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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Sechstes Buch

Nr. 23

Außer vielleicht, wie ihr beibringt, die Göttinnen der Wollust nahmen diese Schmacherweisungen auf's wohlgefälligste hin und hielten die Schandthat keiner Rache werth, welche auf gleiche Weise ihre Affekten beschwichtigte und die sie den menschlichen Begierden zugefügt zu haben sich bewußt waren. Wenn aber die Göttinnen Venus, mit größerer Sanftmuth begabt, urtheilten, man müsse dem Unglück der Verblendeten willfahren; als das Kapitol so oft das gefräßige Feuer verzehrte, den kapitolinischen Jupiter selbst sammt Frau und Tochter dahinraffte, wo war zur selben Zeit der Blitzschleuderer, um jenen schauerlichen Brand abzuwehren, um vor dem verderblichen Unfall sein Eigenthum, sich selbst und die gesammte Familie zu beschützen? Wo befand sich die Königin Juno, als dieselbe Gewalt des Feuers ihren berühmten Tempel sammt dem Priester Chrysides in der Stadt Argos auffraß? Wo der ägyptische Serapis, als durch gleichen Fall er mit allen Mysterien sammt der Isis in Asche sich wandelte? Wo Liber Eleutherios, als in Athen; wo Diana, als in Ephesus; wo der dodonäische Jupiter, als in Dodona die Tempel in Flammen aufloderten? Wo endlich der weissagende Apollo, da er von Seeräubern und Freibeutern dergestalt ausgeplündert und niedergebrannt ward, daß von so ungeheurer Masse Goldes, welche unzählige Jahrhunderte aufgehäuft hatten, nicht Ein Gran zu zu finden mehr war, welcher, wie der Menippeische Varro sagt, den gastlichen Schwalben [S. 178] Kunde geben konnte. Es wäre eine unendliche Arbeit, wollte man beschreiben, welche Tempel auf dem ganzen Erdkreise durch Erdbeben und Orkane niedergestürzt; welche durch feindliche Krieger abgebrennt; welche von Königen und Tyrannen, welche von Vorstehern und Priestern ohne Verdacht zu erregen beraubt; welche endlich von Dieben und jenen unter dem Mantel der Finsterniß Schlösser öffnenden Kanachenern bestohlen worden sind; und allerdings blieben sie in Sicherheit und keinem Zufall unterworfen, wären die Götter als Vorsteher zugegen, oder hätten irgend eine Sorge für die Tempel, wie man doch behauptet. Nun aber, weil sie leer und durch keine Bewohnung bewahrt sind, so steht dem Zufall sein Recht auf dieselben zu, und dergestalt unterliegen sie sämmtlichen Ereignissen, wie alles Andere, was der inneren Bewegung beraubt ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger