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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Viertes Buch

Nr. 16

Stellet euch vor, wir entschlössen uns, entweder aus eigenem Antrieb oder durch eurer Schreckungen Gewaltsamkeit bewogen, die Minerva zum Beispiel nach euern heiligen Gebräuchen und gewöhnlichem Ritus zu verehren. Wenn, da wir Opfergaben bereiten und herangehen zu den flammenden Altären, das Gebührende darzubringen, nun alle Minerven herbeieilen, und für dieses Namens Besitz streitend, jede fordert, ihr solle jene Zubereitung der Opfer dargebracht werden: was werden wir in der Mitte thun, als schwaches Geschöpf, oder auf welcher Seite hin vielmehr werden wir den Dienst der frommen Gabe übertragen? Vielleicht nämlich spricht jene erste, wie wir gesagt haben, mein Name ist Minerva, mit göttlicher Macht; ich [S. 125] habe den Apollo, die Diana geboren, den Himmel aus meinem Mutterschooß vermehrt und der Götter Zahl vervielfacht. Ja, entgegnet die fünftte Minerva, du erhebst die Stimme, die du als Gattin und Wöchnerin so oftmals der reinen Keuschheit Heiligkeit verletzt hast? Siehst du denn nicht, wie auf allen Kapitolen jungfräuliche Bildnisse der Minerva sich befinden; daß aber von sämmtlichen Künstlern dieser nie die Gestalt einer Ehefrau gegeben wird? Stehe also ab, dir einen Namen ohne Recht anzueignen: denn daß ich von Pallas erzeugt bin, dafür gibt die ganze Schaar der Dichter Zeugniß, welche mich Pallas nennt, nach des Vaters Namen. Was sprichst du, sagt die zweite, dieß hörend; um deßwillen also trägst du, freche Vatermörderin, mit dem Makel blutschänderischer Liebe befleckt, den Namen Minerva? die du durch dein Aufputzen und deine buhlerischen Künste deines Vaters ganze Seele in wüthender Begierde aufregtest. Thue folglich dazu, suche dir eine andere Bezeichnung: denn diese Sache eignet mir, die Nilus, der mächtigste der Flüsse, aus klarem Wasser erzeugt und zu jungfräulicher Gestaltung und Verdichtung verbunden hat. Verlangt ihr der Thatsache Glaubwürdigkeit, so führe ich die Aegypter als Zeugen auf, in deren Sprache man mich Neith nennt, wie Platons Timaeos bezeugt. Was ferner meinen wir etwa? Wird wohl jene abstehen, sich Minerva zu nennen, die den Namen Koryfasia führt, entweder von der Bezeichnung der Mutter Koryfa, oder weil sie aus Jupiters höchstem Scheitel den Schild tragend und mit dem Schrecken der Waffen umgürtet hervorgesprungen ist. Oder wird jene dritte mit Geduld den Namen ablassen, nicht mit ähnlichen Reden ihren Grund für denselben angeben und der erstern Anmaßung zurückweisen? So wagst du es dir meines Namens Majestät anzumaßen, Sais, aus Morast und Dümpfel hervorgegangen und zusammengeronnen aus Schlamm. Du aber, maße irgend eine andere Würde dir an, die du dich als Göttin aus Jupiters Scheitel geboren lügst und dich überredest, die Vernunft den läppischen Sterblichen zu seyn. Aus dem Haupte gebärt er empfangene Kinder? Damit die Waffen, welch du trägst, geschmiedet und gefertigt werden konnten, war in des Scheitels Höhlung selbst eine Werkstätte, Amboße, Hämmer, Essen, Blasbälge, Kohlen und Zangen? Oder ist was du versicherst wahr, bist du die Vernunft, so lasse ab diesen Namen, der mir gebührt, dir zuzueignen: denn was du Vernunft nennst, ist nicht die gewisse Art einer Gottheit, sondern das Verständniß verborgener Ursachen. Sind nun, da wir zum heiligen Dienste der Minerva herzugehen, wie gesagt, fünf zugegen und verlangt jede derselben, da sie um dieses Namens Eigenthum im Zank liegen, daß ihr entweder Weihrauch geopfert oder aus goldener Schale die Weinspende ausgegossen werde; durch welchen Schiedsrichter, durch welchen Entscheider räumen wir solche Kontroversen hinweg? oder wer wird für solche Hartnäckigkeit der Untersucher, der Richter seyn, der unter Personen dieser Art es wagen will, einen gerechten Ausspruch zu thun oder nicht gerechte Klagen aufzudecken? Wird er nicht vielmehr nach Hause geben, und sich von solchen Dingen enthaltend dafürhalten, sicherer [S. 126] sey es, nichts der Art zu berühren, damit er nicht, der Einen gebend, was Allen zugehört, die Uebrigen zu Feindinnen sich mache, oder dem Vorwurf der Thorheit anheimfalle, da er Allen zutheilt, was nur Einer seyn soll.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger