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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Siebtes Buch

Nr. 31

Es ist der Mühe wohl werth, auch die Worte selbst anzuführen, [S. 200] die man bei Darbringung des Weines gewöhnlich gebraucht und betet: Laß dir diesen ausgegossenen Wein gefallen! Das Wort ausgegossen ist, wie Trebatius bemerkt, aus der Ursache beigefügt und wird um des Grundes willen ausgesprochen, damit nicht aller in den gewölbten Kammern und Apotheken bewahrte Wein, von dem der ausgegossene hergenonnnen ist, geweiht zu seyn beginne und dem menschlichen Gebrauche entzogen werde. Mittelst dieses hinzugefügten Wortes wird also der dargebrachte allein geweiht seyn und der übrige der Religion nicht zugeeignet werden. Welch eine Ehre ist nun die, wo dem Gott gleichsam als Gesetz man auferlegt, nicht mehr als das Dargebrachte zu fordern? oder welche Begierde hat der Gott selbst, der, würde er nicht durch eines Wortes Vorschrift abgehalten, sein Verlangen weiter ausdehnte und den Flehenden seiner Weinlager beraubte? Laß dir diesen ausgegossenen Wein gefallen! das ist eine Beleidigung, keine Ehrung, was weiter, wenn nun der Gott irgend mehr davon haben will, und ist er nicht mit dem dargebrachten zufrieden? Muß man nicht sagen, der werde auf sonderliche Weise beleidigt, den man zwingt, die Ehrenbezeugung unter Bedingung zu empfangen? denn wenn ohne hinzugefügte Ausnahme nothwendig aller in den Kammer befindliche Wein ganz und gar geweiht, so geschieht offenbar dem Gott Schimpfliches, dem man wider seinen Willen ein Maaß festsetzt; und ihr selbst verletzt im heiligen Dienste die Pflichten der Ehrfurcht, da ihr nicht so viel Wein als ihr seht, daß der Gott sich dargereicht verlangt, spendet. Laß dir diesen angegossenen Wein gefallen! was heißt das anders als aussagen: Mit so vielem magst du zufrieden seyn als ich will; so sehr vergrößert magst du seyn als ich genehmige; solcher Ehre theilhaftig werden als ich dir zuerkenne und durch Worte abgrenze. O allvermögende Erhabenheit der Götter, welcher Anbetung, welcher mittelst aller Dienstleistungen ehrfurchtsvolle Verehrung gebührt: dir legt der Verehrer das Gesetz auf, dich betet er mit Vertrag und Vorschrift an, dich hält er durch Eines Wortes Schrei von unmäßiger Weingier zurück.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger