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Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron
Der zweite Tag. Dritte Homilie (Gen 1,6-10)
III. Kapitel. Das Firmament nicht identisch mit dem Himmel. "Das Wasser über der Himmelsveste": seine Möglichkeit, Wirklichkeit, Zweckmäßigkeit. Feuer und Wasser paralysieren gegenseitig ihre verheerenden Wirkungen. Der Sternenhimmel eine glühende Feuerzone, die Sonne ein Feuerball.

10.

Wir aber halten uns an den Text und die Anordnung der Schrift und richten bei der Beurteilung des Schöpfungswerkes den Blick auf den Schöpfer. Was ward gesprochen? Wer hat gesprochen? Zu wem hat er gesprochen? „Es werde eine Veste inmitten des Wassers, und sie sei Scheide zwischen den Wassern.“ Ich höre, wie auf sein Geheiß eine Veste wurde, durch welche das Wasser geschieden und das obere vom unteren getrennt werden sollte. Gibt es etwas Klareres als das? Und er, der auf sein Geheiß das Wasser schied, indem er dazwischen und mittenhinein eine Veste schuf, sorgte auch vor, wie es nach der Scheidung und Absonderung beharren könne. Das Wort Gottes gibt der Natur ihre Kraft und der Substanz ihre Dauerhaftigkeit, solange er, der ihr den Bestand gab, sie fortdauern lassen will; denn so steht geschrieben: „Er stellte sie hin auf ewig und für alle Ewigkeit; ein Gesetz stellte er auf, [S. 59] und es wird nicht vergehen“1. Und damit du dich überzeugest, daß diese Worte eben von jenen Wassern gesprochen wurden, deren Vorhandensein über dem Himmel dir unmöglich dünkt, so höre die vorausgehenden: „Lobet ihn, ihr Himmel der Himmel! Und die Wasser, die über den Himmeln sind, sollen loben den Namen des Herrn“2. Galt nicht dir, dem Leugner, die weitere Beteuerung: „Denn er sprach, und sie waren da, er gebot, und sie waren geschaffen: Er stellte sie hin auf ewig und für alle Ewigkeit; ein Gesetz stellte er auf, und es wird nicht vergehen“3. Oder dünkt dir der Schöpfer nicht mächtig genug, um seiner Schöpfung ein Gesetz zu geben? Gott ist’s, der da spricht, verehrungswürdig seiner Natur nach, unermeßlich an Größe, unendlich in seinen Vergeltungen, unbegreiflich in seinen Werken. Wer vermag die Tiefe seiner Weisheit zu ergründen?4 Doch er spricht es zum Sohne, d. i. seinem Arme, er spricht es zu seiner Kraft, er spricht es zu seiner Weisheit, er spricht es zu seiner Gerechtigkeit. Und es schafft der Sohn als der Mächtige, er schafft als die Kraft Gottes, er schafft als die Weisheit Gottes, er schafft als Gottes Gerechtigkeit. Wenn du dies hörst, wie willst du dich wundern, wenn über der Himmelsveste durch die Schöpferhand der so unendlichen Majestät Wasserflut sich festigen ließ?

1: Ps. 148, 6 [Hebr. Ps. 148, 6].
2: Ps. 148, 4 f. [Hebr. Ps. 148, 4 f.].
3: Ps. 148, 5 f. [Hebr. Ps. 148, 5 f.].
4: Röm. 11, 33.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger