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Franz Anton von Bernard, Einleitung. In: Des Afrikaner's Arnobius sieben Bücher wider die Heiden. Aus dem Lateinischen übersetzt und erläutert von Franz Anton von Bernard, Landshut 1842.
Einleitung

Vorwort

16.

Zur Zeit Diokletian's war Arnobius Lehrer der Beredsamkeit zu Sicca Veneria in Numidien und erwarb sich großen Beifall. Ein Widersacher des Christenthums, bewogen ihn wunderbare Träume vom Heidenthum hinweg sich dem Glauben an Christus Jesus Lehre zuzuwenden: denn gar oft geschah es, daß Manche durch ganz besondere Fügungen in ihrem Leben, durch außerordentliche Eindrücke der sie heranziehenden Gnade auf ihr Gemüth zuerst zum Glauben geführt wurden; weßhalb der keineswegs leichtgläubige Origines darüber zu den Heiden sagte: "Mag Celsus über das, was ich sagen will, immerhin spotten; doch muß gesagt werden, daß Viele, wie gegen ihren Willen, zum Christenthume gekommen seyen, indem ein gewisser Geist plötzlich ihr Gemüth von dem Hassen gegen die christliche Lehre zum Eifer, für dieselbe auch das Lebens selbst hinzugeben, fortriß; und indem dieser ihnen im [S. 19] Wachen oder im Traume gewisse Bilder vor die Seele führte: denn viel dergleichen haben wir vernommen. Wollten wir es aber niederschreiben, wir würden, obgleich dabei gegenwärtig und Augenzeuge, den Ungläubigen gar viel zu spotten geben. Sie würden glauben, daß auch wir solches erdichten. Gott aber ist Zeuge unsers Gewissens, daß wir nicht durch falsche Erzählungen, sondern durch vielfältige, zuverlässige Zeugnisse Jesu göttliche Lehre bewähren wollen." Um die Taufe anhaltend, ward Arnobius von dem Bischofe, der Zweifel in seine Aufrichtigkeit setzte, zurückgewiesen. Um diesen nun zu beschwichtigen, verfaßte er als Unterpfand seiner aufrichtigen Bekehrung eine in sieben Bücher abgetheilte Widerlegung der Heiden, worin er diese Vorwürfe gegen das Christenthum mit Geist und Kraft zurückweist. Sie bewirkte seine Zulassung zur Taufe. So berichtet der Heilige Hieronymus (de viris ill. c. LXXIX. und Chronic. ad a. XX. Constantinii.). Hieraus haben manche gefolgert, Arnobius sey, als er für das Christenthum schrieb, auch nicht einmal Katechumen gewesen; wogegen Lardner (Glaubw. der evangel. Gesch. Th. II. B. IV S. 7) berücksichtigend, wie wenig sich damit seine Kenntnis von den christlichen Lehren und selbst von derselben Beweisen vereinigen lasse; wie ihm der Christen Gottesdienst bekannt gewesen; wie er sich stets unbedenklich den Chrissten zuzählte; als wahrscheinlicher findet, jene Nachricht sey von fremder Hand der Chronik des heiligen Hieronymus eingeschaltet worden. Zumal, da in derselben Arnobius erst in das Jahr 325 oder 326 gesetzt wird, wo doch die Christen in Ruhe und Frieden gesichert lebten. Diese gewaltsame Entscheidung Lardners ist, wie es scheint, nicht nothwendig anzunehmen: denn Arnobius kann Katechumen gewesen seyn und als ehemaliger Gegner der Christen durch Lesen ihrer Schriften, wie sich offenbar darthut, da er oftmals den heiligen Clemes von Alexandrien, freilich ohne ihn zu nennen, wörtlich ausschreibt, auch anderer Apologeten Argumente benutzt, mit ziemlicher Einsicht in die christliche Lehre, was allerdings der Fall, diesen Vorbereitungsstand angetreten haben. Daß er die heilige Schrift nicht anführt, ist begreiflich: denn damals war es den Christen nicht erlaubt, dieselbe den Heiden in die Hände zu geben; wurde sie doch selbst den Katechumenen nicht anvertraut, sondern nur den Christen, welche durch mündlichen Unterricht zur Wahrheit gelangt waren; der die apostolische Auslegung von Geschlecht zu Geschlecht erhält, und so allein Einheit des Glaubens zu bewahren, vor Irrthum wie Spaltung zu schützen vermag. Die von ihm beigebrachten Wunder konnte er leicht wohl erfahren haben; obschon Lardner bemerkt, Arnobius wisse zu viel von Christus Thaten und von den Geschichtschreibern seines Lebens, als daß er sie nicht gelesen sollte haben. Daß er aber seine Widerlegung als Uneingeweihter geschrieben, dafür spechen auch die irrigen Behauptungen, welche sichtlich eine mangelhafte Kenntniß des Christenthums kundgeben. Die wahrscheinliche Abfassungszeit ergibt sich aus der ganzen Haltung des Werkes selbst: denn es ist durchaus mit Rücksichtnahme auf die diokletianische [S. 20] Verfolgung gefaßt; und da diese in den Jahren 304 und 305 Afrika bis in das entfernte Numidien hin durchwüthete, so wollen Viele annehmen, Arnobius sey in dieser Zeit Christ geworden. Er lebte im Jahre 325 noch. Daß er die Priesterweihe empfangen, ist eine unverbürgte Nachricht des Abtes Trithemius (lib. de script. eccles. c. 53): denn alle weitere Kunde von seinen Lebensverhältnissen mangelt. Selbst Laktantius, sein so berühmter Schüler, schweigt.

 

 

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Einleitung zu:
Gegen die Heiden (Adversus Nationes) (Arnobius major (um 303-305))

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger