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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Siebtes Buch

Nr. 33

Die Spiele aber, die ihr veranstaltet, Floralien und Megalesien genannt, sammt allen übrigen, die ihr als heilig gehalten und unter die Religionsdienste gezählt wissen wollt, welcher Grund, welche Ursache veranlaßte, daß sie angeordnet und eingerichtet, nach der Götter Namen bezeichnet werden mußten? Man sagt, durch sie werden die Götter geehrt, und bewahren diese das Andenken der von Menschen ihnen zugefügten Beleidigungen, so geben sie dieselben auf, vernichten die Erinnerung und kehren sich wieder mit erneuerter Zuthunlichkeit als Gönner uns zu. Und was ist ferner Ursache, daß sie beruhigt, gefällig, sanftmüthig werden, wenn thörichtes Zeug vollbracht und vor der gaffenden Menge durch unnütze Menschen vorgestellt wird? Läßt Jupiter seinen Zorn fahren, wenn der plautinische Amphitryo gestikulirt und vorgetragen wird? oder wenn man die Europa, die Leda, den Ganymedes oder die Danae tanzt, zähmt er da seinen Groll? Läßt sich die große Mutter beruhigen, sänftigen, wenn sie die alte Fabel vom Attis durch Schauspieler wieder aufwärmen sieht? Wird Venus ihr Unglück vergessen, wenn sie den Pantomimen als Adonis verkleidet tanzend erblickt? Des Alciden Unwille erschlafft wohl, wenn des Sophokles Tragödie, die Trachinerinnen genannt, oder des Euripides Herkules vorgestellt wird? Hält sich Flora etwa für ehrenvoll behandelt, schaut sie bei ihren Spielen die schmählichen Dinge treiben und den Umzug von den Hurenhäusern nach dem Theater? Heißt das nun nicht der Götter Würde verderben, wenn man ihnen die schändlichsten Dinge zueignet und weiht, welche das strengsittliche Gemüth zurückstößt, und deren Darsteller euer Recht als der Bürgerehre entnommen und zur Klasse der Ehrlosen gehörig verdammt hat? Unfehlbar erfreuen sich die Götter an den Mimen, und jene vortreffliche, keiner Menschennatur irgend erfaßbare Machtvollkommenheit leiht auf's willigste denselben, sie zu hören, das Ohr, obschon sie sich als Stoff zum Verlachen derselben mehrsten Schauspielen eingemischt wissen; ja sie ergötzen sich, wie bei uns, an den geschorenen Köpfen der Spaßmacher, an dem Schlagen und Klatschen der flachen [S. 202] Hände, an der Schändlichkeit übermäßiger Phallus. Außerdem aber, wenn sie die zur weibischen Weichlichkeit entarteten Männer schauen, wie diese vergeblich schreien, jene ohne Ursache umherlaufen, andere, unbeschadet ihrer Freundschaft, sich niederschlagen und in mörderischen Kampfhandschuhen zerfleischen; wie diese wetteifern, wer länger in einem Athem fortreden oder fortsingen könne, wie sie die Backen voll nehmen und mit mächtigen Fersen stampfen, dann erheben sie die Hände zum Himmel, springen, von den bewunderungswürdigen Dingen aufgeregt, empor, rufen laut Beifall und wenden sich voll Gunst den Menschen zu. Bewirkt dieß bei den unsterblichen Göttern des Grolles Vergessen, verursachen die Komödien, die Atellanen, die Mimen ihnen die erfreulichste Lust, was säumt, was zögert ihr auszusagen, daß auch die Götter selbst Kurzweil treiben, scherzen, tanzen, unsittliche Lieder verfassen und mit bebenden Lenden sich umherdrehen? denn welcher Unterschied findet statt, oder was liegt daran, ob sie dieß selbst thun, oder ob sie daran, geschieht es von Anderen, Wohlgefallen und Ergötzung haben?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger