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Arnobius major (um 303-305) - Gegen die Heiden (Adversus Nationes)
Zweites Buch

Nr. 16

Sobald wir aber zu den Körpern herabsinken und das Menschliche ereilen, so werden uns aus den Weltkreisen die Veranlassungen zu Theil, welchen zufolge wir böse, auch sehr böse sind, von Leidenschaften und Zorn aufbrausen, in Schandthaten das Leben hin uns üben, und zur öffentlichen [S. 64] Lust durch Preisgebung käuflicher Körper verurtheilt werden. Auf welche Art aber kann Unkörperliches sich dem Körperlichen verbinden; oder wie können von Gott dem Herrn geschaffene Dinge durch schwächere Ursachen zu den Verunstaltungen der Laster übergeführt werden? Wollt ihr Menschen die Anmaßung und den Stolz fahren lassen? die ihr euch bemüht, Gott als Vater angemaßt, mit Ihm Eine und dieselbe Unsterblichkeit zu haben; ihr wollt fragen, erforschen, ausspüren, was ihr selbst seyd, wessen ihr seyd; ermessen, von welchem Vater, was ihr in dieser Welt thun sollt, um welcher Ursache willen ihr geboren werdet, auf welche Weise ihr in's Leben hereinspringt? Wollt ihr nach abgelegter Partheilichkeit mit ruhigen Gedanken einsehen, wir seyen beseelte Wesen, entweder den übrigen ähnlich oder durch keinen sehr bedeutenden Unterschied entfernt? denn was zeigt an, daß wir uns von ihrer Aehnlichkeit unterscheiden? oder welche Vollkommenheit ist so hervorragend bei uns, daß wir den beseelten Wesen zugezählt zu werden verschmähen? Aus Knochen sind ihnen die Körper zusammengefügt und durch der Flechsen [Sehnen] Bande befestigt; auch uns sind aus gleichem Grunde die Körper aus Knochen zusammengefügt und durch der Flechsen Bande befestigt. Sie athmen durch die Nase die Luft ein und hauchen dieselbe wieder aus; auch wir athmen auf dieselbe Weise. Von dem weiblichen Geschlechte ist das männliche unterschieden; in eben so vielen Geschlechtern wurden auch wir von unserem Urbeber geschaffen. Sie empfangen die Frucht im Schooß und erzeugen durch körperliche Vereinigung; auch wir werden durch körperliche Vereinigung erzeugt, aus dem Mutterleib hervorgebracht und entlassen. Sie nähren sich durch Speise und Trank und schaffen die überflüssige Unreinigkeit nach unten hin weg; auch wir nähren uns durch Speise und Trank, und entfernen, was die Natur bereits von sich gestoßen, auf denselben Wegen. Alle sind besorgt, den tödlichen Hunger zu verhüthen und wegen der nothwendigen Nahrung zu wachen; was anders thun wir in so vielen Beschäftigungen des Lebens, als daß wir das erwerben, wodurch die Gefahr des Hungers vermieden und die unselige Sorge entfernt wird? sie empfinden Krankheiten und Unwohlsein, werden zuletzt durch das Alter aufgelöst; sind wir etwa dieser Uebel ledig, brechen uns nicht auf gleiche Weise der Krankheiten Widerwärtigkeiten, zerstört uns nicht des Alters Pest? Wenn nun auch wahr ist, was in den geheimen Mysterien gesagt wird, die Seelen der Gottlosen gingen, nachdem sie die menschlichen Körper verlassen, in die Thiere über; so wird offenbarer bestätigt, wir seyen nahe und nicht durch entfernte Räume getrennt. Wenn anders uns und ihnen darin Uebereinstimmung ist, woher man sagt, daß wir beseelte Wesen seyen und leben.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger