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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Sechstes Buch

Nr. 24

Die Beschützer der Bildnisse pflegen zum Theil ebendasselbe auch zu sagen. Sie wüßten wohl, daß die Alten keine Bildnisse der Gottheiten gehabt hätten und daß in denselben durchaus keine Empfindung sey; aber um des unbändigen und unwissenden Pöbels willen, der den größten Theil im Volke und in den Städten ausmache, habe man dieselben heilsamer Weise und mit Ueberlegung geformt, damit er, gleichsam eine gewisse Gestaltung der Gottheiten vor sich schauend, aus Furcht vor denselben die Rauheit abwerfen und des Glaubens unter den Augen der anwesenden Götter zu handeln, das unfromme Thun lassend, zu menschlichen Zuständen mittelst Aenderung der Sitten übergehen möchte. Um keiner anderen Ursache wegen habe man ihnen die ehrwürdigen Formen aus Gold und Silber ausgesucht, als damit man glauben sollte, es sey in dem Glanze selbst schon der Ausdruck einer gewissen Kraft, welche nicht bloß den Sinn der Augen blende, sondern auch das Gemüth selbst mit den Strahlen des hehrsten Lichtes schrecke. Dieß dürfte mit einigem Grunde dann etwa behauptet werden, wenn nach Erbauung der Göttertempel und Aufstellung der Bildnisse kein Uebel in dieser Welt mehr wäre; durchaus keine Nichtswürdigkeit, sondern Gerechtigkeit, Friedsamkeit, Treuherzigkeit der Sterblichen Reich füllte; Niemand auf Erden mehr schuldig oder unschuldig genannt würde, indem Alle insgesammt der Frevelthaten unkundig sind. Nun aber, da gegentheils Alles voll Uebel ist, der Unschuld Name fast unterging, wo jeder Augenblick, jede Minute einen neuen Schwarm noch sträflicherer Uebelthaten zu Tage fördert: wie paßt es da zu sagen, die Bildnisse seyen errichtet, dem Pöbel Furcht einzuflößen. Da wir außer den unzählbaren Verschiedenheiten der Verbrechen und Lasterthaten auch noch sehen, wie die Tempel selbst von Tyrannen, von Königen, von Räubern und Nachtdieben mit lästerlichen Verletzungen angegriffen werden, und jene Götter selbst, welche das Alterthum, Furcht zu erregen, verfertigt und geweiht hat, in die Höhlen der Räuber sammt ihrem goldenen und zu scheuenden Glanze wandern.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger