Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Franz Anton von Bernard, Einleitung. In: Des Afrikaner's Arnobius sieben Bücher wider die Heiden. Aus dem Lateinischen übersetzt und erläutert von Franz Anton von Bernard, Landshut 1842.
Einleitung

Vorwort

5.

Das Fest der Terminalien am 23. Februar des Jahres 303 war zur Verkündigung der kaiserlichen Beschlüsse ausersehen worden. Unter den nach römischer Ansicht glücklichen Auspicien dieses Tages sollte die Zerstörung der Religion Jesu Christi ihren Anfang nehmen. Bei Tagesanbruch erschien der Präfekt mit großem Gefolge und mit einer Schaar Krieger vor der Kirche von Nikomedien; einem großen, herrlichen Gebäude, welches sich auf einem Hügel im Angesicht des kaiserlichen Palastes erhob; ließ die Pforten derselben aufsprengen und nach dem Bildnisse der Gottheit suchen. Es fanden sich aber nur die Evangelienbücher, welche in's Feuer geworfen wurden. Den Vorrath an Oel, Wein und Brod, die für Arme aufbehaltenen Gewande plünderten die Soldaten, worauf sie auch das Gebäude niederrissen. (Lactant. de morte pers. c. 10 flg.) Am folgenden Tage ward auf dem öffentlichen Platze das erste Edikt angeheftet, des Inhalts: "Alle Christen ohne Ausnahme sind ihrer Ehren und Würden entsetzt; kein Stand ist von der Folter befreit; Jedem steht es frei, gegen die Christen jegliche Art von Klage geltend zu machen; sie selbst hingegen können gegen kein erlittenes Unrecht irgend Klage erheben; auch sollen sie weder Freiheit noch Stimme haben. Die Kirchen sollen niedergerissen, die Kirchengüter konfiszirt, die Bücher [S. 7] verbrannt werden." Ein Christ, der dieses Dekret herunterriß und es spottend mit den Worten: "Siehe da! die Verkündigung der Siege über die Goten und Sarmaten;" zerriß, wurde sogleich eingezogen, auf die Folter gespannt, an langsamem Feuer gebraten und zuletzt verbrannt, was er mit größter Standhaftigkeit aushielt. So waren die Christen für vogelfrei erklärt und wehrlos der Willkühr ihrer heidnischen Mitbürger überliefert. Diese Gattung der Verfolgung würde längere Zeit hindurch fortgesetzt die grausamste, für das Christenthum die gefahrvollste gewesen seyn, aber sie dünkte dem wilden Galerius zu gelinde und langsam; bald traten zufällige Ereignisse mit seiner Wuth in den Bund. Ein Blitzstrahl steckte nämlich kurze Zeit nach der Verordnung Bekanntmachung den kaiserlichen Palast in Brand, so daß die Flammen ihn großen Theils verzehrten. Galerius säumte nicht, den Vorfall benutzend, die Christen der Brandstiftung zu beschuldigen. Eine große Menge geringerer Hofbedienten ward in Diokletians Gegenwart auf die Folter gespannt; doch keiner ließ sich ein falsches Bekenntniß entreißen. Allein fünfzehn Tage darauf entstand im Palaste eine neue Feuersbrunst, deren Urheber kaum ein Anderer als Galerius selbst war: denn der Berricht von Zeitgenossen wie der Umstände ganze Verkettung spricht wider ihn. Zwar wurde die Flamme diesmal zeitig entdeckt und gelöscht; doch um in dem bestürzten Augustus das Gefühl der angeblichen Gefahr zu steigern, stellte sich Galerius, als wage er nicht mehr in Nikomedien zu bleiben, und ließ zur schleunigsten Abreise Anstalten treffen. (Lactant. c. 14.) Nun endlich feierte seine blutgierige Bosheit ihren vollen Triumph; Diokletian flammte in sinnloser Wuth auf. Er befahl den Christen an seinem Hoflager Weihrauch auf den Altar zu streuen, und Petrus, einer der Vornehmsten wurde, da er unerschütterlich widerstand, vor beider Kaiser Angesicht nackt aufgehenkt, mit Geiseln zerfleischt bis die Eingeweide entblößt sichtbar waren. Darauf goß man in Essig aufgelöstes Salz über seine Wunden, und da auch unter diesen Peinen weder sein Leben noch seine Standhaftigkeit endete, spannte man ihn auf einen Rost aus, und ließ ihn von langsamem Feuer verzehren. Die Oberkämmerer Dorotheus und Gorgonius, einst unter Diokletians Günstlingen ausgezeichnet, erlitten sammt vielen Kämmerern und Verschnittenen ähnliche Qualen, und starben im Bekenntnisse ihres Gottes und Heilandes. Priska aber und Valeria wagten nicht dem Zorn ihres Gatten und Vaters zu stehen, und befleckten gezwungen, wie Laktantius sagt, ihre Seelen mit der falschen Götter Dienst. Des Augustus Henkerwuth blieb nicht auf des Palastes Innere beschränkt. Anthimus, Bischof von Nikomedia ward nach muthigem Bekenntnisse enthauptet. Schaarenweise wurden die Gläubigen dieser Stadt mit dem Schwerte niedergewürgt, mit Scheiterhaufen umringt und verbrannt, in die Meeresfluthen versenkt. Sobald der ergrimmte Kaiser durch solch blutiges Beispiel gezeigt hatte, wie er es mit der Verfolgung wolle gehalten wissen, fanden sich auch viele Obrigkeiten, welche der Absicht ihres Gebieters durch Schwert wie Folter zu entsprechen bemüht [S. 8] waren, und auch außer Nikomedia begann der Gläubigen Blut zu fließen. Aber dennoch zeigte er sich nach vertobter erster Zornwuth seiner Politik getreu, und das Gehässige seiner Maaßregeln auf Andere zu wälzen bemüht, scheute er auch nach so blutigen Thaten seinen Willen mit klaren Worten auszusprechen. Kein Befehl der Hinrichtung erging wider die Christen. (Stollberg IX. 329 flg.)

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. Vorwort
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. Inhalt

Einleitung zu:
Gegen die Heiden (Adversus Nationes) (Arnobius major (um 303-305))

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger