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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Fünftes Buch

Nr. 29

Damit jedoch nicht etwa einer dafür halte, diese so unfrommen Dinge seyen von uns ausgesonnen, so verlangen wir nicht, daß er dem Zeugen Heraklitos glaube, noch wollen wir, daß er aus dessen Lesung, was derselbe über derlei Mysterien geurtheilt, annehme; er frage das gesammte Griechenland, was ihm diese Phallos bedeuten, welche alte Sitte auf den Feldern, in den Städten errichtete und verehrte, und er wird die von uns angegebenen Ursachen finden; oder war es wider die Schamhaftigkeit, die Wahrheit einfältig darzulegen, was nützte dann die Verdunklung, was die Verhüllung der Ursache und des Ursprungs des Ritus, da die Sache an sich Religionslästerung ist? Was sagt ihr Völker, was ihr mit Tempelverehrung Beschäftigte, was ihr derselben geweihte Stämme? Zu diesen Diensten treibt ihr uns durch Feuer, Verbannung, Prügel und die übrigen Strafarten, sammt der Furcht und Grausamkeit? dieserlei Götter führt ihr uns zu, macht ihr uns bekannt, auferlegt ihr uns, deren Aehnlichkeit ihr weder für euch, noch für irgend einen eurer Blutverwandten und durch Familienrechte Euch verbundenen wünscht? Könnt ihr euern noch nicht mannbaren Knaben den von Liber mit seinem Buhlen abgeschlossenen Vertrag mittheilen? Könnt ihr euere Schnuren, ja euere Ehefrauen zu Baubo's Unverschämtheit verleiten, zu den ehrbaren Ergötzungen der Ceres? Wollt ihr, daß eure Jünglinge wissen, hören, lernen, wie Jupiter selbst bei der einen und anderen Mutter sich darstellt habe? Wollt ihr, daß herangewachsene Jungfrauen und noch rüstige Väter wahrnehmen, mittelst welcher Kunst derselbe bei der Tochter sich die Zeit vertrieb? Wollt ihr, daß schon heiße Geschwister, Brüder eines Samens, eben denselben bemerken, wie er das Bett der Schwester zu beflecken nicht verschmähte? Muß man also von derlei Göttern nicht sofort weithin fliehen, und damit nicht solcher unreinen Religion Schändlichkeit in's Gemüth sich einschleiche, ist nicht das Gehör durchaus zu verschließen? Denn welcher Sterbliche ist wohl in reinen Sitten so begründet, daß ihn der Götter Beispiele nicht zu gleichen Ausschweifungen verlockten? Oder wer ist im Stande, seine Begierden hinsichtlich verwandter und zu ehrender Personen zu unterdrücken, da er sieht, wie bei den Himmlischen im Wirren der Gelüste nichts als heilig geachtet ist? Wo nämlich fest steht, innerhalb rechtmäßigen Schranken, es könne das erste und vollkommene Wesen seine Begierde nicht bezähmen, warum soll sich da der Mensch nicht in gemeinschaftliche Begierden stürzen, sowohl durch die angeborene Gebrechlichkeit dem Fall hingegeben, als auch durch göttliche Lehre unterstützt?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger