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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Zweites Buch

Nr. 39

Außer, was höchste Vermessenheit ist einem menschlichen Munde auszusprechen, der Herr dieser Welt hat um deßwillen die aus sich gezeugten Seelen hierher gespendet, damit sie, die bei Ihm Göttinnen waren, untheilhaftig körperlicher Belastung und erdener Umschließung, in den menschlichen Samen eingemischt, aus der Weiber Schooß hervorkommend, ein verstandloses Gewimmer beginnen und fortsetzen, damit sie an der Brust saugen und sich mit ihrem Unrath beschmutzen, damit sie ferner, aufgeschreckt durch der Amme Schaukeln und mittelst der Klapper Geräusch; sich beruhigen lassen möchten. Um deßwillen hat Er die Seelen gesendet, damit sie, die einfach und unlängst noch unverborbener Güte waren, im Menschen hehlen, verstellen, lügen, betrügen, hintergehen, mit schmeichlerischer Demuth überlisten, Anderes denken und Anderes verheißen; verstricken, Unkundige durch Ränke und Nachstellungen berücken, durch unzählige Punkte der Bosheit Gift bereiten und dem Zeitbedürfnis gemäß es mit trugvoller Fertigkeit anwenden lernen möchten. Um deßwillen sendete Er die Seelen, damit die in friedlicher und stiller Ruhe lebenden, durch die Körper zur Wildheit, Grausamkeit, Feindseligkeit, zum Groll, zum Kriege, zur Belagerung und Zerstörung der Städte, zur Unterjochung, zur Knechtschaft und endlich zur gegenseitigen [S. 77] Umkehr der durch Geburt geordneten Macht veranlaßt würden. Um deßwillen sendete Er die Seelen, damit sie uneingedenk der ausgemachten Wahrheit und vergessend, was Gott sey, unvermögende Bilder anbeteten, Holz, Erz und Stein als göttliche Wesen anriefen, durch das Blut geschlachteter Thiere Hilfe erflehten, Seiner aber keine Erwähnung machten; ja damit sogar Manche derselben an Seinem Daseyn zweifelten, oder ganz Sein Seyn ableugneten. Um deßwillen sendete Er die Seelen, damit sie, die in ihren eigenthümlichen Sitzen Eines Sinnes waren, an Erkenntniß und Wissenschaft gleich, nach Annahme der sterblichen Formen sich unähnlich waren durch der Meinungen Verschiedenheiten, so daß der Einen dieß, der Anderen jenes recht, nützlich und schicklich erscheine; damit sie über das zu Begehrende und das zu Meinende stritten, jede des Guten und Bösen Begriff anders bestimmte; damit denen, welche die Wahrheit zu erkennen begehrten, die Dunkelheit sich entgegenstellte und sie, gleichwie des Augenlichtes beraubt, nichts Gewisses wahr nahmen, auch mittelst der zweideutigen Wege der Vermuthungen zum Irrthume eingeführt würden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger