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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Fünftes Buch

Nr. 22

Meiner Meinung nach ist auch hier nicht viel Reden Noth, kein Durchgehen des Einzelnen, kein Darthun, welche Ouelle voll Schändlichkeiten und Laster in den kleinsten Theilen enthalten sey: denn welcher Sterbliche ist so geringen Menschenverstandes, daß er nicht von selbst einzusehen vermag, welcher Art dieß Alles sey, wie gottlos, wie schmählich; welche ungemeine Schande den Göttern aus dem heiligen Dienst der Mysterien selbst, wie auch aus den ehrlosen Anfängen derselben zugeht? Jupiter, sagt man, entbrannte für Ceres. Ich frage, wie hat dieser Jupiter, wer immer er auch ist, solches um euch verdient, daß keine schimpfliche Art von Schande that, keine Unzucht sich findet, die ihr nicht auf sein Haupt, gleichwie auf [S. 151] irgend eine verächtliche und nichtswürdige Person häuft? Leda verletzte das Recht der ehelichen Treue; man sagt, Jupiter ist der Schuld Veranlasser. Danae vermag die Jungfrauschaft nicht zu bewahren; man erzählt, Jupiter ist der Räuber. Europa beschleunigt sich den Namen einer Frau; man bezeichnet ihn als den Besieger ihrer Schamhaftigkeit. Alkmena, Elektra, Latona, Laodamia, tausend andere Jungfrauen und tausend Frauen, sammt ihnen der Knabe Katamitus werden der Ehre ihrer Keuschheit beraubt: allenthalben ist Jupiter der Mann, und keine Art von Schändlichkeit giebt es, welcher ihr nicht den Namen verbunden mit Unzucht anknüpft; so daß es scheint, der Unglückselige sey um keiner anderen Ursache willen geboren, als den Stoff zu Verbrechen, die Veranlassung zu Schmähungen, den Gemeinplatz darzubieten, in welchen aller Unflath aus dem Zusammenfluß der Theater abfließen könne. Sagtet ihr doch wenigstens, er habe mit fremden Weibern verbuhlten Umgang gepflogen, so wäre dieß zwar eine unfromme Rede, aber eine erträgliche Verletzung durch Schmähung. Hat er aber nicht mit der Gier eines leidenschaftlich erregten Herzens auch nach der Mutter, auch nach der Tochter hingelechzt? so daß ihn weder die Heiligkeit und Ehrfurcht vor der Gebärerin, noch auch der Schauder vor dem aus ihm gezeugten Kinde von der Vorstellung solch schändlichen Entschlusses abbringen konnte.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger