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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Siebtes Buch

Nr. 40

Wollte Jupiter, daß ihm die Spiele mit größerer Sorgfalt gefeiert und wiederhergestellt würden; war er willens, dem Volke die Gesundheit zuverlässig zurückzugeben und das angethanene Uebel nicht länger andauern und sich mehren zu lassen: war es dann nicht gehöriger, zu dem Konsul selbst, oder zu irgend einem der öffentlichen Priester, zum Pontifex Maximus oder zu seinem Flamen heranzukommen, und demselben im Traume sowohl des Vorstehers Verletzung als der Trübsal Veranlassung anzuzeigen? Welcher Grund war vorhanden, daß er einen Landmann, unbekannt durch seines Namens Dunkelheit, der städtischen Dinge unerfahren, vielleicht unwissend, was ein Vorsteher sey, zu seinem Boten erwählte und zum Wortführer der freimachenden Sühne? Wußte er nun, war er nur göttlichen Wesens, dieser werde zu gehorchen zaudern; war es da nicht minder schwierig und einer Gottheit zustehend, des Menschen Sinn zu wenden und den Willen zum Gehorsam zu beugen, als grausere Wege einzuschlagen und nach der Straßenräuber Gebrauch ohne alle Rücksicht loszuwüthen? Wenn nämlich der Landmann, der Vater saumselig in den zu bestellenden Dingen, aufgehalten durch die obigen Ursachen, in der anbefohlenen Sache zögerte, was haben da desselben unglückselige Kinder verschuldet, daß auf sie der Zorn und Unwille sich hinwendete und sie durch Beraubung des Lichtes eines Anderen Fehler vergüteten? Und welcher Mensch mag glauben, ein Gott sey so ungerecht, so lieblos und nicht einmal der Sterblichen Bestimmungen wahrend, welche für eine große Uebelthat halten, Einen für den Anderen zu strafen und Verbrechen an Anderer Nacken zu rächen? Aber auch ihn ließ er [S. 207] durch der Pestseuche Wüthen ergreifen. War es nicht treffender also, ja vielmehr billiger, faßte er den Entschluß beim Vater selbst den Schreck der Züchtigung anfangen zu lassen, welcher Ursache war solcher Unruhe und der ungehörigen Züchtigung, als zu dessen Schmerz den Kindern Gewalt anzuthun und Unschuldige durch den Brand der Seuche zu zerstören? Welch' eine Wuth, welche Grausamkeit, die sogar nach Vertilgung der Nachkommen, den Vater mit innerlichen Schmerzen in Schrecken setzte? Hätte er dieß nun schon längst, d. h. gleich von Anfang an gewollt, so wären weder die unschuldigen Geschwister aufgerieben worden, noch hätte sich der Gottheit Willen als ergrimmt zu erkennen gegeben, allein gleich nach erfüllter Pflicht der Verkündigung schwand die Seuche und augenblicklich ward dem Menschen die Gesundheit wiederhergestellt. Und was ist an dieser Sache bewunderungswürdig, wenn er das von ihm angefachte Uebel zurückstößt und sich selbst mit nichtiger Prahlerei erhebt? Erwägt man aber diesen Umstand genau, so lag in demselben mehr Grausamkeit als Gunst des Wohlbefindens, insofern er nämlich den elenden Menschen, der nach dem Verlust seiner Kinder auch zu sterben wünschte, nicht zur Lebensfreude bewahrte, sondern damit er in seine Einöde zurückkehrte und die Pein der Kinderlosigkeit empfinde.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger