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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der zweite Tag. Dritte Homilie (Gen 1,6-10)
IV. Kapitel. Die Bezeichnung 'Himmel' für Firmament. Die lateinische (caelum) und griechische (ouranos) Bezeichnung für Himmel. Der "verschlossene" bezw. "eiserne" Himmel der Hl. Schrift. Allegorische Deutungen des Himmels, des Firmamentes, der Wasser über dem Himmel: der Literalsinn ist vorzuziehen.

16.

Von einem „verschlossenen“ Himmel ist sodann die Rede1 in den Zeiten des Elias, als in Achab und Jezabel die Gottlosigkeit das Szepter führte, während das Volk dem frevlen Treiben2 des Königs willfahrte: niemand nämlich richtete seine Augen gen Himmel, niemand verehrte den Schöpfer desselben, sie beteten vielmehr Holz- und Steingebilde an. Woraus nun schließen wir dies?3 Weil Gott auch beim Fluche über das Volk Israel, als das Judenvolk zur Buße für seine Gottlosigkeit mit der Ungunst des Himmels und der Unfruchtbarkeit der Erde bestraft wurde, die Wendung gebrauchte: „Der Himmel über deinem Haupte soll dir Erz sein und dein Land Eisen“4. Im Himmel nämlich hat die Fruchtbarkeit ihren Grund. So erflehte auch Moses in seinen Segensgebeten dem Stamme Joseph als Gabe jene „von den Enden des Himmels und vom Tau der Bronnen unten in der Tiefe und nach der Jahreszeit von der Sonne Lauf und den einfallenden Monden und vom Gipfel der Berge und der ewigen Hügel“5. Denn aus der Milde des Himmels schöpft die Fruchtbarkeit der Erde ihre Nahrung. „Eisern“ ist der Himmel, der keine Feuchtigkeit taut, wann kein Regen aus den Wolken bricht. Ein „eiserner“ Himmel ist auch die düstere Luft, die drückende und nebelige von eisengrauer Färbung, wann die Erde in den Fesseln grimmiger Kälte starrt. Da scheint dann die Regenwolke über unserem Haupte zu schweben und jeden Augenblick sich zu entladen. Gar häufig auch verdichtet sich das vor eisigem Windeswehen starrende Wasser zu Schnee, die Luft teilt sich [S. 67] und der Schnee wallt herab. Nicht die Himmelsveste kann sich teilen, sie müßte denn irgendwie gewaltsam geteilt werden. Darum auch die Bezeichnung „Veste“, weil sie nicht ohne Festigkeit und Widerstandskraft ist. Deshalb ferner das Schriftwort über den Donner, der mit lautem Hall erdröhnt, wenn die gewitterschwangere Luft im Wolkenschoß zu heftiger Entladung aufeinanderprallt: „Ich festige den Donner“6. Nach ihrer Festigkeit ward also die Himmelsveste benannt, bezw. nach ihrer Festigung durch Gottes Kraft. So lehrt es uns auch die Schrift mit der Aufforderung: „Lobt ihn in der Veste seiner Kraft“7.

1: 3 Kön. 17, 1 [= 1 Kön.].
2: Vgl. 3 Kön. 16, 30 ff. (Götzendienst) [= 1 Kön.].
3: daß es einen „verschlossenen“ Himmel gibt.
4: Deut. 28, 23.
5: Deut. 33, 13―15.
6: Am. 4, 13.
7: Ps. 150, 1 [Hebr. Ps. 150, 1].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger