wie es bei Ambr. heißt, übers. als: „Vögel“].
9: Gen. 1, 20.
10: Sieh Einl. p. XLIII.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger