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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Siebtes Buch

Nr. 38

Diese Dinge haben allerdings eine Gestalt von [S. 205] Wunderbarkeit, ja vielmehr läßt sich glauben, daß alles dieß Ausgesagte eine solche habe, wenn es so, wie es dargestellt ist, zum menschlichen Ohre gelangt; und nicht leugnen wir, es sey irgend Etwas dabei, was beim ersten Blicke, wie man zu sagen pflegt, die Sinne blenden und durch die Aehnlichkeit mit der Wahrheit täuschen könne. Wenn man übrigens das Geschehene, die handelnden Personen und derselben Gesinnungen genau erforschen will, so findet sich Nichts der Götter Würdiges, und, was schon oft gesagt worden, Nichts zu dieses Namens Begriff und Werth Zustimmendes. Wer nämlich vorerst mag glauben, jener sey ein Gott gewesen, welcher zwecklos sich durch Pferderennen ergötzen ließ und auf's höchste erfreut ward durch die Einladung zu dieser Art Kurzweil? Ja, wer mag beistimmen, jener sey Jupiter, den ihr als den obersten Gott und Urheber aller seyenden Dinge aussagt, welcher vom Himmel herwanderte, um die der Schnelligkeit wegen wetteifernden, die sieben Kreisbahnen wiederholenden verschnittenen Hengste zu schauen, und daß der, welcher selbst sie der Körperbewegung nach unähnlich gewollt, doch sich erfreute, wie sie vorlaufen, überrannt werden, zur Erde gebeugt stürzen, zurückgebogen mit dem Wagen sich wenden, sich hinschleppen, mit gebrochenen Beinen hinken; auch die mit Possen und Grausamkeiten vermischten Nichtswürdigkeiten für die höchste Lust hinnahm, welche jedweder fröhliche Mensch, nicht herangebildet zum vollen Ernst und Gleichmuth, für bübisch halten und als Kurzweil verschmähen würde? Wer mag glauben, sage ich, um diesen Ausspruch fortwährend zu wiederholen, der sey göttlichen Geschlechtes, der, weil bei dem im Cirkus angestellten Spiele die wohlverdiente Strafe vollzogen ward, unwillig in Zorn entbrannte und sich selbst zur Rache anschickte? War der Sklave nämlich ein Missethäter und mußte derselbe mit jener Strafe belegt werden: wie konnte Jupiter irgend ein Unwille überkommen, da man nichts Ungerechtes vollbrachte, ja vielmehr das schuldige Haupt mit den schicklichen Strafen traf? War dieser aber keines Verbrechens schuldig und nicht straffällig, so befand er selbst sich in der Lage des fehlenden Vorstehers, da er ihm beistehen konnte, es aber nicht that, ja vielmehr selbst zu Stande brachte, daß derselbe, was er mißbilligte, nicht nur erlaubte, sondern auch mit seiner Erlaubniß Andere bestrafte. Und weshalb hat er sich dann als von jenem Vorsteher beleidigt beklagt und offenbart, weil der Sklave durch des Cirkus Mitte mit Geißeln und Ruthen zum Kreuz hingepeitscht wurde?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger