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Franz Anton von Bernard, Einleitung. In: Des Afrikaner's Arnobius sieben Bücher wider die Heiden. Aus dem Lateinischen übersetzt und erläutert von Franz Anton von Bernard, Landshut 1842.
Einleitung

Vorwort

6.

Die nicht lange nach dem Blutbade zu Nikomedia entstandenen wenig bedeutenden Unruhen in Armenien und Syrien wurden den Christen zur Schuld gegeben. Es folgte also ein zweites Edikt, welches befahl: die Vorsteher aller Kirchen sollten sofort eingekerkert werden. Bald aber gebot ein drittes Edikt, Jeden frei zu lassen, der den Götzen opfern würde, die Widerstrebenden dagegen so lange zu foltern, bis sie dahin einwilligten; und nun begannen die Rüstzeuge römischer Grausamkeit in allen Theilen des Morgenlandes und der illyrischen Provinzen wider Christi Diener zu wüthen. Uebrigens zeigt schon der erlassenen Verordnungen Unbestimmtheit, daß der Gläubigen Schicksal nicht aller Orten dasselbe seyn konnte. So weit Diokletian und Galerius herrschten, wurde wider die Geistlichen verfahren; wo aber ein Statthalter die Christen haßte oder den Herrschern emsiger zu gefallen strebte, bluteten auch Laien, obschon Dodwell sich zu erweisen bemüht, die Laien seyen so lange Diokletian regierte, nie in dieser Gefahr gewesen: denn nicht genug, daß des Kaisers Wille, das Christenthum auszurotten, mit furchtbarer Klarheit ausgesprochen war, so gaben Theilnahme an den gottesdienstlichen Versammlungen oder verweigerte Auslieferung der heiligen Schrift genug Veranlassungen, auch Laien in's Gefängniß zu werfen; und dann war selbst der Buchstabe des dritten Edikts auf sie anwendbar. Einige Obrigkeiten mordeten in schleuniger Hast, weil sie verzweifelten, der Bekenner Muth zu erschüttern. Andere bestürmten ihre Standhaftigkeit mit den sinnreichsten Martern. Mit besonderer Wuth tobte die Verfolgung in Aegypten, wo namentlich in Thebais die abgefeimteste Bosheit sich übte, den schrecklichsten Leibesqualen innere Seelenkränkung hinzuzufügen, und in den mannigfachen Provinzen Kleinasiens. Fast allen Uebrigen aber thaten es die Richter in Pontus an henkerischer Erfindsamkeit zuvor. Des Leibes zartesten Theil zur Qual aussuchend ließen sie den Martyrern scharfes Schilfrohr zwischen die Nägel hineinstoßen, geschmolzenes Blei über den entblösten Rücken schütten, bis es niederfließend die Schamtheile erreichte. Welche fernere Qualen sie Männern und Weibern bereiteten, verbietet die Scham auseinander zu setzen. Doch kein Land zählte so zahlreiche Kämpfer Christi als Aegypten. Eusebius, damals in diesem Lande, sah es mit Augen, wie der Statthalter eine solche Menge von Gläubigen mit Einem Todesurtheile verdammte, daß des Mordschwerdtes Schärfe stumpf wurde und der ermüdete Henker mehrmals abgelöst werden mußte. Aufgemuntert jedoch von diesem blutigen Anblicke, nicht entmuthigt, drängten die Uebrigen sich mit freudiger Bereitwilligkeit vor den Richterstuhl und antworteten auf den Todesspruch mit [S. 9] Segnungen und heiligen Lobgesängen. Dem Morde ward auch am Nile die Folter vorangeschickt, der Folter frecher Muthwille beigesellt. So schleuderte man in Thebais (Euseb hist. eccl. VIII. 9) christliche Frauen mittels Maschinen an einem Fuße umgekehrt in die Höhe, damit zugleich mit den Gliedern auch ihr Schamgefühl gepeinigt würde. Andere wurden mit den Füßen an zusammengebogene Baumäste gebunden und durch Losschnellen mitten auseinander gerissen. Sogar Kinder wurden verbrannt. Da die Verfolgung in Aegypten so heftig tobte, flohen viele der Gläubigen in andere Provinzen. Nicht wenige derselben fanden in ihren Zufluchtsorten dann den Martyrertod. Die so hartnäckige, weitverbreitete Schlächterwuth macht geneigt, auf das Zeugniß eines Pontifikales aus dem sechsten Jahrhundert zu glauben, daß in Einem, wahrscheinlich einem der ersten Monate der Verfolgung bei fünfzehntausend Märtyrer gekrönt wurden. (Stollberg IX. 357 flg.) Wer des nicht ungewarnten Angriffes Grausamkeit und die Macht wie Anzahl der Christen erwägt, der mag wohl staunen, daß ihnen der Lebenstrieb die Hand nicht nach dem Schwerte hinriß, und das siegreiche Kreuz anbethen, welches allein solche Wunder duldenden Gehorsams zu wirken vermag. Selbst viele Heiden wurden von Mitleiden und Unwillen bewegt, so daß sie nicht wenige Gläubige den nachspähenden Verfolgern entzogen. Ja einige derselben wollten lieber ihre Güter eingezogen sehen, als die verborgen Gehaltenen ausliefern.

 

 

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Einleitung zu:
Gegen die Heiden (Adversus Nationes) (Arnobius major (um 303-305))

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger