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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Viertes Buch

Nr. 35

Den Dichtern aber wollt ihr nur bloß erlauben, von den Göttern ihrer unwürdige Fabeln und schandvolles Gespött zu ersinnen? Was thun denn euere Pantomimen, euere Possenreißer, euere Schauspieler und die Menge des liederlichen Geschlechtes? Mißbrauchen sie nicht zu ihrem Verdienst euere Götter und entnehmen die Lockungen zur Lust von göttlichen Entehrungen und Schmähungen? Es sitzen in den öffentlichen Schauspielen die Kollegien aller Priester und Obrigkeiten, die Hohenpriester und die Priester jeder Kurie; dort sitzen die mit Lorbeern befransten Fünfzehner und die Flamines mit den kegelförmigen Mützen; dort sitzen die Auguren, die Ausleger des göttlichen Willens und Geistes, wie auch die keuschen Jungfrauen, die stäten Ernährerinnen und Bewahrerinnen des Feuers; dort sitzt das gesammte Volk und der Senat; dort sitzen die Konsularen, die den Göttern nächsten und hocherhabenen Konsuln: und, was eine Gottlosigkeit wäre zu hören, jene Mutter des martischen Geschlechtes, des Herrschers und Volkes Erzeugerin Venus wird als Liebende getanzt, und durch alle Stimmungen buhlerischer Niedertracht in schamloser Nachahmung als Bacchantin dargestellt. Man tanzt auch die große Mutter, geschmückt mit heiliger Inful [Kopfbinde]; und wider Anstand wird jene pessinuntische Dindymene vorgebildet, wie sie nach eines Rinderhirten Umarmung mit schändlichem Verlangen begehrt. [S. 136] Nicht weniger führt man auf, wie jener Sohn des Jupiters, Herkules, in Sophokles Trachinerinnen, vom giftgetränkten Gewande umschlungen, Jammertöne ausstößt, von des Schmerzes Gewalt gebrochen und bei der letzten Verzehrung des durch Befeuchtung hingeschwundenen Fleisches getödtet wird. Ja, selbst der höchste Herrscher der Welt wird herbeigebracht, ohne irgend eine Scheu vor Name und Majestät, um die Rollen des Ehebruches darzustellen, und zwar, um die Keuschheit fremder Frauen täuschen zu können, die trügerischen Masken zu wechseln, wie auch unter der Gestalt des Gatten durch des untergeschobenen Körpers Schein dessen Stelle einzunehmen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger